Das globale Dorf, noch etwas dörflicher

Das soziale Netzwerk präsentiert eine neue Antwort auf ein altes Rätsel. Dreieinhalb Freunde trennen zwei x-beliebige Facebook-Nutzer.

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Jan Rothenberger@janro

1,6 Milliarden Nutzer hat Facebook weltweit. Das Unternehmen hat nun untersucht, wie dicht dieses globale Freundenetz inzwischen ist. Facebook hat dazu seine Daten durchforstet und wartet mit einer Antwort auf: 3,58. Zwischen zwei zufällig ausgewählten Nutzern liegen im Durchschnitt dreieinhalb Zwischenschritte von Facebook-Freund zu Facebook-Freund.

Auf Wunsch ermittelt Facebook auch den persönlichen Wert für jeden Nutzer. Er wird im entsprechenden Blogpost angezeigt, sofern man diesen angemeldet öffnet. Hier erfährt man auch, dass Mark Zuckerberg etwas besser vernetzt ist als der Durchschnittsnutzer – seine Zahl lautet 3,17.

Idee aus den 20er-Jahren

Wie viele Bekanntschaften – oder eben Freundeverbindungen – zwischen zwei beliebigen Menschen liegen: Das hat Denker immer wieder beschäftigt, wirklich gelöst ist die Preisfrage bis heute nicht. Als Urheber der Idee gilt der ungarische Autor Frigyes Karinthy, der das Gedankenexperiment in einer Kurzgeschichte vorschlug. Er spürte schon 1929 der Idee nach, dass die Welt laufend globalisierter werde. Karinthy schätzte, dass fünf Zwischenstationen ausreichen würden, um von sich selbst eine Verbindung zu jedem anderen Menschen auf der Welt herzustellen.

Der Psychologe Stanley Milgram untersuchte in den 1960er-Jahren dieselbe Frage, die er das «Small World Problem» nannte. Er und seine Forscherkollegen verschickten Briefe an zufällig ausgewählte Personen in den USA. Diese sollten in einem Experiment eine Nachricht an eine Zielperson weiterleiten, die sie nicht persönlich kannten. Die Spielregel dabei war auch hier, dass die Teilnehmer eine Kette bilden sollten, in der die Nachricht von Bekanntem zu Bekanntem weitergereicht wurde. Nicht alle Nachrichten kamen an, aber bei denen, die es schafften, lagen im Durchschnitt 5,5 bis 6 Schritte zwischen den Personen.

Kevin Bacon muss auch herhalten

Milgram hatte erste Schritte mit dem zuvor unbekannten Konzept des sozialen Netzwerks unternommen. Auch wenn die geringe Anzahl der Teilnehmer für Zweifel an der Aussagekraft der Ergebnisse sorgte: Milgrams Resultat lag erstaunlich nah an Karinthys Schätzung von 1929.

Die «Six Degrees of Separation» wurden anschliessend zum geflügelten Wort. Unter anderem ein gleichnamiges Theaterstück und ein darauf basierender Film arbeiteten sich an der Idee ab. In der Populärkultur kam die Idee in einer humoristischen Variante an: Drei College-Studenten kartografierten Hollywoods Filmbesetzungen und stellten fest, wie weit jeder Darsteller von Schauspieler Kevin Bacon entfernt war. Das Resultat nannten sie die Bacon-Zahl, die nicht nur ihre eigene Wikipedia-Seite hat, sondern mittlerweile sogar ein Brettspiel.

Stimmt die Theorie doch?

Seit Computertechnologie die Weltbevölkerung tatsächlich weitgehend vernetzt, hat es mehrere neue Untersuchungen des «Small World Problem» gegeben – jeweils gestützt auf die Analyse digitaler Daten. Sowohl eine Studie, die mit E-Mails Milgrams Experiment aus den 60ern wiederholte, als auch eine Analyse von Microsoftmit seinen Messenger-Nutzern bestätigten die Ergebnisse in etwa.

Wie zu interpretieren ist, dass die Anzahl der Zwischenstationen innerhalb von Facebooks Anderthalb-Milliarden-Netzwerks kleiner ist als in der Gesamtheit der Weltbevölkerung, dazu macht das Unternehmen in seiner Medienmitteilung leider keine Aussage. Ist die Facebook-Nutzerschaft homogener zusammengesetzt als der Rest der Menschheit? Oder sind wir auf Facebook mit mehr Menschen befreundet als in der realen Welt?

Eine Antwort darauf könnte sich spätestens bis 2030 einfinden, denn bis dann will Mark Zuckerberg die Zahl der Facebook-Nutzer auf fünf Milliarden erhöhen. Sollte das gelingen, wäre die Statistik wohl noch etwas repräsentativer als bisher.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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