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Kitesurf-ChampionDieser Schweizer zeigte einen Trick, den bisher noch nie jemand wagte

Er ist jung, begabt – und liebt das Wasser. Der Nidwaldner Maxime Chabloz krönt sich dank eines zum ersten Mal gezeigten Sprungs zum Superkite-Gewinner 2020.

Mit diesem Trick gewann der Schweizer den Wettbewerb in Brasilien.
Video: Keystone/Tamedia

Die Sonne scheint. Der Himmel ist blau. Es ist warm. Kurz: Es ist ein schöner Tag auf der brasilianischen Insel Guajiru. Und ein nahezu perfekter für die Kitesurfer, die angereist sind. Die Bedingungen sind nämlich hervorragend. Der Wind weht, aber nicht zu stark, und die Wellen brechen, aber nicht zu viel.

«Jaaa», schreit ein junger Mann. Er hat kurze braune Haare, hat ein verschmitztes Lächeln, ist drahtig muskulös. Sein Name: Maxime Chabloz, 19 Jahre alt, aus Beckenried, Nidwalden. «Geil!», ruft er weiter seine Freude hinaus und lacht. Seinen einen Arm reckt er in die Höhe, mit dem anderen hält er den Lenkdrachen, das Kite, fest.

«Und dennoch gewann ich»

Seine Freude ist verständlich. Chabloz, dieser junger Schweizer aus einem Kanton, der so gar nichts mit Meer zu tun hat, hat gerade einen Kitesurfing-Wettbewerb gewonnen. Aber nicht irgendeinen, nein. Der 19-Jährige gewann den Freestyle-Super-Grand-Slam. Chabloz ist Superkite-Champion 2020. Kein Weltcup, aber wegen Corona die einzige grössere Trophäe, die es im Kitesurfing dieses Jahr zu gewinnen gab.

«Ich wusste, dass der Sieg machbar sein würde. Ich hatte das Niveau, trainierte gut», erzählt er. Dass er es dann aber auch wirklich geschafft habe, sei einfach grandios. «Es ist der grösste Erfolg meiner Karriere.» Er habe zwar schon öfter Siege einfahren können, doch oftmals einfach weil andere Pech gehabt hätten oder einfach schlecht gefahren seien. «Jetzt war es aber anders», so der junge Schweizer. «Alle wollten gewinnen und zeigten ein starkes Rennen. Und dennoch gewann ich meinen ersten Weltcup.»

Chabloz setzt voll auf die Karte Sport.
Chabloz setzt voll auf die Karte Sport.
Foto: Instagram / Maxime Chabloz

Was er nicht sagt, was der junge Kitesurfer unterschlägt, ist die Tatsache, dass er nicht einfach gewann, weil er ein starkes Rennen zeigte. Klar, das auch. Aber Chabloz siegte auch, weil ihm ein Sprung gelang, der bisher noch nie jemand unter Wettkampfbedingungen gezeigt hat. Bis jetzt. Bis Maxime Chabloz im Final gegen die Brasilianer Erick Anderson und Manoel Soares antrat und mit dem Mobe-7-Grab einen Sprung, einen Trick der Extraklasse auspackte.

«Ja, es war tatsächlich eine Weltpremiere», bestätigt der Nidwaldner. «Dass ich ihn kann, wusste ich. Und irgendwann während des Rennens wurde mir immer klarer, dass ich den Trick zeigen wollte.»

Chabloz ist Profisportler

Wenn Chabloz spricht, lacht er immer wieder. Dass er happy ist, das merkt man. Irgendwie logisch. Das 19-jährige Supertalent beweist schliesslich nicht zum ersten Mal, was in ihm steckt. Dreimal sicherte er sich schon bei den U-19 den Kitesurfing-Weltmeistertitel. Wurde dafür von Swiss Sailing mit dem Award Junior Sailor of the Year ausgezeichnet. Und auch bei der Elite zählte er seit seiner ersten Tour 2018 stets zu den Favoriten.

Ein Beispiel? Am ersten Event der World Tour 2019 im südfranzösischen Leucate kam er sogleich in den Final, übertraf sämtliche Erwartungen. Bei Windgeschwindigkeiten von gegen 90 Stundenkilometern musste er sich im Kampf gegen den dreifachen Weltmeister Carlos Mario erst nach einem extrem knappen letzten Run geschlagen geben.

Chabloz führt ein Leben im Handgepäck. Er, der zuerst eine Karriere als Skirennfahrer anstrebte, sich dann aber für das Kiten entschied, ist rund dreissig Wochen im Jahr unterwegs. Von Strand zu Strand, immer auf der Suche nach idealen Windverhältnissen. Er hat alles auf die Karte Sport gesetzt. Die Schule schloss er mit 15 Jahren ab, seither geht er keiner geregelten Arbeit mehr nach. Chabloz ist Profisportler. «Ich wohne noch bei meinen Eltern, das spart Geld», erklärt er. «Meine Reisen werden aber alle von meinen Sponsoren übernommen, und von den Preisgeldern kann ich mir langsam was aufbauen.»

«Man kann fast fliegen»

Bis Weihnachten bleibt er noch in Brasilien. In die Schweiz ziehe ihn nix. Da sei es kalt und regnerisch. Chabloz meint: «Schrecklich. Da bin ich lieber noch ein wenig hier und geniesse es, zu surfen und das Leben zu geniessen. Ende Jahr komme ich dann wieder. Im Januar startet ja dann auch wieder die Freeride-Worldtour im Ski.»

Worldtour? Ski? Ja. Der Nidwaldner entschied sich zwar für das Kitesurfen, doch das Skifahren liess ihn auch nie gänzlich los. Verständlich, gehörte er bis zum Ende seiner obligatorischen Schulzeit doch einem Swiss-Ski-Kader an. Ebenso gewann Chabloz 2019 als Freerider den Weltmeistertitel bei den Junioren.

Doch das ist eine andere Geschichte. Schliesslich ist Chabloz sowieso noch in Brasilien und denkt noch nicht an den Schnee und das kalte Wetter. Lieber surft er noch ein wenig. Bringt den Kite in die richtige Position, hebt ab, wirbelt durch die Luft, dreht Pirouetten und landet schliesslich wieder sicher mit dem Board an den Füssen im Wasser. «Kitesurfen bedeutet für mich Freiheit», sagt Chabloz. «Man kann fast fliegen. Man braucht nur die Elemente Wasser und Wind. Man benötigt also fast nix, und das ist sehr geil.»