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Mudita Pure und Volla PhoneDiese Handys geben Ihre Daten nicht einfach so weiter

Wer nicht will, dass sein Smartphone massenhaft Daten an Google oder andere Konzerne sendet, für den gibt es Betriebssysteme und Handys, die Datensammler aussperren. Wir stellen drei Möglichkeiten vor.

Es muss nicht immer ein Riesenbildschirm sein: Das Mudita Pure hat nur Tasten und einen E-Ink-Bildschirm wie in E-Book-Readern.
Es muss nicht immer ein Riesenbildschirm sein: Das Mudita Pure hat nur Tasten und einen E-Ink-Bildschirm wie in E-Book-Readern.
Foto: PD

Muss Google wissen, in welcher Migros man gerade eingekauft hat, an welchem See man spazieren geht und wie lange man am Abend wieder mit der Spiele-App verplempert hat? Googles Handybetriebssystem Android protokolliert vieles mit und sendet beispielsweise Standortdaten, den Suchverlauf und auch Nutzungsstatistiken an den Internetkonzern.

Zwar lässt sich davon einiges abschalten, allerdings ist das oft gut versteckt und manche Funktionen lassen sich dann auch nicht mehr nutzen.

Wer Wert auf Datenschutz legt, möchte sein Handy und damit viele Daten nicht unbedingt in die Hände grosser Konzerne wie Google und Apple legen. Es gibt durchaus Alternativen wie Android-Betriebssysteme, die ohne Google auskommen und daher auch keine Daten senden. Das grosse Aber: Es erfordert meist einen grösseren Aufwand, sie zu installieren, und so bequem und einfach ist die Handynutzung auch nicht mehr.

Das Betriebssystem /e/

Ein alternatives Google-loses Android namens /e/ gibt es von der eFoundation. Die Stiftung wurde 2018 von Gaël Duval in Paris gegründet und finanzierte ihre Projekte zunächst vor allem über Crowdfunding. Duval ist einer der Initiatoren der französischen Linux-Distribution Mandrake.

Das Betriebssystem /e/ läuft auf über 100 Smartphone-Modellen, darunter das Fairphone oder Samsung-Modelle.
Das Betriebssystem /e/ läuft auf über 100 Smartphone-Modellen, darunter das Fairphone oder Samsung-Modelle.
Foto: PD

Die eFoundation hat sich die «Flucht vor dem Überwachungskapitalismus» auf die Fahnen geschrieben, das Android-System /e/ soll vor allem die Daten der Nutzer schützen, aber gleichzeitig auch komfortabel sein. /e/ ist Open-Source und basiert auf der freien Software LineageOS, die wiederum auf die quelloffenen Teile von Android zurückgreift. Nach Ansicht Duvals richtet sich /e/ aber nicht an Nerds, sondern durchaus an durchschnittliche Nutzer, die eine Alternative zu Google- oder auch Apple-Betriebssystemen suchen.

«Es geht uns um Kompatibilität und Freiheit. Nutzer können jede Android-App auf /e/ installieren.»

Gaël Duval, Gründer

Das System /e/ bringt dafür eine eigene Cloud mit. So können Daten auf mehreren Geräten synchronisiert werden. Zudem gibt es vorinstallierte Apps und einen eigenen App-Store. Für ein Leben ohne Google-Dienste wie Google Maps bietet der alternative App-Store beispielsweise die Navigations-App «Magic Earth» an, die wiederum Karten der freien Geodatenbank Openstreetmap nutzt.

Das /e/-Betriebssystem will den Austausch von Smartphones mit Google-Servern drosseln – bei Apple-Geräten gelingt das besser als bei Android.
Das /e/-Betriebssystem will den Austausch von Smartphones mit Google-Servern drosseln – bei Apple-Geräten gelingt das besser als bei Android.
Foto: Screenshot eFoundation

Für Nutzerinnen, die nicht auf Vertrautes verzichten wollen, lassen sich auch millionenfach genutzte Apps wie Whatsapp oder auch Facebook über den App-Store installieren – auch wenn diese weder Open-Source noch datensparsam sind. «Es geht uns um Kompatibilität und Freiheit. Nutzer können jede Android-App auf /e/ installieren», sagt Duval. Aber niemand werde gezwungen, sie zu nutzen.

Wer es sich selbst nicht zutraut, das freie Android /e/ auf seinem eigenen Smartphone zu installieren, der kann im Webshop der eFoundation Smartphones mit einem bereits vorinstallierten /e/-Betriebssystem kaufen. So gibt es das neue Fairphone 3+ für gut 500 Euro, ein überholtes Samsung Galaxy S9+ von 2018 für 460 Euro.

Das Volla-Phone

In eine ähnliche Richtung will die Firma Hallo Welt aus Remscheid, einer 100’000-Einwohner-Stadt im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen, mit ihrem neuen Smartphone namens Volla-Phone gehen. Es verzichtet ebenfalls auf Googles Android und Apps, die Google-Dienste voraussetzen.

Jörg Wurzer, der Gründer der Firma sagt, dass es nur so möglich sei, die Privatsphäre der Nutzer zu schützen. Seinen Namen hat das Volla-Phone aus dem Lateinischen entlehnt, vom «volaticus» für fliegend. Der Name solle Freiheit und Leichtigkeit vermitteln, sagt Jörg Wurzer.

Läuft aktuell mit zwei Betriebssystemen: Das Volla Phone aus Deutschland.
Läuft aktuell mit zwei Betriebssystemen: Das Volla Phone aus Deutschland.
Foto: PD

Das Volla-Phone gibt es mit zwei Betriebssystemen, beide sind Open-Source. Das eine ist die Android-Eigenentwicklung Volla OS, das andere Ubuntu Touch. Das ist die mobile Benutzeroberfläche des Linux-Betriebssystems Ubuntu, die mittlerweile von der UBport-Stiftung weiter entwickelt wird. Statt des Google-Playstores gibt es bei den Volla-Phones die alternativen App-Stores F-Droid und Aurora und für Standard-Features wie Fotografie kuratierte quelloffene Apps.

«Die Apps sollen von den eigentlichen Funktionen nicht zu sehr ablenken.»

Jörg Wurzer, Gründer

Doch während bei /e/ die Apps ähnlich wie bei Apples iOS alle auf dem Startbildschirm neben und übereinander angeordnet werden, haben die Macher mit dem Volla-Phone einen anderen Weg eingeschlagen. Denn neben dem Schutz der Nutzerdaten soll das Smartphone einfach zu bedienen sein und nicht übermässig viel Aufmerksamkeit der Nutzer beanspruchen. «Die Apps sollen von den eigentlichen Funktionen nicht zu sehr ablenken und nicht im Vordergrund stehen», sagt Wurzer.

Diese Prämisse wurde im Design des Geräts umgesetzt: Wenn man das Gerät entsperrt hat, kommt der Nutzer auf das sogenannte Sprungbrett. Auf der minimalistisch gestalteten Oberfläche lässt sich tippen, und das Gerät antizipiert, ob man beispielsweise telefonieren oder eine Nachricht senden will.

Detailaufnahme des Volla-Phones in Weiss.
Detailaufnahme des Volla-Phones in Weiss.
Foto: PD

Für den Bau der Geräte hat die Firma aus Remscheid einen Partner quasi in der Nachbarschaft gefunden: Die Hardware der Handys wurde zu einem grossen Teil von Gigaset entwickelt, und die Geräte werden in deren Werk in Bocholt produziert. Das Chipset stammt von Mediatek aus Taiwan, die Leistungsstärke bewegt sich eher im Einsteigersegment. Finanziert wurden die Volla-Phones zunächst über eine Crowdfunding-Kampagne, mittlerweile kann man sie für gut 390 Franken auch direkt über die Website bestellen.

Bislang bewegen sich die Verkaufszahlen noch im knapp vierstelligen Bereich, für dieses Jahr rechnet Jörg Wurzer aber mit einem Wachstum. In welcher Nische sich die ambitionierte Fima in einem von Android und Apple dominierten Markt bewegt, zeigen die Smartphone-Verkaufszahlen. So wurden im vierten Quartal 2020 weltweit knapp 386 Millionen Geräte verkauft, davon waren allein 90,1 Millionen iPhones von Apple.

Das Mudita Pure

Mit einem Handy mit wenigen Funktionen will Michał Kiciński technologiemüde und vor allem gesundheitsbewusste Menschen überzeugen. Kiciński ist Mitgründer der polnischen Videospielfirma CD Projekt, die mit der Reihe «The Witcher» sehr erfolgreich ist und jüngst mit «Cyberpunk 2077» für Aufregung unter Gamern sorgte.

Die Gründer empfehlen es als «Zweit- oder Wochenendhandy».

Sein Mudita Pure hat kein Touch-Display, sondern tatsächlich Tasten und ein lediglich 7,2 Zentimeter grosses E-Ink-Display, wie man es von E-Readern kennt. Das heisst, das Display leuchtet nicht. Zudem hat es einen niedrigen SAR-Wert. Die Strahlung des Geräts ist also im Vergleich zu herkömmlichen Handys gering.

Das Mudita Pure hat schon einige Designpreise gewonnen.
Das Mudita Pure hat schon einige Designpreise gewonnen.
Foto: PD

Zu den Grundfunktionen, die das Mudita Pure mitbringt, gehören unter anderem ein Telefonbuch, Nachrichten, Kalender, ein Taschenrechner, ein Musikplayer, Bluetooth und ein Sprachaufzeichnungsgerät. Das Betriebssystem heisst Mudita OS, es ist Open Source, an ihm arbeiten nach Angaben von Mudita derzeit rund 20 Entwickler. Apps von externen Entwicklern lassen sich darauf nicht verwenden.

Das Mudita-Gründerteam.
Das Mudita-Gründerteam.
Foto: PD

Das minimalistische Handy, das in Polen produziert wird, hat mittlerweile einige Designpreise gewonnen. Die Macher ahnen aber wohl, dass es an Menschen, die ihr Smartphone kaum aus den Händen legen, nicht leicht zu verkaufen ist. Sie empfehlen es daher als «Zweit- oder Wochenendhandy».

Dann soll man leichter auf gewohnte Funktionalitäten und Apps wie Spotify, Google Maps oder Twitter verzichten können. Das Mudita Pure ist derzeit für umgerechnet rund 300 Franken vorbestellbar, ab Mitte des Jahres soll es ausgeliefert werden.

5 Kommentare
    Renate Baumgärtner

    Wer nicht will, dass sein Smartphone massenhaft Daten an Google oder andere Konzerne sendet, für den gibt es Betriebssysteme und Handys, die Datensammler aussperren. Wir stellen drei Möglichkeiten vor.

    hier die Vierte Kaufe kein Smartphone