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Historisches 6:2 gegen BaselDeshalb kommt dem FC Winterthur diese Cup-Sensation gelegen

Der 6:2-Sieg im Cup gegen den FC Basel ist eine kleine Sensation für den FC Winterthur. Die Zürcher vergessen beinahe das grosse Ärgernis zu Hause.

Seit 2012 haben die beiden Mannschaften im Cup fünfmal gegeneinander gespielt. Der FC Basel gewann alle Spiele. Im sechsten Duell serviert der FC Winterthur ein fabelhaftes Sechsgangmenü – und steht jetzt im Viertelfinal.
Seit 2012 haben die beiden Mannschaften im Cup fünfmal gegeneinander gespielt. Der FC Basel gewann alle Spiele. Im sechsten Duell serviert der FC Winterthur ein fabelhaftes Sechsgangmenü – und steht jetzt im Viertelfinal.
Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

Vor dem Stadion versammeln sich rund hundert Fans des FC Basel und zeigen mit mehreren Knallpetarden, wie unzufrieden sie mit ihrem Club sind. Drinnen am Spielfeldrand steht Ralf Loose, der Trainer des FC Winterthur, und sagt: «Vielleicht gibt es heute noch ein Bier, damit wir besser schlafen können.» Loose und seine Winterthurer haben den Cup-Achtelfinal gegen den FC Basel gewonnen. Mit 6:2 und einem Kader, das so noch nie zusammengespielt hatte.

Basel, dem Zweiten der Super League, fehlte bis auf zwei Tore in der Schlussphase fast alles. Und Winterthur traf, wie es gerade wollte. Basels Captain Valentin Stocker sagt: «Wir sind an einem Punkt angelangt, da wir nicht mal mehr sauer oder traurig sind.»

Der Anfang von der kleinen Cup-Sensation: Der Winterthurer Samir Ramizi (Mitte) trifft herrlich aus der Distanz und feiert das 1:0.
Der Anfang von der kleinen Cup-Sensation: Der Winterthurer Samir Ramizi (Mitte) trifft herrlich aus der Distanz und feiert das 1:0.
Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

Diese kleine Cup-Sensation kommt den Winterthurern in einer schwierigen Saison gerade recht. Mit drei Niederlagen in Serie haben sie in der Challenge League den Anschluss an die Spitze verloren. Und auf der Schützenwiese liegt das grösste Ärgernis: ein Rasen, der einfach keine Unterlage für professionellen Fussball sein will. Regnet es, springt der Ball nicht auf; ist es zu kalt, gefriert der Boden. Das Cup-Spiel musste nach Basel verlegt werden, und die Clubs einigten sich auf einen Deal: Winterthur bezahlt die Reise und die Hälfte des Schiedsrichtergeldes, der FC Basel übernimmt den Rest.

Die Schützenwiese verpasst das grösste Fest

Das war vor der Partie die gute Nachricht für die Winterthurer. Ihre Ausgaben müssen tief bleiben, da der Cup finanziell längst kein interessanter Wettbewerb mehr ist. Der Viertelfinal bringt 25’000 Franken – immerhin ein Zubrot in einer Saison, in der Winterthur im letzten Jahr 300’000 Franken aus dem Corona-Stabilisierungspaket erhalten hat und zuletzt auf die À-fonds-perdu-Beiträge verzichtete.

Von den klassischen Challenge-League-Clubs hat Winterthur die meisten Zuschauer. Gut 3000 Menschen kamen vor Corona zu den Heimspielen. Aus dem Sieg gegen Basel wäre auf der Schützenwiese eines der grössten Feste der letzten Jahre erwachsen, auch wenn man diese Affiche seit 2012 fünfmal in Serie verloren hat. Geschäftsführer Andreas Mösli sagt: «Es hätten alle dabei sein wollen, wenn wir Basel rauswerfen.»

Basel hat keine Chance. Hier übernimmt Goalie Djordje Nikolic die Darstellung dieser Unterlegenheit.
Basel hat keine Chance. Hier übernimmt Goalie Djordje Nikolic die Darstellung dieser Unterlegenheit.
Foto: Claudio Thoma (Freshfocus)

Trainer Loose sagt, dieser Sieg sei eine Riesensache, «auch für unsere Fans, die zu Hause bleiben mussten». Zuschauereinnahmen machen in Winterthur rund 40 Prozent aus. Dieses Geld fehlt, und Mösli sagt: «Wir sind angewiesen auf den Goodwill der Sponsoren und der Fans. Diese Saison geht das so noch gut. Aber dann könnte es auch grundsätzlich schwierig werden, wenn wir den Fussball nicht aufrechterhalten können.»

Winterthur glaubt nicht, dass Transfereinnahmen einbrechen

Der Sieg gegen Basel gibt der Solidarität von Sponsoren und Zuschauern neues Futter. Und ohnehin sei nicht alles schlecht, sagt Mösli: «Das Schöne an Corona ist, dass wir sehen, wie wichtig der Fussball als Kitt der Gesellschaft ist. Und der FC Winterthur ist das grösste Jugendhaus der Region.»

Damit das Jugendhaus stehen bleibt, braucht es neben Siegen im Cup auch Einnahmen. In den letzten Jahren schleuste Winterthur immer wieder Spieler nach oben, all die Akanjis, Zuffis oder Freulers. Das füllte die Kassen. Mösli glaubt zwar, dass die Transfersummen für einen Club wie Winterthur wegen Corona nicht zusammenbrechen werden. Trotzdem budgetiert Winterthur diese Einnahmen «konservativ», wie er sagt.

Das Schaufenster für diese Transfers ist die Challenge League, das Kerngeschäft der Winterthurer. Und der Cup? «Der Cup ist für uns das Zückerli», sagt Mösli. Nach dem 6:2 gegen Basel pumpt jede Menge Zucker in den Adern des Winterthurer Fussballclubs.

4 Kommentare
    Rolf R.

    Nur von einer Blamage des FC Basel zu reden, wird der Spielzusammenfassung und vorallem dem FC Winterthur nicht gerecht. Winti musste wegen diversen Verletzungen (inkl. Goali Spiegel) und einer Sperre auf diverse Stammkräfte verzichten sondern wegen des schlechten Platzzustandes auf der Schützenwiese sogar auswärts im Joggeli antreten. Ja, die Challenge League ist total unterbewertet. Wann wird die Super League endlich auf 12 Mannschaften aufgestockt?!