Das Nokia Asiens

Sony, die einstige Ikone der japanischen Wirtschaft, hat das Geschäftsjahr Ende März mit dem schlimmsten Verlust in der 66-jährigen Unternehmensgeschichte abgeschlossen.

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Die 9000 Aktionäre von Sony hatten bei der Jahreshauptversammlung in Tokio nicht viel zu lachen: Vier Jahre lang schreibt der einstige Branchenprimus nun schon Verluste. Unter den Investoren herrscht Verärgerung und Unsicherheit und das Management musste sich unangenehmen Fragen stellen. Wie will Sony zu alter Grösse zurückkehren? Ist Sony am Ende? Wann schafft es das Unternehmen aus den roten Zahlen? Oder besteht das Risiko eines Zusammenbruchs?

Schlimmster Verlust in der Firmengeschichte

Die einstige Ikone der japanischen Wirtschaft, die mit dem Walkman und dem Trinitron-Fernseher globale Erfolgsprodukte auf den Markt brachte, beendete das Geschäftsjahr Ende März mit dem schlimmsten Verlust in der 66-jährigen Unternehmensgeschichte. 457 Milliarden Yen (5,47 Milliarden Franken) verlor der Konzern. Schuld waren auch Faktoren, die ausserhalb der Kontrolle des Managements lagen: das Erdbeben und der Tsunami in Japan, Hochwasser in Thailand, der weltweite wirtschaftliche Abschwung und der steigende Yen.

Entscheidend ist jedoch, dass Sony kein Rezept findet angesichts mächtiger und oft billigerer Rivalen wie Samsung. Während das koreanische Unternehmen den Markt mit TV-Geräten dominiert, hat Sony schon seit acht Jahren keine Gewinne mehr in der Fernsehsparte erzielt. Sonys Image verblasst auch neben den Apple-Geräten, die nicht nur weltweit, sondern auch auf dem japanischen Heimatmarkt populärer sind.

Gefühl der Krise

«Wir nehmen Sonys Probleme im Elektronikbereich sehr ernst und wir haben ein Krisengefühl», sagte Kazuo Hirai, der frühere Vorsitzende der Games-Sparte und heute Vorstandsvorsitzender und Präsident.

Sony-Gründer Akio Morita war ein Pionier: Er vereinte Unterhaltung und Technologie, brachte den Walkman auf den Markt und machte das Unternehmen weltbekannt. Apple-Gründer Steve Jobs sang regelrechte Loblieder auf Sony. Der Konzern war beispielhaft für Japans Aufstieg als Wirtschaftsmacht nach dem Zweiten Weltkrieg.

Doch dann lief etwas schief. Kritiker verweisen oft darauf, dass Sony zum Beispiel die Stärke seiner digitalen Abspielgeräte in den vergangenen zehn Jahren falsch eingeschätzt habe. Der Konzern entwickelte solche Geräte schon früh, hielt jedoch zu lange am unbeliebten, eigenen Format fest und vernachlässigte MP3.

Bildtechnik und Spiele sollen Erfolg bringen

Unter dem Slogan «One Sony» soll Hirai nun die Sparten enger verzahnen, damit Elektronik, Film, Musik und Spiele besser zusammenarbeiten. Er will sich ausserdem auf Bildtechnik konzentrieren, auf Sensoren, Geräte für den digitalen Empfang und Digitalkameras, um Sony wieder auf Kurs zu bringen. Auch in diesen Bereichen ist Samsung aktiv.

Hirai setzt aber auch auf Spiele, den Bereich, den er am besten kennt, schliesslich führte er seit 2006 die US-Spielesparte des Konzerns. Hier sieht sich das Unternehmen mit seiner Playstation starker Konkurrenz von Nintendo und Microsoft gegenüber. Gleichzeitig wächst die Beliebtheit von Spielen auf Smartphones. Auch die Handy-Sparte will Hirai stärken. Die Kooperation mit Ericsson wurde beendet, sodass Sony nun allein die volle Kontrolle hat.

Um Kosten zu senken, sollen weitere 10'000 Mitarbeiter gehen, das sind etwa sechs Prozent der weltweiten Sony-Beschäftigten. Kostensenkungen, Neuordnungen und Versprechen sind aber nicht genug, wie Hirai einräumte. «Wir müssen sicherstellen, dass unsere Kunden von unseren Produkten emotional angesprochen werden», sagte er auf der Hauptversammlung. «Wir müssen ihre Neugier wecken. Ich will, dass unsere Aktionäre fühlen, dass Sony sich verändert hat.»

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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