Windows 10 bringt das Startmenu zurück

Am Mittwoch bringt Microsoft das neue Betriebssystem Windows 10 in den Handel. Damit ändert sich allerhand – für die Nutzer, aber auch für Microsoft. Die 10 wichtigen Neuerungen.

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Mathias Born@thisss

Die Ankündigung zum Verkaufsstart von Windows 10 ist ziemlich vollmundig: Nichts weniger als eine «neue Technologie-Ära» will Microsoft heute einläuten. Das neue Betriebssystem sei «vertraut und doch besser als je zuvor». Es werde «den Menschen dabei helfen, noch produktiver zu sein und dabei noch mehr Spass zu haben – all dies in einer persönlicheren und natürlicheren Umgebung, auf allen Devices».

Zuallererst ist Windows 10 aber wichtig für Microsoft: Mit der Vorgängerversion Windows 8 hat sich der einstige unangefochtene Weltmarktführer bei den Betriebssystemen starke Kritik eingehandelt. Viele Privatanwender zögerten. Und für Unternehmen war das System, das die Nutzer allzu oft zwischen konventioneller Ansicht und Kacheln hin- und herkatapultiert, schon gar nicht geeignet. Entsprechend blieb der erhoffte Impuls auf den damals rückläufigen PC-Markt aus. Auch im stark wachsenden Mobilbereich kam Microsoft nicht richtig aus den Startlöchern.

Mit dem neuen Betriebssystem versucht Microsoft vehement, die Vormachtstellung bei den Betriebssystemen zu verteidigen, um die Nutzer im eigenen Gärtchen aus Software und Webdiensten halten zu können. Kurzerhand erhöht der Konzern die Versionsnummer von 8 auf 10. Weil das neue Betriebssystem so viele wichtige Verbesserungen enthalte und die Betriebssysteme in eine neue Zukunft führe, wie die Verantwortlichen sagen. Weil das Windows 10 möglichst nicht an den ungeliebten Vorgänger Windows 8 erinnern soll, vermuten Branchenbeobachter.

Doch was bringt das neue Betriebssystem den Kunden? 10 wichtige Neuerungen bei Windows 10.

1. Renaissance des Start-Knopfs. Mit Windows 10 kehrt der Start-Knopf zurück. Microsoft hatte das Steuerelement, das seit Windows 95 stets unten links zu finden war, in Windows 8 dem Startbildschirm mit den bunten Kacheln geopfert. Viele Nutzer vermissten den Knopf schmerzlich; einige zauberten ihn sich mit einem Hilfsprogramm wieder zurück. Bei Microsoft musste man sich wegen dieser Kleinigkeit viel Kritik einstecken. Nun lenkt der Konzern ein: Bei Windows 10 steht unten links das Logo. Ein Klick darauf öffnet das Startmenü. Dieses wurde stark überarbeitet – und enthält nun auch Kacheln.

2. Konventionell statt verkachelt. Das bedeutet nicht, dass der Startbildschirm mit den bunten Kacheln verschwindet. Er soll aber bloss dann zum Einsatz kommen, wenn er Sinn macht: auf dem Smartphone oder auf PCs im Tablet-Modus. Am herkömmlichen Computer hingegen steht die traditionelle Benutzeroberfläche im Vordergrund. Während sich bei der Vorversion Apps aus dem Windows Store fast immer auf dem vollen Bildschirm breitmachten, können sie nun in einem Fenster benutzt werden, dessen Grösse sich beliebig anpassen lässt.

3. Ein System für alle.Windows 10 ist ein Betriebssystem für verschiedene Plattformen. Es soll sowohl auf normalen PC als auch auf Tablets und Smartphones laufen. Und sogar auf der Unterhaltungskonsole Xbox soll es dereinst zum Einsatz kommen. Damit – so verspricht man bei Microsoft – können die Nutzer problemlos auf dem einen Gerät mit Arbeiten beginnen und auf dem anderen weiterarbeiten. 4. Edge statt Internet Explorer.Der Internet Explorer hat ausgedient. Damit geht eine Epoche zu Ende: Mit diesem Webbrowser hat Microsoft zuerst die Schlacht gegen Netscape gewonnen, dann aber gegen den Netscape-Nachfolger Firefox von Mozilla sowie gegen Google Chrome und Apples Safari allmählich wieder an Marktanteilen verloren. Die meisten Entwickler weinen dem Internet Explorer keine Träne nach, bereitete ihnen dieser doch sehr viel Kopfzerbrechen: Microsoft setzte sich lange über Webstandards hinweg und versuchte, sich mit Eigenentwicklungen zu profilieren. Mit Windows 10 liefert Microsoft einen komplett neu geschriebenen Browser aus. Dieser heisst Edge. Er soll schnell, leicht und sicher sein.

5. Mehrere Desktops.Was bei Mac OS und bei Linux schon lange Standard ist, wird nun auch mit Windows möglich: Mit dem neuen System lassen sich mehrere Desktops einrichten – etwa einer mit den Büroprogrammen und einer mit den Apps für die Freizeit. Zwischen diesen kann einfach und rasch gewechselt werden. Allerdings: Solche Funktionen interessieren in der Regel bloss einige wenige Intensivnutzer.

6. Ein neues Benachrichtigungszentrum. Das Benachrichtigungszentrum von Windows 10 fasst von Systemmeldungen bis zu Facebook-Updates alle Notifikationen zusammen. Es löst die beiden unterschiedlich funktionierenden Systeme ab, die bei der letzten Version zum Einsatz kamen.

7. Eine digitale Assistentin.Cortana, die bislang auf Windows Phones zu Hause war, soll nun den normalen Computer erobern. Via die digitale Assistentin kann man mit Windows 10 interagieren: Auf Zuruf hin öffnet Cortana Programme, schreibt Diktate nieder oder sucht im Internet nach Informationen.

8. Einloggen mit einem Blick.Anstatt sich mit Nutzernamen und Passwörtern zu identifizieren, erlaubt Window 10 auch die Identifizierung über biometrische Merkmale, etwa durch einen Scan der Iris oder durch einen Fingerabdruck. Dazu braucht es allerdings die passende Hardware.

9. Microsoft hört zu.Lange Zeit agierte man bei Microsoft ziemlich arrogant. Der in mehreren Bereichen unangefochtene Weltmarktführer konnte fast machen, was er wollte, ohne zu riskieren, dass die Kunden abspringen. Doch der Wind hat gedreht. Der heutigen Lancierung von Windows 10 ging eine lange Testzeit voraus. Interessierte Nutzer konnten ihre Wünsche ans neue System einbringen. Viele davon wurden auch umgesetzt.

10. Der Preis. Wer Windows 7 oder 8 besitzt, kann Windows 10 kostenlos installieren. Diese Offerte gilt zumindest im ersten Jahr. Microsoft ändert damit das Geschäftsmodell zumindest teilweise: Bislang wurden die Hauptversionen von Windows verkauft – aus heutiger Warte zu erstaunlich hohen Preisen. Mit dem attraktiven Angebot versucht Microsoft, möglichst rasch viele Nutzer aufs neue Betriebssystem zu bringen und das System für Entwickler interessant machen. Aus gutem Grund: In den letzten Jahren haben die Cloud-Dienste stark zugelegt. Das Betriebssystem und die Anwendersoftware hingegen verloren rasant an Bedeutung.

Berner Zeitung

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