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Rücktritt von Steve Ballmer gefordert

Der einflussreiche Investor David Einhorn verlangt, dass sich bei Microsoft etwas ändert. Und zwar an der Konzernspitze.

War das «Gehirn» von Microsoft: Ray Ozzie. Der Softwarespezialist verliess Microsoft im Herbst 2010 überraschend.
War das «Gehirn» von Microsoft: Ray Ozzie. Der Softwarespezialist verliess Microsoft im Herbst 2010 überraschend.
Reuters
Ein Vierteljahrhundert im Dienste von Microsoft: Hank Vigil. Auch der Senior Vice President of Strategy and Partnership wird den Konzern im Herbst verlassen. Vigil gehört zum engsten Beraterkreis von Firmenchef Steve Ballmer.
Ein Vierteljahrhundert im Dienste von Microsoft: Hank Vigil. Auch der Senior Vice President of Strategy and Partnership wird den Konzern im Herbst verlassen. Vigil gehört zum engsten Beraterkreis von Firmenchef Steve Ballmer.
Microsoft.com
Das iPad ist der meistverkaufte Tablet-PC der Welt. Microsoft hingegen hat immer noch kein entsprechendes Gerät auf den Markt gebracht. Erst 2013 dürfte es so weit sein.
Das iPad ist der meistverkaufte Tablet-PC der Welt. Microsoft hingegen hat immer noch kein entsprechendes Gerät auf den Markt gebracht. Erst 2013 dürfte es so weit sein.
AFP
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Auf den ersten Blick präsentiert sich die wirtschaftliche Situation von Microsoft mehr als ansprechend: Im dritten Geschäftsquartal legte die Business-Sparte des Unternehmens um 21 Prozent auf 5,3 Milliarden Dollar zu. Der Gesamtumsatz stieg bis Ende März auf 16,4 Milliarden Dollar – ein Plus von 13 Prozent. Der Gewinn verbesserte sich sogar um fast ein Drittel auf 5,2 Milliarden Dollar.

Trotzdem sagt der einflussreiche Investor David Einhorn: Firmenchef Steve Ballmer muss zurücktreten. Die Forderung des Hedgefonds-Verwalters wurde vom Microsoft-Verwaltungsrat, welcher von Firmenmitgründer Bill Gates präsidiert wird, umgehend zurückgewiesen.

Windows als Klumpenrisiko

Dass die Börse positiv auf Einhorns Statement reagiert hat – Microsoft-Aktien stiegen um zwei Prozent –, zeigt, dass die Aktionäre mit dem seit 11 Jahren an der Unternehmensspitze stehenden Ballmer ihre Probleme haben. Denn die ansprechenden Geschäftszahlen täuschen.

Seit der Manager mit Schweizer Wurzeln 2000 die Nachfolge von Bill Gates antrat, kommt der einstige Softwarepionier auf keinen grünen Zweig (siehe Bildstrecke). Das Vertrauen in die Redmonder Computerschmiede ist so stark angeknackst, dass der Markt selbst von Microsoft als Befreiungsschläge verkaufte Akquisitionen abstraft. So geschehen, als der Windows-Hersteller die Übernahme des Video-Dienstes Skype bekannt gab und die Aktie (bis heute) um sechs Prozent absackte.

Microsoft ist mittlerweile an der Börse weniger wert als IBM und hinter Apple, Google, IBM und McDonald's nur noch fünftwichtigste Firmenmarke.

Einhorn, Chef der laut der Nachrichtenagentur Reuters 7,8 Milliarden Dollar verwaltenden Fondsgesellschaft Greenlight Capital, ist überzeugt, dass nur ein Wechsel an der Konzernspitze Verbesserungen bringt: «Seine (Ballmers, Red.) Präsenz ist die grösste Belastung für die Microsoft-Aktie», wird Einhorn von Reuters zitiert.

Windows-Phone-7: Warten auf den Exploit

Bei den Betriebssystemen liegt Microsoft unangefochten an der Spitze – Windows 7 ist das meistverkaufte Betriebssystem der Geschichte überhaupt. Im Hardwarebereich und bei der Werbung laufen die ewigen Rivalen Apple und Google Ballmer und Co. den Rang ab und die im vergangenen Herbst lancierten Smartphones mit der Software Windows Phone 7 haben derzeit keine Chance auf dem Markt. Laut dem Marktforschungsunternehmen Gartner wurden in den ersten drei Monaten des Jahres erst 1,6 Millionen Windows-Phone-7-Smartphones verkauft. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum wurden 36 Millionen Mobiles mit der Google-Software Android aktiviert.

Google weist Microsoft auch im Suchmaschinen-Geschäft in die Schranken: In den USA suchen 14 Prozent aller Nutzer mit Microsofts Suchmaschine Bing, Google kommt auf 65 Prozent. In Europa ist Google sogar noch dominanter. Die Online-Sparte von Microsoft ist ein Fass ohne Boden: Im ersten Quartal 2011 gingen über 700 Millionen Dollar verloren.

Wo bleibt das Microsoft-Tablet?

Die einseitige Abhängigkeit vom PC-Betriebssystem Windows und von Microsoft Office kann auch nicht mit neuen Computern kompensiert werden. Ein iPad-Konkurrent aus dem Hause Redmond ist weiterhin nicht in Sicht. Dies muss die Verantwortlichen umso mehr beunruhigen, als die Tablet-Industrie zu einem massiven Rückgang der Desktop-Computer-Verkäufe geführt hat.

Viele Microsoft-Topmanager wie Bob Muglia, Ray Ozzie, Stephen Elop, Chris Liddell oder Robbie Bach sind bereits weg oder wurden wegkomplimentiert. Wann folgt Ballmer? Der Verwaltungsrat stärkt ihm den Rücken. Wenigstens in der Öffentlichkeit.

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