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«Wir haben Zukunft geschrieben»

Auf jede anständige Party folgt der Kater, und so ist es am Tag danach erstaunlich still in Wien. Die Verlierer lecken ihre Wunden oder machen sich hinter den Kulissen auf die Jagd nach den vermeintlich Schuldigen. Und die Sieger, die geniessen und schweigen. Erst an diesem Dienstag kommen die Gremien der ÖVP und auch der Grünen zusammen, um über das Wahlresultat und dessen Folgen für mögliche Koalitionsgespräche zu debattieren. Bis dahin gilt eisern, was Sebastian Kurz seinen Anhängern in der Wahlnacht zugerufen hat: «Nehmen wir dieses Ergebnis in aller Demut an – aber geniessen wir auch den heutigen Abend und feiern ordentlich.» 37,1Prozent der Stimmen, ein Plus von 5,6 und ein Abstand zur zweitplatzierten SPÖ von mehr als 15Prozentpunkten, das ist ein Grund zu feiern.

Im Wiener Kursalon Hübner, zwischen Palmen, Stuck und Lüstern, wird gejohlt und getanzt. Viele Ex- und In-spe-Minister haben sich unters Parteivolk gemischt, mit Wangen rot vom Wein. Vorn auf der Bühne wird im Stakkato dem Sieger gehuldigt. «Wir haben heute nicht nur Geschichte geschrieben, wir haben Zukunft geschrieben», ruft Einpeitscher Peter L. Eppinger. «Sebastian Kurz ist für uns da. Sebastian Kurz ist für Österreich da. Sebastian ist auch wieder für Europa da.»

Als Kurz dann auch noch persönlich vorfährt, wird er mit «Kanzler Kurz»-Sprechchören so laut empfangen, dass er sich kaum Gehör verschaffen kann. Doch wieder lässt er sich kein Wort entlocken, wie es weiter­gehen soll. Verraten will er nur, dass er «mit allen Parteien Gespräche führen» wird.

Viel Wut gegen Strache

Mindestens genauso triumphal wie Kurz liess sich Grünen-Spitzenkandidat Werner Kogler feiern. Unter lauten «Werner, Werner»-Rufen und tosendem Applaus zog der 57-Jährige in das Metropoltheater im 17. Bezirk ein, dazu lief im Hintergrund «Don’t Stop Me Now» von Queen: Die Grünen bekamen am Sonntag nicht nur ihre Mandate im Nationalrat zurück, sondern rückten auch als Koalitionspartner in den Fokus.

Kogler äusserte sich nur kurz zu einer möglichen Zusammenarbeit mit der ÖVP: Man wolle bereits mit den ersten Gesetzesentwürfen im Nationalrat in den kommenden Wochen die «Umkehrbereitschaft der Kurz-ÖVP» testen. Aus der FPÖ, die bei der Wahl um fast zehn Prozentpunkte auf 16,1 Prozent abstürzte, war ein gewaltiges Rumoren zu vernehmen. Die Partei bereitet sich auf eine Oppositionsrolle vor. Viel Wut richtet sich gegen den früheren Parteichef Heinz-Christian Strache, der erst mit dem Ibiza-Skandal und dann mit einer Spesenaffäre als Hauptschuldiger für den Niedergang angesehen wird.

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