Ärger um «.sucks»

In einer Woche sind Webadressen mit der Endung «.sucks» registrierbar. Firmen sorgen sich um die «Troll-Domain».

Kontroverse Internetadressen: Die Domain «.sucks» macht es einfach, Firmen zu veräppeln.

Kontroverse Internetadressen: Die Domain «.sucks» macht es einfach, Firmen zu veräppeln.

(Bild: Jan Rothenberger)

Jan Rothenberger@janro

Es ist die vielleicht provokativste Domain im Netz: «.sucks». Bisher begegnen Netznutzer vor allem Länderdomains wie «.de» oder «.ch» oder Standards wie «.net» oder «.org». Seit die Interverwaltung Icann die Regeln für mögliche Adressen gelockert hat, finden sich nun auch umstrittene Domains auf dem Markt. Für Beschwerden sorgt im Moment vor allem «.sucks», zu Deutsch etwa: «ist doof». Der Ärger gründet darauf, dass sich mit der Domain beliebige Unternehmen und Organisationen «trollen» oder düpieren lassen – nach dem Schema «Musterfirma.sucks».

Insbesondere US-Firmen fürchten daher Schmäh-Websites unter diesen Adressen und fühlen sich erpresst, nun ihre eigene «.sucks»-Adresse für teures Geld zu erstehen, damit diese niemand anderem in die Hände fällt. Der Countdown dafür läuft: Eine Woche haben Inhaber von Marken und Warenzeichen noch Zeit, um «ihren» Domainnamen zu registrieren. Anschliessend läuft die sogenannte Sunrise-Phase ab und jedermann kann sich eine solche Webadresse sichern. Pikant dabei ist das Preisgefälle zwischen der Vorabphase und der offenen Registrierung. Vorab lässt sich die zuständige Registrarfirma Vox Populi die Sicherung 2500 Dollar kosten. Im offenen Vertrieb kostet die Registrierung dann nur noch 250 Dollar pro Jahr.

«Räuberisch und erpresserisch»

Das machte auch die Internetverwaltung Icann misstrauisch, die sich bei der zuständigen Behörde erkundigte, ob das so legal sei. Das Geschäftsmodell sei «räuberisch und erpresserisch» und beruhe auf Zwang, so die Icann. Die Kommunikationsbehörde antwortete abschlägig – sie will sich vorerst nicht einschalten und hält ihrerseits der Internetverwaltung vor, dass sie die Domain überhaupt freigegeben habe.

Die Firma Vox Populi mit Sitz auf den Cayman Islands, welche derzeit mit den «.sucks»-Adressen handelt, sieht indes nichts Falsches an ihrem Geschäftsmodell. Auf ihrer Website Registry.sucks spricht sie davon, dass die Adressen als «einfach zu findender Dorfplatz» im Netz dienen könnten, der Kunden erlaube, Kritik an Firmen zu richten, und für Firmen wiederum ein wertvoller Ort für Kundenfeedback sei.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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