Alu-Türsteher macht Gesichtskontrolle

Nun kommt eine neue Generation von Überwachungskameras. Das Gerät von Netatmo etwa erkennt Gesichter. Und es protokolliert, wer wann eingetroffen ist.

Der Spion auf dem Buffet: Die «Welcome»-Überwachungskamera erkennt, wer vor ihrer Linse steht.

Der Spion auf dem Buffet: Die «Welcome»-Überwachungskamera erkennt, wer vor ihrer Linse steht.

(Bild: zvg)

Mathias Born@thisss

Sind die Kinder zurück aus der Schule? Mit «Welcome», der neuen Überwachungskamera von Netatmo, sind die Eltern stets auf dem Laufenden: Das Gerät im schön gestalteten Aluminiumrohr merkt nicht nur, wenn jemand zur Türe hereinkommt, sondern findet dank der Gesichtserkennungstechnik auch heraus, wer eingetroffen ist. Die Eltern können per Browser oder Android- und iOS-App auf das Protokoll des Türstehers zugreifen. So sehen sie selbst dann, wenn sie noch unterwegs sind, ob zu Hause alles in Ordnung ist.

Dies ist das Szenario im Werbevideo des französischen Geräteherstellers. Wir wählen für unseren Test ein anderes aus – ein heikleres: Die Überwachungskamera wird im Büro aufgestellt; in unserem Fall für kurze Zeit und mit Einwilligung der Angestellten.

Bevor die Überwachung beginnen kann, muss das Gerät konfiguriert werden. Dazu wird es an einen Computer angeschlossen. Mithilfe des Installationsprogramms wird das Passwort gesetzt und der WLAN-Zugang ausgewählt. Alternativ lässt sich die Kamera per Kabel ans Netzwerk hängen. Minuten später steht es bereits am gewünschten Ort. Zwingend nötig ist dort nur ein Stromanschluss.

Lange Namen lernen

Die Gesichtserkennung funktioniert gut, wenn die Leute frontal vor der Linse stehen. Detektiert das Gerät ein Gesicht, speichert es ein Video in voller HD-Auflösung ab. Dank des Nachtsichtmodus ist selbst im Dunkeln viel zu erkennen. Anders als bei herkömmlichen Überwachungskameras wird Ton mitgeliefert. Abrufen kann man Videos erst nach dem Einloggen auf dem Netatmo-Server – ja, an diesem führt allen Datenschutzbedenken zum Trotz kein Weg vorbei. Wobei: Hochgeladen werden nur Fotos. Die Videos bleiben verschlüsselt auf der Speicherkarte im Gerät. Wenn ein Einbrecher diese mitlaufen lässt, sind also auch die Diebstahlvideos weg.

Noch kennt das System die Namen zu den Gesichtern nicht. Sie werden einzeln erfasst. Dann beginnt das Erkennungstraining, das einige Wochen dauern kann. Immer wieder müssen den mit Fragezeichen markierten Gesichtern Namen zugewiesen werden. So wird sichergestellt, dass «Welcome» niemanden falsch benennt, die Person aber erkennt – selbst, wenn diese einmal eine Mütze oder eine Brille trägt.

Auf die Einstellung kommt es an

Für jede Person lässt sich einzeln einstellen, ob bloss gemeldet werden soll, wenn sie am betreffenden Tag zum ersten Mal erkannt wird, oder ob bei jeder Sichtung eine Meldung abgesetzt wird. Damit das Smartphone nicht dauervibriert, wählt man besser die erste Option. Taucht ein unbekanntes Gesicht auf, meldet sich «Welcome» auch. Das System kann das Versenden von Nachrichten aber auch deaktivieren, sobald es einen zu Hause erkennt.

Bei unserem Versuch klappte alles tadellos. Trotzdem haben wir die Kamera, die innert weniger Stunden bereits ziemlich warm gelaufen war, bald wieder zurückgeschickt. Denn so viel Überwachung möchten wir im Normalfall nicht. Weder im Büro noch zu Hause.

Das Testgerät wurde von Digitec zur Verfügung gestellt. Es kostet dort 228 Franken.

Berner Zeitung

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