Goodbye, Google Reader!

Wer die News im Internet sammeln und ordnen wollte, nutzte Googles bekannten Nachrichtenticker. Am 1. Juli ist Schluss. Neue Dienste wollen sein Erbe antreten.

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Christian Lüscher@luschair

Am 1. Juli geht eine Internetära zu Ende. Google stellt seinen Reader ein. Obwohl der Service bei vielen Usern sehr beliebt war, zieht der Internetkonzern den Stecker. Warum? Darüber wird bis heute gerätselt. In Branchenkreisen wird vermutet, dass Google mit der Einstellung sein Netzwerk Google+ pushen will.

Das Bekanntwerden löste im Web vor Monaten eine Welle der Empörung aus. Und das dürfte auch der Grund für viele Internetfirmen gewesen sein, an einer Alternative zu Googles abtretendem Nachrichtensammeldienst zu arbeiten. Das Erbe ist gross. Und die Nachfrage ebenso.

AOL will in die Bresche springen

Doch ein vollwertiger Google-Reader-Ersatz ist noch nicht in Sicht. Am Montag wurde bekannt, dass der Internetkonzern AOL an einem Angebot arbeitet. Der Service nennt sich AOL Reader. Der Dienst klingt nicht nur ähnlich wie Googles Erfolgsprodukt, er sieht in der Aufmachung auch sehr ähnlich aus. Technisch ist das Angebot von AOL – eine Betaversion – noch nicht ausgereift. Punkten tut AOL aber schon mit einfacheren Sortier- und Kategorisierungsmechanismen.

Wie AOL arbeite auch Facebook an einem Reader-Ersatz. Dies allerdings schon seit längerem und angeblich nach dem Vorbild der mobilen Nachrichten-App Flipboard. Wie das Wirtschaftsblatt «Wall Street Journal» jüngst berichtete, soll der intern als «Reader» bezeichnete Dienst News von Facebook-Usern und Medienangeboten in einem neuen visuellen Format für mobile Endgeräte darstellen. Wann der Dienst an den Start gehen soll, ist noch unklar. Und ob er die Lücke des Google Reader auch tatsächlich stopfen kann, bleibt ungewiss.

Design wirkt zu rudimentär

Eine passable Lösung hat auf jeden Fall Feedly. Der Reader hat bereits heute eine treue Anhängerschaft. Bereits sollen über 25 Millionen Feeds über den Dienst laufen. Ein Grossteil der Nutzer sind ehemalige Google-Reader-User, denn Feedly macht es bis jetzt am einfachsten, die Feeds bequem in Feedly zu übernehmen. Vorteil Nummer zwei: Der Dienst eignet sich für Smartphones und läuft auf allen Internetbrowsern schnell. Einziger Minuspunkt: das Design. Es ist zu rudimentär.

Grösster Konkurrent zu Feedly ist Digg, auch wenn noch nichts zu sehen ist. Auch das New Yorker Unternehmen arbeitet unter Hochdruck an einer Reader-Alternative. Eine Betaversion des Digg Reader soll diesen Mittwoch zur Verfügung stehen, ist in einer Ankündigung zu lesen. Zum Leistungsumfang gehört neben dem Import des Google Reader eine hohe Geschwindigkeit sowie intuitive Bedienung zum Abonnieren, Speichern, Teilen und Verwalten von RSS-Feeds. Auch eine App für iPhone und iPod touch soll veröffentlicht werden. Erweiterte Sortierungs- und Filterfunktionen will man nachreichen. Digg Reader wird grundsätzlich kostenlos sein, wobei erweiterte Funktionalität kostenpflichtig sein wird.

Lesevorlieben erkennen

Potenzial hat noch ein anderer Reader namens Newsblur. Gerade bei den sogenannten Power-Usern erfreut sich der Dienst einer grossen Nachfrage. Newsblur ist die clevere Variante aller Reader, denn der Service erlernt die persönlichen Lesevorlieben und gibt dann Empfehlungen bei der Kanalisierung der Informationsflut. Gerade im Zusammenspiel mit Twitter und Facebook punktet der Dienst. Und noch etwas überzeugt: Direkt im Browserfenster bietet er neben Feeds und reiner Textansicht die Anzeige der Originalseite, die den Feed liefert. Ein mühsamer Fensterwechsel ist damit nicht nötig.

Und dann gibt es noch eine Alternative. Wer die Schönheit eines gedruckten Magazins mit Social Media verbinden möchte, der kann auf Flipboard zurückgreifen. Das kalifornische Unternehmen hat eine App entwickelt, die in der Aufmachung einem Magazin ähnelt. Es werden nicht Links gezeigt, sondern Fotos, Videos und Texte, die mit Links hinterlegt sind. Die Nutzer sehen also keine chronologisch sortierten Linklisten, sondern gleich die schön aufbereiteten Inhalte. Aber das ist nicht der einzige Vorteil: Das eigentlich Faszinierende ist das im Hintergrund arbeitende semantische Verfahren, das Inhalte nach persönlicher Relevanz sortiert.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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