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Was ist dein Unglück?

Die Figuren der Schriftstellerin Lorrie Moore versuchen, sich mit ihrem schiefgelaufenen Leben abzufinden. «Danke, dass ich kommen durfte» versammelt acht Erzählungen.

Lorrie Moore formuliert glänzend, mit einer Mischung aus Schnoddrigkeit, Understatement und der Genauigkeit eines Pathologen. Foto: Zane Williams
Lorrie Moore formuliert glänzend, mit einer Mischung aus Schnoddrigkeit, Understatement und der Genauigkeit eines Pathologen. Foto: Zane Williams

In den frühen Woody-Allen-Filmen gehen alle zum Analytiker, in Lorrie Moores aktuellen Short Storys nehmen sie Antidepressiva. Ist das ein Symptom für einen grundsätzlichen Kulturwandel in den USA – statt Aufklärung und Therapie nun medikamentös «eingestellte» Normalität? Allens Helden leiden unter einem Mutterkomplex; Moores Helden haben Ehepartner. Von denen können sie sich zwar trennen, aber dann geht der Schlamassel erst recht los. Moores Humor ist schwärzer und schärfer als der doch recht humane Allens; seiner ist versöhnlich, ihrer spaltet. Allens Witze haben etwas Rettendes, die der 58-jährigen Erzählerin wissen, dass auch Lachen nichts mehr gut macht. Und doch brauchen die Leser dieser Storys keine Antidepressiva; die Lektüre bereitet vielmehr ein ausserordentliches Vergnügen.

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