Zu Fuss zum Südpol – mit künstlicher Hüfte

Der britische Abenteurer Robert Swan will die wirtschaftliche Ausbeutung der Antarktis verhindern.

Er ist der erste Mensch, der zu Fuss sowohl den Nord- als auch den Südpol erreichte: Robert Swan. Foto: PD

Er ist der erste Mensch, der zu Fuss sowohl den Nord- als auch den Südpol erreichte: Robert Swan. Foto: PD

Wenn Robert Swan zum vermutlich 5000. Mal von seiner ersten Nordpol-Expedition erzählt, dann sitzen seine Pointen. Er reisst seine hellblauen Augen auf. «Nein», ruft er ins ­Mikrofon. Kunstpause. «Ich hatte kein Handy, um mein Mami anzurufen.» Gelächter in der voll besetzten Halle.

Es war anno 1989, und er hatte auch kein GPS, das ihm auf dem 1000 Kilometer langen Fussmarsch den Weg hätte weisen können. Ein Sextant, eine Armbanduhr und die Sonne mussten genügen. Und vor allem hatte der Brite noch nie von Klimawandel und ­Erderwärmung gehört, als ihm genau diese Phänomene beinahe das Leben gekostet hätten.

«Plötzlich sassen wir auf einer Eisscholle fest, und um uns herum war nur noch Wasser.» Er sei sicher gewesen, dass er sterben würde. Doch er überlebte. Und avancierte damit zum ersten Menschen, der zu Fuss sowohl den Nord- als auch den Südpol erreichte. Heute ist der Brite 63 Jahre alt und hat Arktis und ­Antarktis inzwischen schon mehrmals besucht. Jedes Mal sind die Polkappen ein Stück weiter abgeschmolzen, berichtet er.

Gegen den Abbau der Bodenschätze

Wenn Robert Swan gerade nicht an den Polen unterwegs ist, trommelt er weltweit mit launigen Reden für seine Stiftung «2041». Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die wirtschaftliche Aus­beutung der Antarktis zu verhindern. «Die Antarktis ist die letzte Wildnis der Erde», sagt Swan. «Sie ist der einzige Ort der Welt, der uns allen gehört, und sie ist die gefährlichste und stärkste leise Kraft.» 90 Prozent des Eises der ganzen Erde befänden sich am Südpol, sagt er. «Und wenn wir das schmelzen lassen, müssen wir schwimmen.» Oder Mauern um ­Hamburg und London bauen, damit es dort trocken bleibe.

«Die Antarktis ist der einzige Ort der Welt, der uns allen gehört, und sie ist die gefährlichste und stärkste leise Kraft.»Robert Swan, Umweltaktivist

Regelmässig bereist er mit Gruppen die Antarktis, um das Bewusstsein junger Menschen zu schärfen und Unterstützer für sein Ziel zu ­gewinnen. «Mein Ziel ist es, dass bis 2041 weltweit so viel erneuerbare Energien hergestellt werden, dass es für die Konzerne keinen Sinn mehr macht, die Bodenschätze der Antarktis abzubauen.» In diesem Zusammenhang lobt er ausdrücklich die deutsche Energiewende. «Ihr seid bei erneuerbaren Energien weltweit vorn dran, dafür preise ich euch jeden Tag.» Die Deutschen müssten das «viel mehr feiern», sagt er, «ich weiss nicht, warum ihr das nicht tut».

Mit 63 Jahren noch einmal zu Fuss zum Südpol

Die «Fridays For Future»-Bewegung begrüsst Swan, allerdings hat er auch ein Problem mit ihr: «30 Jahre habe ich gewartet, bis die Jugend aufsteht», sagt er. Jetzt, wo es so weit ist, ist Swan nicht ganz zufrieden: «Die Leute haben recht, aber leider ist da viel Frust und Ärger dabei – sie sollten auch über Lösungen nachdenken.» Es sei zu schade, im Kampf gegen den ­Klimawandel eine weitere Generation zu verlieren. «Im Notfall müssen die Generationen zusammenarbeiten», appelliert er.

Für seine Verdienste um den Umweltschutz erhielt Robert Swan 1995 von Königin Elizabeth II den Ritterorden (OBE). Im Dezember will er zusammen mit seinem Sohn noch mal zu Fuss zum Südpol gehen. Und das im Alter von 63 Jahren und mit einem künstlichen Hüftgelenk. «Ich habe wirklich Angst», sagt er. Um seine Gesundheit. Aber machen will er es trotzdem. Der Welt zuliebe.

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