Jetzt geht es ans Eingemachte

Nach der Veröffentlichung zahlreicher US-Geheimdokumente steht das Enthüllungsportal Wikileaks unter Druck. Das Online-Bezahlsystem Paypal hat seine Dienste für Wikileaks eingestellt.

Ist untergetaucht: Wikileaks-Gründer Julian Assange.

Ist untergetaucht: Wikileaks-Gründer Julian Assange.

(Bild: Keystone)

Der Kampf ums Überleben wird für die Enthüllungsplattform Wikileaks immer schwieriger: Nachdem das Portal sich schon seit Tagen gegen Hacker-Angriffe und die Weigerung von Firmen, seine Website zu betreiben, wehren muss, sperrte am Wochenende das Internet-Bezahlsystem Paypal Wikileaks das Konto. Damit drohen dem auf Spenden angewiesenen Online-Portal massive finanzielle Einbussen.

Wegen Verletzungen der Nutzungsbedingungen sei das von Wikileaks genutzte Konto «dauerhaft abgeschaltet» worden, teilte Paypal am späten Freitagabend (Ortszeit) in den USA mit. Den Vorgaben zufolge dürfe das Bezahlsystem nicht genutzt werden, «um illegale Vorgänge anzuregen, zu fördern oder zu erleichtern». Wikileaks machte darauf «Druck der US-Regierung» für die Kontensperre durch die Tochter des US-Internet-Auktionshauses eBay verantwortlich. Das weltweite Einwerben von Spenden dürfte für Wikileaks nun deutlich schwieriger werden.

Es wird immer enger

Die Enthüllungsplattform hatte vor einer Woche mit der schrittweisen Veröffentlichung von 250'000 geheimen Depeschen des US-Aussenministeriums begonnen, in denen Diplomaten aus ihren Einsatzländern berichten. Die Regierungen der USA und anderer Länder warfen dem Portal daraufhin schwere Rechtsverstösse vor. Zuvor hatte Wikileaks bereits unter anderem Dokumente zu den US-Militäreinsätzen in Afghanistan und im Irak veröffentlicht.

Vor Paypal hatte bereits das US-Unternehmen Amazon die Wikileaks-Website von seinen Servern verbannt, weshalb das Portal auf andere Netzanbieter ausweichen musste. Am Mittwoch schaltete auch der US-Internetnamensdienst EveryDNS.net die Weiterleitung von der ursprünglichen Webadresse wikileaks.org ab. Auch am Wochenende kämpfte das Enthüllungsportal weiter darum, online zu blieben. Hilfe bekam das Portal dabei von der Schweizer Piratenpartei, die zahlreiche Alternativadressen zur Verfügung stellte, darunter wikileaks.ch.

Erneuerung der Kritik an Assange

Wikileaks-Gründer Julian Assange drohte derweil täglich die Festnahme, nachdem Schweden einen neuen internationalen Haftbefehl wegen der gegen ihn erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe ausgestellt hat. Assange soll sich in England aufhalten, ein erster Haftbefehl aus Schweden war fehlerhaft gewesen. Der Londoner Anwalt von Assange, Mark Stephens, sagte AFP am Samstag, er rechne nicht vor zehn Tagen mit dem Eintreffen des neuen Haftbefehls.

Der deutsche Wikileaks-Aussteiger Daniel Domscheit-Berg erneuerte unterdessen seine Kritik an Assange. Er warf dem Australier im Magazin «Focus» vor, seine Macht missbraucht zu haben. Auf Kritik habe er «zwischen wütend und ignorant» reagiert. Vor allem habe die Transparenz gefehlt. «Von anderen Organisationen oder Regierungen haben wir das die ganze Zeit eingefordert, aber intern wurde diese Transparenz verwehrt.» Domscheit-Berg will nun demnächst eine eigene Enthüllungsplattform in Deutschland gründen.

rek/AFP

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