Der Browser, der Spione abwehrt

Brave möchte die Privatsphäre der Nutzer schützen und sie sogar fürs Surfen bezahlen.

Ein Löwe im Dienst der Nutzer? Das Logo des neues Browsers.

Ein Löwe im Dienst der Nutzer? Das Logo des neues Browsers.

(Bild: (pd))

Brave will sich als neue schnelle Surf-Software am Markt etablieren. Neben dem Versprechen, schneller im Netz unterwegs zu sein, soll Brave (deutsch: «tapfer») auch der Browser für die Post-Snowden-Ära werden. So bringt er Funktionen für mehr Privatsphäre gleich mit, die bei der Konkurrenz zwar auch zu haben sind, aber dort erst nachgerüstet werden müssen. Seit gestern können Interessierte Testversionen für Windows und Mac OS X herunterladen. Apps für Android und iOS sollen folgen.

Im Test schlägt sich der Browser gut, was aber keine Überraschung ist. So haben die Macher nicht eine von Grund auf neue Software entwickelt, sondern greifen auf Bestehendes zurück: Google stellt den Programmcode seines Chrome-Browsers in weiten Teilen zur Verfügung, als Opensource-Projekt – darauf baut der alternative Browser. Brave basiert auf Chrome, fügt aber Teile hinzu: vor allem einen Werbeblocker und die Eigenschaft, standardmässig verschlüsselt mit Servern zu reden. Bei der Geschwindigkeit überzeugt Brave. In unserem Test der Mac-Version mit der Messwebsite Browsermarkerzielte Brave eine konkurrenzfähige Punktzahl.

Das Surfen läuft flott (Werbevideo), wobei der Geschwindigkeitsvorteil auch Braves Konzept geschuldet ist, keine konventionelle Werbung zu laden. Allerdings ist der Betastatus noch deutlich zu spüren. Detaillierte Einstellungen fehlen, und im Test tat sich Brave auch mit der Darstellung einzelner Websites schwer.

Das Netz umbauen

Die Ambitionen sind gross: Der integrierte Werbeblocker ist mehr als nur ein fest eingebautes Plug-in, er ist Dreh- und Angelpunkt der Idee von Brave. Dabei soll Onlinewerbung nicht zum Verschwinden gebracht, sondern nutzerfreundlicher werden. Die Macher wollen selbst zu Werbeanbietern werden, dabei aber auf die Sammlung und Weitergabe von Nutzerdaten verzichten. Zu diesem Zweck entfernt Brave fremde Onlinewerbung, um künftig eigene einzufügen. Ein Verfahren, das nicht ganz ohne Risiko ist, wie Lenovos Superfish-Adware vor einem Jahr zeigte.

Der Clou bei Braves Werbung: Nutzer sollen einen Teil des Erlöses erhalten, während der Hauptteil weiterhin bei den Seitenbetreibern landet. 55 bis 70 Prozent sollen die Website-Besitzer erhalten, 15 Prozent die Surfer, den Rest Brave und die Zulieferer der Onlinewerbung. Weniger und weniger auffällige Werbung, die die Privatsphäre von Nutzern respektiert, und die Erlösteilung sollen also die Nutzer locken.

Auf der Suche nach Glaubwürdigkeit

Hinter Brave steht ein Jungunternehmen unter der Führung von Brendan Eich. Eich war langjähriger Mitarbeiter bei Netscape, gründete Firefox-Macher Mozilla mit und stand diesem auch als Chef vor – allerdings nur kurz: rund zwei Wochen im Frühling 2014. Kurz nach seiner Beförderung geriet Eich wegen konservativer politischer Ansicht in die Kritik – unter anderem weil er eine Initiative zur Bekämpfung der Homo-Ehe in Kalifornien per Wahlkampfspende unterstützt hatte. Im ostentativ liberalen Silicon Valley kam das schlecht an, Eich trat schliesslich zurück.

Eichs Idee fusst darauf, für die Netzgemeinde attraktiv zu sein. Um das zu bewerkstelligen, soll Brave auch eine Spendenplattform werden. Vergleichbar mit dem Onlinedienst Flattr, wo Nutzer Websites per Klick Kleinstbeträge zukommen lassen können, will Eich in Brave eine «Brieftasche» einbauen, auf die die Werbeerlöse der Nutzer eingehen. Hier kann anschliessend der Nutzer entscheiden, ob und wie er Websitebetreiber subventionieren will. Die Brieftasche soll auf Wunsch beispielweise werbefreie Websites mit einer automatischen Zahlung im Rappenbereich belohnen.

Bislang ist Eichs Vision homöopathischer Onlinewerbung freilich weit weg. Voraussetzung ist, dass sich überhaupt genug Internetnutzer für den neuen Browser finden. Erst dann wäre es denkbar, dass sich die Macher am Werbemarkt positionieren können. Ausserdem muss Brave beweisen, dass die Macher die Privatsphäre der Nutzer respektieren, wie versprochen.

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