Das Zittern um den Erfolg von «Destiny»

Dieser Tage entscheidet sich, ob das teuerste Videospiel aller Zeiten Hit oder Flop wird. Für die Macher hängt alles am neuen Titel.

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Jan Rothenberger@janro

Die Entwickler des Spiels und Publisher Activision geizen nicht mit Superlativen. Activision-Chef Bobby Kotick bezifferte die Kosten von «Destiny» mit 500 Millionen Dollar, das damit nicht nur teuerstes Spiel aller Zeiten ist, sondern auch die meisten Hollywood-Produktionen budgetmässig in den Schatten stellt. Und eine halbe Milliarde soll das Spiel auch bereits am ersten Verkaufstag umgesetzt haben, je nach Zählweise.

Dies, obwohl sich die Euphorie der Spielepresse bislang in Grenzen hält. Michael Wyler, Chef des Onlinehändlers World of Games, hat den Überblick, was Spieleverkäufe in der Schweiz angeht. Wog.ch bedient zwischen 60 und 70 Prozent der Spielevorbestellungen in der Schweiz. Ein Rekordbrecher ist «Destiny» zwar bisher nicht, aber «es verkauft sich überdurchschnittlich, und dürfte in den diesjährigen Top 5 landen». Wyler zweifelt zwar daran, dass Activision seine enormen Investitionen in diese neue Marke mit dem ersten Spiel sofort wieder einstreicht. Das Unternehmen denke aber längerfristig und plane bereits Fortsetzungen. «Mit ‹Destiny› will man den Erfolg der populären ‹Halo›-Reihe wiederholen», so Wyler.

Zitterpartie im Millionengeschäft

Die entwickelnde Firma Bungie hat allen Grund zu zittern. Ob «Destiny» nämlich ein kommerzieller Erfolg wird oder nicht, bestimmt das Schicksal der bislang erfolgsverwöhnten Firma. Der publik gemachte Vertrag, den das Entwicklerstudio bereits 2010 mit Spieleverleger Activision abschloss, zeigt die gewaltigen Erwartungen an das Projekt. Das Studio hat sich zu straffen Vertragsklauseln verpflichtet, die Entlohnung und die Eigenständigkeit der Firma an den Erfolg von «Destiny» und drei bereits geplanten Fortsetzungen knüpfen.

Umfangreiche Prämien fliessen erst, wenn das Spiel mehrere hundert Millionen Dollar umsetzt. Erst 2022 darf das Unternehmen wieder eigene, andere Titel herausbringen. Und werden weniger als fünf Millionen Exemplare des rund 80 Franken teuren Spiels innert eines halben Jahres verkauft, so kann der Vertrag aufgekündigt werden. Activision hält mit den Erwartungen nicht hinter dem Berg: Das börsenkotierte Unternehmen, das die Entwicklung finanziert, verspricht sich ein Multimilliarden-Dollar-Geschäft. Die Angst, schlechte Presse könnte diesen Erfolg gefährden, ist deshalb auch beinahe mit Händen zu greifen. Bungie relativierte bereits im Vorfeld mögliche Kritik an «Destiny», die die Verkäufe gefährden könnte.

Blockbuster für den Massengeschmack

Dass Spiele laufend teurer werden, liegt im Trend. Rekordhalter war vor Destiny die Gangsterhatz «GTA 5», die mit 265 Millionen Dollar zu Buche schlug. René Bauer unterrichtet Spieledesign an der Zürcher Hochschule der Künste. Grosse Budgets bei Blockbuster-Spielen sind seiner Meinung nach auch Selbstzweck, da sie einem Spiel zuverlässig enorme Medienaufmerksamkeit bescheren. Das sehe man in der Berichterstattung über Spiele wie «GTA 5».

«Gleichzeitig sind aber auch die Erwartungen der Spieler stark gestiegen.» Da auch günstige Handyspiele mittlerweile Topgrafik mitbrächten, seien die Entwickler bei Konsolenspielen umso mehr in der Pflicht, optisch Beeindruckendes abzuliefern. Solche Budgetrennen brächten den Spielern aber nicht unbedingt etwas, da Toptitel sich am Massengeschmack orientierten, statt Akzente zu setzen. «Am Schluss bleibt bloss spielerische Hausmannskost übrig, ein Spiel ohne Ecken und Kanten», so Bauer. Das deutsche Spielemagazin «Gamepro» ist denn im Hinblick auf das «Destiny»-Budget auch etwas ratlos und fragt sich im Fazit zu «Destiny»: «Was hat Bungie die letzten Jahre über gemacht? Wo ist das ganze Geld hingeflossen?»

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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