Macho-Tipps sollen Natalie Rickli verhindern

Der SVP-interne Gegenspieler der populären Zürcher Politikerin munitioniert seine Parteikollegen auf. Sie sollen Rickli mit Fragen zum Zivilstand löchern.

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Wenn sich rund 300 Delegierte der Zürcher SVP heute Abend im Rössli in Illnau versammeln, entscheiden sie womöglich, wer im März 2019 die Nachfolge von Markus Kägi im Regierungsrat antritt. Zur Auswahl stehen die Winterthurer Nationalrätin Natalie Rickli sowie Kantonsrat Christian Lucek aus Dänikon. Drei weitere Kandidaten haben sich zurückgezogen oder sind vom Parteivorstand in der Vorselektion ausgesiebt worden.

Nun also Rickli gegen Lucek – kein Spaziergang für Letzteren, der zwar seit sieben Jahren im Kantonsrat politisiert, aber deutlich weniger bekannt ist als seine Konkurrentin mit 16 Jahren Parlamentserfahrung, davon 11 im Nationalrat. Sie wird denn auch als Favoritin gehandelt, seit sich die Vakanz im Regierungsrat abzeichnet. Dennoch scheint Lucek motiviert, und er setzt nun in der Endphase des internen Wahlkampfs auf Methoden, die Fragen aufwerfen.

Frage nach Familienplanung

Seine Kandidatur richte sich nicht gegen irgendjemanden, schreibt er zwar in dem Mail, das er am Montagnachmittag von seiner Arbeitsadresse beim eidgenössischen Verteidigungsdepartement aus an einen ausgewählten Kreis SVP-Delegierter verschickte. Er wolle auch nicht, dass man Natalie Rickli schlechtrede. Die Tipps, die Lucek dann aber seinen Kollegen für die Delegiertenversammlung erteilt, sind vom Schlechtreden nicht weit entfernt. Man solle Rickli nach dem Zivilstand fragen, rät er, und eventuell auch nach der Familienplanung. Weiter schreibt er: «Hübsches Wahlplakat ist das eine, aber es geht vor allem darum, während möglichst acht Jahren in einem 16-Stunden-Knochenjob harte Arbeit zu leisten (…).» Man solle auch folgende Frage stellen: «Wollen wir vier Frauen im Regierungsrat?»

Christian Luceks «Aide-Memoire», das er in einer E-Mail an SVP-Kollegen schickte. Zm Vergrössern anklicken. Foto: Tamedia

Auf Anfrage erklärt er sich so: Es seien alles Fragen, welche die Basis beschäftigen, entsprechende Reaktionen erhalte er immer wieder in Gesprächen mit der Bevölkerung. Die Frage, ob man vier Frauen im Regierungsrat wolle, ist ernst gemeint: Es habe durchaus schon schwierige Situationen in der Regierung gegeben, sagt Lucek, «weil es in der Psychologie anders gespielt hat». Er meint den Zwist der damaligen Regierungsrätinnen Rita Fuhrer und Dorothée Fierz im Jahr 2005. Und dass man Männer zwar nicht nach der Familienplanung frage, Frauen jedoch schon, das sei nun einmal so. «Auch grosse Unternehmen machen das, wenn sie Führungskräfte suchen.»

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Für Angriffe gegen seine Person gibt der 53-jährige Berufsmilitär Lucek seinen Kollegen vorsorglich Munition mit auf den Weg. Das klingt so: «Behauptung: Militärkopf, kann nur befehlen – Reaktion: Moderne militärische Führungsausbildung auf dieser Stufe findet nicht im Schützengraben statt.» Oder: «Behauptung: Lebenslanger Staatsbeamter, noch nie gearbeitet – Reaktion: Armee/Sicherheit ist wohl die einzige Aufgabe, die zu 100 Prozent Staatsaufgabe sein muss.» Auch für den Fall, dass jemand Luceks Name komisch und wenig eidgenössisch findet, gibt es eine Antwort: «Grossvater aus dem damaligen Böhmen 1915 in Bern eingebürgert, Grossmutter Marie Zürcher, Vater und Onkel leisteten Aktivdienst.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.09.2018, 06:17 Uhr

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