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Einfach einfach

Moderne technische Geräte werden immer komplexer und sollen doch das Leben leichter machen. Leider sind sie nicht immer so einfach zu bedienen. Ordissimo soll das ändern.

«Allein, dass man sich so etwas wie Viren einfangen kann, macht oft Angst»: Senioren- und Einsteigermodell von Ordissimo.
«Allein, dass man sich so etwas wie Viren einfangen kann, macht oft Angst»: Senioren- und Einsteigermodell von Ordissimo.

Handys gehen ins Internet, der Fernseher wird zum Wohnzimmer-Computer und Waschmaschinen können von unterwegs mit dem Smartphone gesteuert werden: Moderne technische Geräte werden immer komplexer und sollen doch das Leben leichter machen. Leider sind sie nicht immer so einfach zu bedienen, wie die Hersteller versprechen. Auf der Internationalen Funkausstellung (IFA), die am Freitag in Berlin beginnt, beschäftigt sich darum eine ganze Sonderausstellung mit der Benutzerfreundlichkeit technischer Geräte.

Besonders ältere Menschen finden sich in den komplizierten Menüs von Fernsehern und PCs oft nicht zurecht. Für Senioren bietet die IFA darum erstmals spezielle Führungen an. Während der zweistündigen Touren sollen Fragen zur Handhabung von Handys, Navigationsgeräten, Notebooks und Fernsehern beantwortet werden. Dafür präsentieren Unternehmen unter anderem Mobiltelefone ohne überflüssige Extras, Grosstastentelefone mit und ohne Notrufsystem sowie Haushaltsgeräte.

Viren machen Angst

Besondere Berührungsängste hätten ältere Menschen beim Computer, meint José Martins, Vertriebschef in Deutschland für Ordissimo, einem Einsteiger-Computer. «Allein, dass man sich so etwas wie Viren einfangen kann, macht oft Angst», sagt er. Die grossen Vorteile von Ordissimo seien deshalb, die einfache Bedienung und die Sicherheit. Trotzdem sei das System nicht nur etwas für Senioren, sondern eben ein Einsteigermodell.

Wer den Computer einschaltet, sieht grosse klickbare Kacheln, die einzelne Funktionen steuern: E-Mails senden, E-Mails empfangen, im Internet suchen. Möglichst viel wurde ins Deutsche übersetzt. Auch die Tastatur wurde so umgestellt, dass zum Beispiel die Befehle «kopieren» und «einsetzen» nicht mehr von Tastenkombinationen, sondern von einzelnen Tasten angewählt werden können. Weil das Betriebssystem auf Linux basiert, gibt es wenige Viren, die es attackieren.

Ordissimo ist bisher vor allem in Frankreich erfolgreich - und zwar in der Altersklasse 60 plus. Es gibt 50'000 registrierte Kunden. Ab Herbst 2012 will die Firma nun auch den deutschsprachigen und den britischen Markt erobern und rechnet sich gute Chancen aus: «Wir glauben, dass wir noch 2012 gute 2000 Ordissimo-Computer in Deutschland verkaufen können,» sagt Martins. Das Unternehmen stützt sich dabei auf Zahlen aus dem sogenannten (N)Onliner-Atlas 2011: Demnach sind 47,5 Prozent der Deutschen über 50 nicht im Internet. Von den 50- bis 70-Jährigen planen gut fünf Prozent aber den Schritt dorthin.

«Aber die sind eingegangen»

Trotzdem sei es eher fraglich, ob das Unternehmen ausserhalb von Frankreich wirklich Erfolg haben wird, meint Kerstin Hendess, Sprecherin der Seniorenplattform Feierabend.de: «Einsteiger in dieser Form gibt es eigentlich nicht mehr», sagt sie. «Wer heute 60 ist, der kann schon mit dem Computer umgehen. Die meisten 70-Jährigen ohne Computer wollen auch keinen mehr.» Das Beispiel der Firma Lintec zeige das: Schon vor zehn Jahren habe das Unternehmen versucht, hier einen Seniorencomputer einzuführen. «Aber die sind eingegangen», sagt Hendess. «Obwohl die Voraussetzungen damals noch besser waren.»

Senioren würden sich eben - wie alle anderen auch - über einfach zu bedienende Geräte freuen. Aber die Produkte sollten nicht als Seniorengeräte erkennbar sein. «Die Menschen wollen schicke Produkte, die nicht nach Senior aussehen, die aber einfach zu bedienen sind», fasst Hendess zusammen. Für Ordissimo könnte ausserdem der Nachwuchs zum Stolperstein werden: Vertriebschef Martins rechnet damit, dass in fünf bis zehn Jahren seine Zielgruppe verschwunden ist. Hendess meint: «Eigentlich ist das schon heute so.»

AFP/rek

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