Kann ein Smartphone auch PC sein?

Microsoft will aus dem mobilen Telefon einen vollwertigen PC machen. Das gelingt erstaunlich gut. Trotzdem überzeugt das System von Microsoft nur teilweise.

Der Produkttest

Längst sind Smartphones halbe Computer. Aber leider nur halbe: Der kleine Bildschirm und das umständliche Tippen auf der virtuellen Tastatur lassen uns für grössere Arbeiten stets auf einen richtigen Computer wechseln.

Doch nun will Microsoft das Smartphone zum vollwertigen Computer machen: Mit den Geräten Lumia 950 und 950 XL, einem kleinen Kästchen namens Display-Dock sowie der App Continuum arbeite man auch ohne separaten Rechner «wie auf dem PC», wirbt der Konzern. Das könnte tatsächlich Sinn machen: Viele Leute meistern ihre digitalen Aufgaben heute weitgehend mit dem Smartphone oder dem Tablet – vermissen aber gleichwohl ab und zu den Komfort eines «richtigen» Computers.

Das System von Microsoft funktioniert auf Anhieb: Das Smartphone 950 XL wird via ein USB-C-Kabel mit dem Dock verbunden. An dieses wird – nebst dem Stromadapter – mit einem HDMI-Kabel ein Bildschirm angeschlossen. Zudem wird eine Tastatur eingesteckt. Selbstverständlich kann auch eine Maus angehängt werden. Diese ist aber nicht zwingend nötig, denn der Bildschirm des Smartphone kann als Touchpad genutzt werden. Nettes Detail: Das Dock lädt nebenbei das Smartphone auf.

Ideal zum Surfen und Mailen

Auf dem Monitor erscheint nun die von Windows 10 bekannte Oberfläche. Installiert sind etwa das Mailprogramm und der Webbrowser von Microsoft. Beide Programme funktionieren tadellos. Man kann zudem durch die eigenen Fotos scrollen oder die Nachrichten-App nach News durchforsten. Word, Excel, Po­werpoint und One Note sind ebenfalls an Bord, allerdings nur in der abgespeckten Smartphone-Version. Für viele Anwendungen genügt diese aber vollends.

Wenn das Windows Phone mit dem Dock verbunden ist, kann man weiterhin telefonieren und Nachrichten versenden – kurz: das Smartphone (fast) normal nutzen. Doch nicht alles funktioniert so problemlos wie das Mailen, Surfen sowie die Text- und Datenverarbeitung. So werden viele Fehlermeldungen zu Apps angezeigt, die nicht mit dem System kompatibel sind. Diese sind überflüssig und ärgerlich. Schade ist auch, dass sich die meisten Games nicht auf dem grossen Bildschirm spielen lassen.

Das neue Lumia kann also zusammen mit dem Display-Dock und der Continuum-App einen Computer ganz passabel ersetzen. Allerdings nur, wenn man darauf ausschliesslich einfache Standardanwendungen ausführt.

Interessant für Firmen

Deshalb dürfte das System weniger für Privatnutzer als für Firmen interessant werden, deren Mitarbeiter viel unterwegs sind und die bloss einen einfachen Büroarbeitsplatz mit Mail, Browser, Kalender und Office benötigen. Bei Microsoft jedenfalls hofft man, mit der Idee dem Mobilsystem Windows Phone den dringend benötigten Schub zu verleihen, um trotz der starken Konkurrenz von Google und Apple weiter bestehen zu können. An der Hardware jedenfalls scheitert der Konzern sicher nicht: Das Lumia 950 XL wie auch das Display-Dock hinterlassen einen tadellosen Eindruck.

Die Gerätewurden von Microsoft zur Verfügung gestellt. Die unverbind­liche Preisempfehlung liegt beim Lumia 950 XL bei 700 Franken und beim Display-Dock bei 100 Franken. Diverse Händler bieten das Display-Dock im Bundle mit dem Lumia an.

Berner Zeitung

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