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Vielfalt ist Trumpf – auch im Intimbereich

Forscher suchen nach der Normalform von Geschlechtsorganen. Das ist nicht so absurd, wie es auf den ersten Blick tönt.

Bei den Blumen ist auch nicht jede Blüte genau gleich gewachsen. Foto: iStock
Bei den Blumen ist auch nicht jede Blüte genau gleich gewachsen. Foto: iStock

Ärzte der Universität Luzern haben gemessen. Sie wollten den Massen einer «normalen» Vulva auf die Spur kommen und vermassen zu diesem Zweck die äusseren und damit sichtbaren Geschlechtsteile von 657 Frauen im Alter von 15 bis 84 Jahren. Damit liegt nun die «bisher grösste Vulvastudie der Welt» vor, wie die Ärzte stolz vermeldeten.

Das mutet auf den ersten Blick absurd an. Macht es Sinn, einen solchen Aufwand zu betreiben, um einer «Normalität» auf die Spur zu kommen? Die Antwort ist Ja. Immer mehr Frauen lassen sich ihre Geschlechtsteile durch plastische Chirurgie verkleinern, weil sie ihre Geschlechtsteile nicht schön finden. Damit ist die Labioplastik in der Schönheitschirurgie der am schnellsten wachsende Trend der vergangenen Jahre: Die inneren Schamlippen werden verkleinert, damit die Vulva jugendlicher aussieht.

138'000 Operationen weltweit

Nicht allen ist das geheuer. Nationalrat Cedric Wermuth forderte Anfang Juni den Bundesrat auf, Massnahmen dagegen zu ergreifen. Etwa eine zwingende psychosexuelle Beratung einer unabhängigen Fachperson vor jedem solchen Eingriff und Aufklärung in den Schulen.

Wermuths Vorstoss mag von edlen Motiven getragen sein, schiesst aber übers Ziel hinaus. Die Zahl solcher Eingriffe ist verhältnismässig gering: 2016 liessen sich weltweit etwas mehr als 138'000 Frauen die Schamlippen operieren. Allein in den USA liessen sich im selben Jahr mehr als 270'000 Frauen die Brüste vergrössern. Und warum soll gerade die Labioplastik strenger reguliert werden als entsprechende Eingriffe an Brüsten oder Nasen? Und warum sollen Frauen ihre Schamlippen nicht verändern dürfen, wenn sie selber dafür zahlen?

Da ist die Studie der Universität Luzern sinnvoller. Sie hat Aufklärung zum Ziel. Denn natürlich hat der Trend zur Schamlippenverkleinerung mit Bildern aus der Pornoindustrie zu tun, die der weiblichen Vulva zu einer nie dagewesenen Sichtbarkeit verhilft. Gerade bei jungen Frauen kann das zu Unsicherheiten führen. Sie glauben, dieser vermeintlichen Norm nicht zu entsprechen, und haben kaum Vergleichsgrössen. Denn nach wie vor sind die eigenen Geschlechtsteile für viele Frauen schambehaftet, darüber zu sprechen kommt gar nicht infrage. Es sei denn, man wendet sich an einen Schönheitschirurgen.

Daten über 15'000 Penisse

Zudem wurden schon analoge Studien zur Normgrösse von Penissen erstellt. Britische Forscher fassten 17 entsprechende Studien zusammen, mit Daten von mehr als 15'000 Geschlechtsteilen. Man habe diese Daten erhoben, um besorgte Patienten davon zu überzeugen, dass ihr bestes Stück der Norm entspreche, sagten die Forscher. Denn auch Männer messen sich diesbezüglich an den Darstellungen in Pornoindustrie und Internet.

Die Studie ergab im Übrigen, dass es eine eigentliche Norm in dieser Frage nicht gibt. Vielfalt ist Trumpf, auch bei den weiblichen Geschlechtsteilen. Das sind doch gute Nachrichten.

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