Fotografieren statt tippen

Texte, Visitenkarten oder Briefe zu dokumentieren, ist mit der Smartphone-Kamera und einer App eine simple Angelegenheit.

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Matthias Schüssler@MrClicko

Bei den Scannern gehört die Texterkennung schon lange zum guten Ton. Bei vielen Geräten wird ein Programm mitgeliefert, das mithilfe des OCR-Verfahrens die eingescannten Papiere in bearbeitbare Dokumente umwandelt. OCR steht für Optical Character Recognition und beschreibt den Vorgang, bei dem das Abbild eines Textes in ein Textdokument verwandelt wird.

Einmal eingescannt, lassen sich die Dokumente digital archivieren und am Computer leicht durchsuchen. Die OCR-Technik lässt sich nicht nur mit Scannern nutzen, sondern auch mit dem Smartphone. Die eingebauten Kameras bieten heute eine so gute Qualität, dass abfotografierte Seiten im A4-Format genügend Auflösung haben, um per OCR behandelt und in einen Text verwandelt zu werden. Das heisst, man spart sich unterwegs das Abtippen, wenn man wichtige schriftliche Informationen einfangen und speichern, weiterleiten oder archivieren möchte. Diverse Apps bieten OCR für Smartphones.

Textgrabber (10 Franken im App Store) stammt von Abbyy, dem russischen Experten für OCR-Software, dessen Finereader unter Windows und Mac populär ist. Die App bietet eine hervorragende Texterkennung in Deutsch.

Unverwackelt fotografiert, ergibt fehlerfreie Erkennung

Dokumente mit gängigen Schriften, die genügend gross und möglichst schwarz auf weiss reproduziert sind und die man unverwackelt fotografiert, werden fast fehlerfrei erkannt. In der App erscheint der Text, den man in die Zwischenablage kopieren, per Mail oder als Nachricht verschicken, über Twitter oder Facebook veröffentlichen oder bei Evernote ablegen kann. Textgrabber erfasst nur den reinen Text, keine Formatierungen – dafür ist es direkt in der App möglich, ihn in eine andere Sprache zu übersetzen. Die Auswahl der Sprachen ist riesig. Nebst Deutsch und Englisch stehen auch Französisch, Italienisch, Japanisch, Griechisch, Russisch, Serbisch und viele weitere zur Verfügung.

Business Card Reader (Pro, 7 Franken im App Store) hat sich auf Visitenkarten spezialisiert. Die OCR-App scannt Geschäftskärtchen und füllt die Informationen gleich in die richtigen Felder ab, sodass sich die Kontaktinformationen ohne Abtippen im Adressbuch speichern lassen.

Von der Kamera ins Adressbuch

Die Texterkennung der App ist hervorragend, und auch bei der Zuweisung der Feldinformationen erweist sie sich als erstaunlich treffsicher. Dennoch sollte man die Informationen kurz kontrollieren. Eigen- und Firmennamen lassen sich nicht mithilfe eines Wörterbuchs kontrollieren, daher ist die Fehlerquote bei diesen Angaben höher als bei normalen Texten.

Perfect OCR (4 Franken im App Store) geht aus unserem Ad-hoc-Test als Sieger hervor. Die App hat die Ausgangssprache automatisch als Deutsch erkannt, hat aber trotz der Sprachvorgabe auch französische Passagen korrekt ermittelt. Auch bei der Erkennung der Absätze ist Perfect OCR besser als die Konkurrenz. Für schwierige Vorlagen gibt es die Option Sure Scan: Sie fotografiert ein Dokument dreimal und verbessert so die Qualität der Erkennung. Das grösste Manko sind Unterschriften auf dem Dokument, die zu einem Buchstabensalat führten – die anderen Apps ignorierten unleserliche Elemente zumeist. Auch Perfect OCR erkennt nur den reinen Text ohne Formatierungen.

Die eingescannten Dokumente können per Mail verschickt werden (praktisch ist die Option E-Mail to myself, die das Dokument ohne weitere Nachfrage an die eigene Adresse sendet). Der Versand ist als Text oder als PDF möglich, allerdings erhält man auch beim PDF nur den reinen Text, kein Faksimile. Über die Option Open in lässt sich die Datei in allen kompatiblen Apps weiterverwenden, beispielsweise in der Dropbox-App.

Mobile OCR ist eine kostenlose App (auch für Android auf Google Play), die täglich maximal fünf Scanvorgänge erlaubt. Sie stellt eine grosse Zahl von Erkennungssprachen zur Verfügung, darunter auch Deutsch, Englisch und Italienisch.

Ein langer Textbandwurm

Die Erkennung dauert lange, aber das Resultat ist überzeugend – mit dem grossen Abstrich, dass die Absätze fehlen und der ganze Text einen langen Bandwurm bildet. Bei kurzen Dokumenten ist das verkraftbar, bei längeren eine störende Einschränkung. Zur Weiterverwendung kopiert man den Text in die Zwischenablage, auch das Senden per Mail ist möglich.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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