In der virtuellen Realität

Manuel Schneuwly aus Bern hat an der Zürcher Hochschule der Künste Game-Design studiert. Die Bachelorarbeit des 24-Jährigen: ein audiovisuelles Spiel, entwickelt für die Virtual-Reality-Brille HTC Vive.

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Raphael Hadorn

«Zu Beginn befindet sich der Spielende in einer leeren, weissen Welt. Die Manipulation der Objekte in seiner Nähe ermöglicht es ihm, aus dem Nichts eine Welt und damit die Musik des Spiels zu formen. Durch spielerisches Erkunden durchlebt der Spielende weitere Phasen des Spiels und taucht so in unbekannte musikalische Welten mit eigenen audiovisuellen Stimmungen ab.» So wird das Spiel beschrieben, welches Manuel Schneuwly und Fabio Baumgartner im Rahmen ihrer Bachelorarbeit von A bis Z entwickelt haben.

Virtual Days in Bern

Im Zentrum des Games steht auf technologischer Ebene – nebst einem leistungsfähigen Rechner – die Virtual-Reality-Brille HTC Vive, welche es den Spielern erlaubt, in die Scheinwelt einzutauchen. Und die mit rund 900 Franken nicht gerade billig ist. Damit man sich in der virtuellen Welt bewegen, sie visuell und musikalisch gestalten kann (siehe Bilder), hält der Spielende zudem zwei Motion-Controller in den Händen.

Dabei fühle man sich wie ein Dirigent, wie ein DJ, sagt Manuel Schneuwly. «Ich kann sanfte oder aggressive Töne abspielen, die Lautstärke verändern, die Akkorde wechseln.» Dafür haben sich die beiden mit dem Musiker Louis Edlinger (ebenfalls von der Zürcher Hochschule der Künste) zusammengetan, der die Tracks eigens für das Game komponiert hat. «Viele Spiele versuchen, in möglichst realistische Welten zu führen. Nicht so das unsere.»

Im Rahmen der Virtual Reality Days in Bern durften Schneuwly und sein Studienkollege am Eröffnungstag «Soundscape», so nennt sich das Game, vorstellen. Der Event im Wankdorf-Center dauert noch bis zum 24. Juni und ermöglicht Interessierten, an verschiedenen Stationen virtuelle Luft zu schnuppern.

Nach Manuel Schneuwly wird der Besucher aber in den kommenden Tagen vergeblich Ausschau halten, findet doch zeitgleich im Toni-Areal in Zürich die Diplomausstellung der Hochschule der Künste statt. Die verschiedenen Bachelorarbeiten können dort noch bis zum 25. Juni, täglich von 12 bis 20 Uhr besichtigt werden.

Es ist der Abschluss einer intensiven Zeit für Schneuwly. Seit Mitte Februar beschäftigte er sich täglich – inklusive vieler Wochenenden – mit seiner Bachelorarbeit. Letzte Woche war Abgabetag, am Montag, an seinem 24. Geburtstag, folgte der Prüfungstag. Verständlich, dass Manuel Schneuwly («Seit die Gebrüder Schneuwly erfolgreich Fussball spielen, muss ich meinen Namen nicht mehr so oft buchstabieren») nun einfach mal einen Gang runterschalten, mehr Zeit für die reale Welt haben möchte.

«Ich bin ein leidenschaftlicher Töfffahrer», sagt Schneuwly. «Und ich mache gern Kampfsport zur Selbstverteidigung.» Beides sei zuletzt zu kurz gekommen. Und vielleicht findet er dann auch mal richtig Zeit, seinen Grosseltern diesen neumodischen Beruf zu erklären. «Sie haben keine Ahnung, was ich genau mache», sagt Schneuwly und muss schmunzeln.

Ein Traumjob

«Ah was, das gits?» So und ähnlich reagieren viele Leute, wenn Manuel Schneuwly erzählt, dass er die Ausbildung zum Game-Designer macht. Schweizweit werden jährlich nur 15 bis 17 Personen für den sechs Semester dauernden Studiengang zugelassen. Ein Studiengang, von dem Schneuwly lange gar nichts wusste.

Nach seinem Abschluss am Seefeld-Gymer in Thun besuchte er an der Schule für Gestaltung Bern und Biel einen gestalterischen Vorkurs, ehe er an einem Infoanlass auf den Beruf Game-Designer aufmerksam wurde. «Ich wusste sofort, das ist mein Job. Er beinhaltet, was ich gern mache, die Technik auf der einen und das Gestalterische auf der anderen Seite.»

Während des Studiums hat Schneuwly Spiele jeglicher Art designt. «Nicht nur elektronische», betont er. «Auch Brettspiele oder Spielbücher.»

Hoffen auf einen Investor

Mit dem Computervirus infiziert hat sich Manuel Schneuwly schon früh. «Mein Vater arbeitet in der IT-Branche – und so kam ich schon früh mit der Informatik in Berührung. «Als Hardcore-Gamer würde ich mich nicht bezeichnen, aber ich habe sicher mehr gespielt als andere», so der gebürtige Grosshöchstetter.

Schneuwly träumt davon, dass er einmal von der Spieleentwicklung leben kann. «In der Schweiz gibt es derzeit nur etwa acht Studios, die von eigens kreierten Games leben können», weiss er. Der Beruf habe aber durchaus Potenzial, ist er überzeugt. Und es wäre toll, die Gamedesign-Szene in der Schweiz weiter wachsen zu sehen.

Gern würde er auch den Prototyp von «Soundscape» weiterentwickeln. «Doch dafür fehlt mir das finanzielle Polster.» Er liebäugelt mit einem Investor oder damit, dass die Kulturförderung das Projekt unterstützt.

Berner Zeitung

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