Live-Bilder aus aller Welt

Ein schneller Internetanschluss und eine Kamera genügen, um Bilder online zu stellen. Und daran freuen sich nicht nur Heimwehschweizer.

Eine Kamera hinter dem Estrichfenster: Die 400 Franken teure Netzwerkkamera Axis 207 stellt laufend neue Bilder ins Internet.

Andi Jacomet

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Martin Müller aus Memphis, Tennessee, war gar nicht erfreut: «Ihre Webcam ist heute früh um 7:06:31 Uhr eingeschlafen. Als Ausland-Berner möchte ich doch gerne wissen, wie es daheim aussieht», mailte er dem Webcambetreiber, dessen Kamera einen kurzen Aussetzer hatte.

Webcams sind beliebt – nicht nur bei Heimwehschweizerinnen und -schweizern: vor dem Skitag die Schneelage checken, am Morgen vor der Wanderung die Nebelgrenze ausloten oder einfach nur kurz virtuell die Sonne am letzten Ferienort geniessen, während hier zu Lande Aprilwetter herrscht. Vor wenigen Jahren war das undenkbar.

Heute gibt es kaum noch einen Ort ohne Webcam. Sogar in Seilbahnkabinen oder Lokomotiven fahren Webcams mit und liefern laufend wechselnde Motive. Die Website Bildersammlung.ch bietet eine Fülle solcher Perlen und archiviert zudem die Fotos vieler Kameras als Zeitrafferfilme – das macht selbst die aktuelle Schneeschmelze zum spannenden Pausenzeitvertrieb.

Nicht nur für Firmen

Längst sind es nicht mehr nur Unternehmen, die minütlich aktualisierte Landschaftsfotos ins Netz stellen. Netzwerkkameras sind auch für Privatpersonen erschwinglich geworden. Wer via ADSL oder Kabel surft, kann mit einer Webcam auf dem Dach oder hinter dem Fenster vielen Leuten eine Freude bereiten. Der Fantasie sind bloss rechtliche Grenzen gesetzt. Personen dürfen auf den Bildern nicht identifizierbar sein. Bei der Standortsuche ist zudem gesunder Menschenverstand gefragt. Nachbarn schätzen es kaum, wenn ihr Schlafzimmer im Fokus ist.

Webcam ist nicht gleich Webcam: Während einfache Kameras für Chats via USB an den Computer gestöpselt werden, werden Netzwerkkameras per Ethernet-Kabel oder Funknetz mit dem Internet verbunden. Das Administrationsinterface ist bei solchen Kameras über den Webbrowser erreichbar; darin lassen sich Bildqualität und Uploadparameter steuern. Netzwerkkameras bieten im Vergleich zu Webcams ein Vielfaches an Funktionen und meist eine bessere Bildqualität (siehe unten).

Drinnen oder draussen?

Allerdings lohnt es sich auch hier, vor dem Kauf im Netz nach Tests zu suchen: Gerade günstige Produkte kommen kaum an die Bildqualität eines Handys heran, sind dafür aber schwenkbar. Statt sich bloss auf technische Zahlen zu verlassen, liest man besser einige Erfahrungsberichte und schaut Bilder an. Als Faustregel gilt: Je wetterfester eine Kamera ist, desto mehr kostet sie. Muss es gleich eine Kamera im beheizbaren Gehäuse zuoberst auf dem Kamin sein? Eine Innenkamera, die durchs Stubenfenster die Landschaft aufnimmt, tut es meist auch.

Bei der Montage ist bisweilen etwas Bastelarbeit gefragt. Und um die Kamera zum Laufen zu bringen, sind einige Netzwerkkenntnisse von Vorteil. Nötig sind sie aber nicht: Die Bedienungsanleitungen teurerer Kameras helfen auch Laien weiter. Wer kontinuierlich Bilder ins Internet stellen will, sollte abklären, ob diese Funktion wirklich zur Verfügung steht. Die Axis 206 etwa kann das nicht. Vonnöten ist ein Webserver, auf dem die Bilder abgespeichert werden. Wer die Kamera nach der Installation bei Portalen wie Swisslivecams.ch registriert, macht sie schnell weit herum bekannt.

Raumüberwachung

Netzwerkkameras waren ursprünglich für Sicherheitsaufgaben vorgesehen. Auch heute können fast alle Modelle bei Bewegungen im überwachten Raum den Besitzer per Mail alarmieren und Fotos der Ereignisse sichern. Auch wenn der Einbrecher schon über alle sieben Berge ist, so existiert wenigstens ein Bild von ihm. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.04.2009, 12:05 Uhr

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