Hochs und Tiefs einer langen Beziehung

Wordpress

Eine Website zu kreieren, ist einfach – oder zumindest: viel einfacher als früher. Dies ist nicht zuletzt das Verdienst von Wordpress. Eine Huldigung zum 10. Geburtstag dieses Weblogsystems. Und eine ganz persönliche Abrechnung.

hero image

(Bild: Screenshot)

Mathias Born@thisss

Schon 10 Jahre? Tatsächlich: Am Montag feierten die Programmierer des Weblogsystems Wordpress den ersten runden Geburtstag ihres Projekts feiern. Sie haben guten Grund für eine rauschende Party: Wordpress hat in den letzten 10 Jahren das Internet umgekrempelt. Das System wurde bislang über 65 Millionen Mal heruntergeladen und ist heute die am weitesten verbreitete Software zum Betrieb von Weblogs. Und immer öfters wird sie auch für konventionelle Webseiten eingesetzt.

Vielen normalen Internetnutzern dürfte der Name Wordpress wenig sagen. Das muss er auch nicht, denn die Software werkelt diskret im Hintergrund: Sie dient den Autoren der Website dazu, ihre Inhalte zu verwalten und zu veröffentlichen. Dazu brauchen sie kein grosses Know-how: Beiträge und Bilder auf einem Weblog zu veröffentlichen, ist ähnlich einfach, wie eine E-Mail zu verschicken. Vorausgesetzt, man hat das System erst einmal konfiguriert. Doch mehr dazu später.

Bevor es Wordpress gab, war es ziemlich aufwendig, akzeptabel aussehende Homepages zu kreieren. Noch um die Jahrtausendwende hatte, wer Inhalte online stellen wollte, drei Möglichkeiten: Man engagierte einen Profi. Man vertiefte sich in dicke Wälzer, um die «Hypertext Markup Language» zu lernen, und schrieb die Homepage selbst. Oder man kaufte eine Software wie Dreamweaver oder Frontpage, in der sich die Webseiten zusammenklicken liessen. Bei den beiden letzten Möglichkeiten musste man in Kauf nehmen, dass jene Leute, die etwas von Webdesign verstanden (und wohl an einem Programmierauftrag interessiert gewesen wären), sich über den unsauberen Code mokierten, über die unmögliche Gestaltung oder die schlechte Performance. Glücklicherweise entstanden damals immer mehr Internettagebücher, sogenannte Weblogs. Als schliesslich halbwegs ausgereifte Weblogsoftware zur Verfügung stand, eroberten die Nutzer mit ihren eigenen Inhalten definitiv das Internet, das bislang von den Universitäten und zuletzt von grösseren Unternehmen dominiert worden war: Das Zeitalter des sozialen Webs brach an.

Wordpress ist ein Segen...

Wordpress war ein Segen. Dank des Systems, das Ende Mai 2003 aus dem Vorgänger «b2» hervorgegangen war, konnten endlich auch Laien professionell aussehende Websites kreieren. Und zwar solche, bei denen die Inhalte von den Formatierungsbefehlen getrennt waren, sodass man der Website nach Lust und Laune andere Themenkleidchen überziehen konnte.

Das Ganze kriegte man sogar zum Nulltarif: Wordpress ist seit dem Anfang freie Software, kann also kostenlos genutzt und an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Vor allem war die Installation einfach – zumindest im Vergleich zum Prozedere bei anderer Serversoftware: Man lädt das System herunter, konfiguriert es, legt die Dateien auf einen gemieteten Serverplatz und lässt ein Installationsskript laufen. Das schaffen selbst Laien mit ein bisschen Übung in unter fünf Minuten.

... und ein Fluch zugleich

Doch genug der Lobhudelei. Wer mit Wordpress experimentiert und gearbeitet hat, erlebte auch viele Tiefs. In den ersten Jahren gab sich das System längst nicht auf Anhieb mit jedem Serverplätzchen zufrieden. Das kostete halbe Nächte. Einmal zerschoss es die Datenbank, ein anderes Mal wurden Anfragen an die falsche Adresse weitergeleitet. Einmal war nach einem Update Funkstille. Mehrfach kamen sich Plug-ins in die Quere. Einmal verunstaltete Wordpress alle Umlaute, sodass abendelang nachgebessert werden musste.

Die meisten dieser Kinderkrankheiten sind nun aber ausgestanden. Dafür warten andere Probleme: Wordpress ist dermassen erfolgreich – und viele Nutzer dermassen unerfahren –, dass sich das System bei Cyberkriminellen grösster Beliebtheit erfreut. Sicherheitslecks werden jeweils rasch ausgenutzt. Deshalb sind fleissige Updates nötig. Derzeit grasen Angreifer zudem eine Installation nach der anderen ab und probieren als Passwörter jeweils halbe Wörterbücher durch.

Das zeigt: Das wahre Problem von Wordpress sind – wie früher wohl auch – die Nutzer, die unerfahrenen und die unbelehrbaren.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt