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Wie die Zürcher zu Hause aufgerüstet haben

Letztes Jahr waren im Kanton Zürich viel mehr Schusswaffen im Umlauf als vor ein paar Jahren. Was dies für die Anzahl Delikte mit Waffen bedeutet.

Patrice Siegrist
Deutlich mehr Waffen in Zürcher Haushalten: Auf 100 Personen kommen mittlerweile 10 Waffen.
Deutlich mehr Waffen in Zürcher Haushalten: Auf 100 Personen kommen mittlerweile 10 Waffen.
Urs Jaudas

Die Grünliberalen wollten es genau wissen. «Beinahe täglich wird in den Medien über Tote und Verletzte durch Schusswaffen, die in privatem Besitz sind, berichtet», schreiben die Kantonsräte in ihrer Anfrage an den Regierungsrat. Deshalb beauftragten sie die Regierung, aufzulisten, wie viele Waffen in den Haushalten im Kanton Zürich im Umlauf sind.

Nun liegen die Antworten vor, und der Trend ist deutlich: Seit 2010 stieg die Zahl der Schusswaffen im Kanton um fast 50 Prozent an, von rund 100'000 auf rund 146'000. Das sind so viele Pistolen und Gewehre, wie ungefähr Menschen in den Städten Winterthur und Uster zusammengerechnet leben. Auffällig ist auch der Anstieg bei den sogenannten Serienfeuerwaffen, für die es eine Ausnahmebewilligung braucht. 2017 waren 1894 im Umlauf, 2010 waren es noch 1172.

Die Zahlen stammen aus dem kantonalen Waffenregister. Da erst seit Januar 2010 ein Waffenerwerbsschein für die Übernahme der Militärwaffe nach dem Dienst Pflicht wurde, sei es nicht möglich, die Entwicklung weiter zurück zu analysieren, schreibt der Regierungsrat. Die Zahlen wären nicht vergleichbar.

Während die Zahl der Pistolen und Gewehre in den Zürcher Haushalten anstieg, wuchs auch die Bevölkerungszahl, allerdings weniger stark. Heute kommen auf 100 Personen 10 Waffen, 2010 waren es nur 8. Das Bevölkerungswachstum allein erklärt damit die Zunahme nicht.

Zürich ist in der Schweiz aber kein Ausnahmefall. Seit 2014 beantragen Schweizer häufiger Waffenerwerbsscheine. Was den Trend befeuert, ist unklar. Schweizweit sinken die Mitgliederzahlen in Schützenvereinen, eine Gesetzesänderung, welche die Entwicklung erklären könnte, gab es seit 2010 nicht. Zur These, wonach sich die Bürger aus Angst vor Terrorangriffen in Europa schützen wollen, finden sich widersprüchliche Aussagen. Sicher ist nur: Wer einen Waffenschein beantragt, muss einen Grund nennen. Die Mehrheit gibt Sport, Jagen und Sammeln an. Aber: Belegen muss man das nicht.

Obwohl mehr Waffen pro Bewohner im Umlauf sind, ist die Zahl der polizeilich registrierten Gewaltstraftaten mit Schusswaffen in der Tendenz rückläufig. Dass trotz mehr Waffen weniger Delikte damit verübt werden, freut den Regierungsrat. Dies sei auch das Verdienst der Behörden. «Dazu beigetragen haben verschiedene polizeiliche Massnahmen», heisst es in der Antwort.

Besonders die Aktionstage zur freiwilligen Abgabe von nicht erwünschten Waffen, die Kooperation der kantonalen Fachstelle mit den Gemeinden bei der Ausstellung von Waffenerwerbsscheinen sowie der konsequente Ausbau des Gewaltschutzes hätten geholfen, die Quote stabil und tief zu halten.

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