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Unterwegs mit einem WahlmannDieser Schweizer wählt Joe Biden ins Weisse Haus

Vinz Koller hat als Wahlmann eine Aufgabe: den US-Präsidenten zu wählen. Am wichtigsten Tag filmte sich der Schaffhauser selbst und gibt so einen Einblick in das Electoral College.

In den heiligen Hallen des Kapitols: Vinz Koller führt durch den Wahltag in Sacramento.
Video: Tamedia

Heute zählt der US-Senat die Stimmen des Electoral College aus. Es ist der letzte Schritt vor der Amtseinführung von Joe Biden. Im Dezember bestätigten die 538 Wahlfrauen und -männer der USA das Ergebnis der Präsidentenwahl. Mittendrin: der Schweizer Vinz Koller. Auch er wählte das Duo Joe Biden und Kamala Harris. Der Schaffhauser ist Wahlmann für den Bundesstaat Kalifornien.

Rückblick: Vor drei Wochen macht sich Koller auf den Weg zur wichtigsten Aufgabe seines Amtes als Wahlmann. Bereits zum dritten Mal kommt dem Demokraten diese Ehre zuteil. In Sacramento soll er mit 54 weiteren kalifornischen Wahlfrauen und -männern die Volkswahl vom 3. November 2020 bestätigen. Eigentlich Formsache: Noch nie hat ein Electoral College eines Bundesstaates (Wahlausschuss) anders gestimmt als das amerikanische Volk.

Vor vier Jahren war Koller drauf und dran, dies zu ändern. Er zettelte unter den Wahlleuten eine Revolte an, um Donald Trump als Präsident zu verhindern. Genau dafür sei das Electoral College da, sagte er 2016. Das Gremium soll diktatorische oder fremd gelenkte Kandidaten verhindern: «Trump ist genau ein solcher Kandidat, vor dem uns die Gründerväter dieser Nation gewarnt haben.» Bis spät in die Nacht vor dem Wahltag versuchte er, republikanische Wahlleute zu überzeugen, gegen Trump zu stimmen. Deren 38 hätte er gebraucht. Bekanntlich blieb die Revolte erfolglos.

Trotzdem bezeichnet sich Koller im Video als «treuen Wahlmann». Doch nicht zuletzt seit dem gescheiterten Aufstand habe er «grosse Vorbehalte» gegenüber dem amerikanischen Wahlsystem. Doch wie wird man als Schweizer eigentlich Wahlmann in den USA? «Es ist eine Belohnung für jene, die sich stark in der Partei engagieren», sagt der studierte Politologe. Seit 2002 hat er den US-Pass. Seitdem brachte es Koller bis zum Parteipräsidenten seines Bezirks.

Der Wahltag sei für ihn jeweils «sehr emotional», sagt Koller – im Gegensatz zu 2016 ganz im Sinne seiner demokratischen Partei. Für uns filmte sich Vinz Koller am 14. Dezember und gewährt so einen Einblick in die – wie er selber sagt – «etwas obskure Institution» des Electoral College. Zum Wahlergebnis meint er knapp: «Wir haben die Ehre der USA ein Stück weit wiederhergestellt.»

2 Kommentare
    Severin Schnyder

    "Noch nie hat ein Electoral College eines Bundesstaates (Wahlausschuss) anders gestimmt als das amerikanische Volk."

    Was so natürlich nicht stimmt. Richtig ist, dass die Delegation eines Bundesstaats als Ganzes noch nie anders gestimmt hat, als die Bevölkerung des jeweiligen Bundesstaats. (Das dies nicht 'das amerikanische Volk' ist, versteht sich von selbst.) Das eigentliche Electoral College (Alle Delegationen aller Bundesstaaten zusammen) hat jedoch schon mehrfach gegen den Willen der Mehrheit der Amerikaner gestimmt, nämlich jedesmal dann, wenn die 'popular vote' nicht dasselbe Ergebnis hervorgebracht hat, wie die Wahl der Electors. Zuletzt 2016.