Datenschützer verbietet Facebook Datenabgleich

Der zu Facebook gehörende Dienst Whatsapp hat jüngst neue Regeln für seine Nutzer veröffentlicht. Ein deutscher Datenschützer will dagegen vorgehen.

Die Dienste Whatsapp und Facebook werden enger verzahnt. In Zukunft werden Nutzungsdaten und die Telefonnummer an das soziale Netzwerk weitergegeben.

Die Dienste Whatsapp und Facebook werden enger verzahnt. In Zukunft werden Nutzungsdaten und die Telefonnummer an das soziale Netzwerk weitergegeben. Bild: Flickr/JanPersiel

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Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar hat Facebook verboten, Daten deutscher Whatsapp-Nutzer zu erheben und zu speichern. Dazu habe er eine Verwaltungsanordnung erlassen, erklärte Caspar. Facebook sei auch aufgefordert worden, bereits eingetroffene Whatsapp-Nutzerdaten zu löschen.

«Facebook hält sich an das EU-Datenschutzrecht», erklärte eine Unternehmenssprecherin. «Wir sind offen dafür, mit der Hamburger Datenschutzbehörde bei dem Versuch zusammenzuarbeiten, deren Fragen zu beantworten und sämtliche Bedenken auszuräumen.»

Auch in der Schweiz ist die Datenweitergabe ein Thema. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) will sich dafür einsetzen, dass allfällige Anpassungen der Datenbearbeitung bei diesem Dienst auch für Nutzer in der Schweiz gelten werden, wie ein Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda schrieb. Der EDÖB stehe in Kontakt mit den europäischen Datenschützern und verfolge deren Abklärungen zum Thema Whatsapp aufmerksam.

Dienst gibt Nummern weiter

Der zu Facebook gehörende Messengerdienst Whatsapp hatte Ende August neue Regeln für seine Nutzer veröffentlicht. Unter anderem wird die Handynummer an Facebook weitergegeben - unabhängig davon, ob der jeweilige Nutzer auch in dem sozialen Netzwerk aktiv ist.

Zudem werden alle im Telefonbuch des Whatsapp-Nutzers gespeicherten Nummern an den US-Konzern weitergereicht.

Irreführung der Nutzer

Datenschützer Caspar betonte, bei der Übernahme von Whatsapp durch Facebook vor zwei Jahren hätten beide Firmen versichert, keine Nutzerdaten miteinander zu teilen. «Dass dies nun doch geschieht, ist nicht nur eine Irreführung der Nutzer und der Öffentlichkeit, sondern stellt auch einen Verstoss gegen das nationale Datenschutzrecht dar», erklärte er.

Die rund 35 Millionen Whatsapp-Anwender in Deutschland müssten selbst entscheiden können, ob sie eine Verbindung ihres Kontos mit Facebook wünschen, erklärte er weiter. «Dazu muss Facebook sie vorab um Erlaubnis fragen. Dies ist nicht geschehen.»

Es sei weder eine «wirksame Einwilligung» der Nutzer zu der Datenweitergabe eingeholt worden, noch gebe es «eine gesetzliche Grundlage für den Datenempfang». Facebook und Whatsapp seien selbstständige Unternehmen, die die Daten ihrer Nutzer auf Grundlage ihrer Nutzungs- und Datenschutzbedingungen verarbeiten.

Personalisierung von Werbung

Whatsapp-Mitglieder konnten zumindest der Verwendung ihrer Daten für die Personalisierung von Facebook-Werbung und Freunde-Vorschläge widersprechen. Die Telefonnummer wird allerdings in jedem Fall mit Facebook geteilt, wenn man die App weiter nutzen will.

Der Hamburger Datenschutzbeauftragte hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach versucht, gegen Facebook vorzugehen. Zuletzt wollte er durchsetzen, dass Facebook auch Anmeldungen unter einem Pseudonym zulässt, scheiterte aber vor dem Verwaltungsgericht Hamburg. Das Gericht hatte den Hamburger Datenschützer an die Niederlassung von Facebook in Irland verwiesen, die das soziale Netzwerk in Europa betreibt. (kko/AFP/SDA)

Erstellt: 27.09.2016, 15:55 Uhr

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