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Vermummte greifen «Weltwoche»-Journalisten an

Am 1.-Mai-Fest kam es auf dem Kasernenareal zu einem tätlichen Angriff gegen einen Journalisten und seine Familie.

Michèle Binswanger
An sich herrschte gutes Wetter und gute Stimmung: Das ziemlich überfüllte Kasernenareal am 1. Mai 2019. Foto: Reto Oeschger
An sich herrschte gutes Wetter und gute Stimmung: Das ziemlich überfüllte Kasernenareal am 1. Mai 2019. Foto: Reto Oeschger

Vor den Augen seines Sohnes und seiner Tochter sollte er zusammengeschlagen werden, weil er den falschen Arbeitgeber hat. Alex Baur ist Journalist bei der «Weltwoche». Seit ewig lebt er im Kreis 3 in Zürich, seit 37 Jahren ist er mit einer peruanischen Frau verheiratet. Seit 20 Jahren betreibt seine Frau mit ihrem weit verzweigten Clan auf dem Kasernenareal jeweils am 1. Mai einen Empanadas-Stand. Mit dem Erlös unterstützen sie verschiedene Projekte in Peru. Baur ist jeweils auch vor Ort, um seiner Familie beim Verkauf zu helfen.

Bildstrecke: Viel Violett am 1.-Mai-Umzug in Zürich

Setzt sich in Indien gegen die Unterdrückung der Frauen und gegen das Kastensystem ein: Annie Raja während ihrer Rede auf dem Sechseläutenplatz.
Setzt sich in Indien gegen die Unterdrückung der Frauen und gegen das Kastensystem ein: Annie Raja während ihrer Rede auf dem Sechseläutenplatz.
Samuel Schalch
So viele Teilnehmer wie schon länger nicht mehr: Der Sechseläutenplatz kurz vor der Schlusskundgebung.
So viele Teilnehmer wie schon länger nicht mehr: Der Sechseläutenplatz kurz vor der Schlusskundgebung.
Samuel Schalch
Letzte Vorbereitungen vor der Rede: Die indische Frauenrechtlerin Annie Raja hinter der Bühne.
Letzte Vorbereitungen vor der Rede: Die indische Frauenrechtlerin Annie Raja hinter der Bühne.
Samuel Schalch
Der bunte Demonstrationszug passiert das Rathaus.
Der bunte Demonstrationszug passiert das Rathaus.
Reto Oeschger
«Kapitalisten-Karaoke»: Zwei Aktivisten bei einer Aktion auf dem Tramhäuschen bei der Rudolf-Brun-Brücke.
«Kapitalisten-Karaoke»: Zwei Aktivisten bei einer Aktion auf dem Tramhäuschen bei der Rudolf-Brun-Brücke.
Samuel Schalch
Entlang der Umzugsroute ist es zu vereinzelten Sachbeschädigungen mit Farbbeuteln gekommen. Die Polizei zieht aber nach der offiziellen Demonstration eine mehrheitlich positive Bilanz.
Entlang der Umzugsroute ist es zu vereinzelten Sachbeschädigungen mit Farbbeuteln gekommen. Die Polizei zieht aber nach der offiziellen Demonstration eine mehrheitlich positive Bilanz.
Reto Oeschger
Ein Clown posiert vor dem Polizeiauto: Auffällig viele verkleidete Menschen laufen mit.
Ein Clown posiert vor dem Polizeiauto: Auffällig viele verkleidete Menschen laufen mit.
Samuel Schalch
Der Umzug verläuft bisher mehrheitlich friedlich. Die Polizei markiert Präsenz.
Der Umzug verläuft bisher mehrheitlich friedlich. Die Polizei markiert Präsenz.
Reto Oeschger
Bunter Anhänger: Die Organisatoren des Zürcher Frauenstreiks sind mit einem Traktor unterwegs.
Bunter Anhänger: Die Organisatoren des Zürcher Frauenstreiks sind mit einem Traktor unterwegs.
Samuel Schalch
Klare Forderung: Die linken Demonstrierenden sollen auch beim Frauenstreik vom 14. Juni mitmachen.
Klare Forderung: Die linken Demonstrierenden sollen auch beim Frauenstreik vom 14. Juni mitmachen.
Samuel Schalch
Auffällig viele junge Frauen nehmen am diesjährigen Umzug teil.
Auffällig viele junge Frauen nehmen am diesjährigen Umzug teil.
Samuel Schalch
Der Umzug überquert die Gessnerbrücke.
Der Umzug überquert die Gessnerbrücke.
Reto Oeschger
Mit der Krake macht der Verein Noigass auf seine Forderung aufmerksam, das Neugass-Areal der Öffentlichkeit zurückzugeben.
Mit der Krake macht der Verein Noigass auf seine Forderung aufmerksam, das Neugass-Areal der Öffentlichkeit zurückzugeben.
Samuel Schalch
Ein zentrales Anliegen ist die Anerkennung von Care-Arbeit, die vorwiegend von Frauen erledigt wird.
Ein zentrales Anliegen ist die Anerkennung von Care-Arbeit, die vorwiegend von Frauen erledigt wird.
Samuel Schalch
Farbenfroher Protest: Die sozialistische Kinder- und Jugendorganisation «Rote Falken» am Umzug.
Farbenfroher Protest: Die sozialistische Kinder- und Jugendorganisation «Rote Falken» am Umzug.
Traditionell und aktuell: Die Farben Rot und Violett dominieren den diesjährigen 1.-Mai-Umzug.
Traditionell und aktuell: Die Farben Rot und Violett dominieren den diesjährigen 1.-Mai-Umzug.
Samuel Schalch
Die indische Frauenrechtlerin Annie Raja ist die diesjährige Hauptrednerin – und läuft ganz an der Spitze des Umzugs mit.
Die indische Frauenrechtlerin Annie Raja ist die diesjährige Hauptrednerin – und läuft ganz an der Spitze des Umzugs mit.
Samuel Schalch
Der offizielle Demonstrationszug durch die Zürcher Innenstadt ist gestartet.
Der offizielle Demonstrationszug durch die Zürcher Innenstadt ist gestartet.
Samuel Schalch
Auch der Klimastreik schwappt auf die 1.-Mai-Demonstration über: Zwei Engel fordern eine Flugticketabgabe.
Auch der Klimastreik schwappt auf die 1.-Mai-Demonstration über: Zwei Engel fordern eine Flugticketabgabe.
Samuel Schalch
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Gegen 20 Uhr abends drangen drei Personen in den Stand ein, begannen Baur anzupöbeln und versuchten ihn zu packen. Sie sagten ihm, er solle verschwinden, er sei «Weltwoche» und SVP und habe hier nichts zu suchen. Baurs Sohn und seine anwesenden Kollegen versuchten die Eindringlinge zu vertreiben, es kam zum Gerangel, und die Angreifer zogen unverrichteter Dinge wieder ab.

Baur: «Feiglinge, die nur in der Meute zuschlagen können»

Eine halbe Stunde später waren sie mit Verstärkung zurück. Rund ein Dutzend Vermummte versuchten nun in den Stand einzudringen und auf Baur loszugehen, es kam wiederum zum Gerangel. Die einen versuchten Baur auf die dunkle Kasernenwiese zu schleppen, während die anderen die Peruaner in Schach hielten oder Schmiere standen. Baur wehrte sich nach Kräften und konnte sich schliesslich losreissen, er kam mit ein paar blauen Flecken und einem zerrissenen Hemd davon, seine Tochter bekam einen Schlag in den Magen ab.

Um die Situation zu beruhigen, verliess Baur schliesslich das Kasernenareal, während die Pöbler ihren Frust am Stand der Peruaner abliessen, welchen sie zerstörten. «Es ist ein schlechter Witz», sagt Baur. «Was mich am meisten ärgert, ist, dass sie den Stand meiner Frau kaputt gemacht haben. Feiglinge, die nur in der Meute zuschlagen können und dann erst noch Sippenhaftung machen.» Der «Weltwoche»-Journalist ist vor allem für seine gut recherchierten Justiz-Reportagen und seine politische Unabhängigkeit bekannt. Sein Artikel in der aktuellen «Weltwoche» widmet sich ironischerweise tatsächlich einem SVP-Thema. Es ist ein Bericht über die Rolle der Parteileitung der Aargauer SVP beim Debakel um Regierungsrätin Franziska Roth. Titel: «Diagnose, unfähig».

Das 1.-Mai-Komitee hat Kenntnis vom Fall und sagt: «Wir verurteilen den Vorfall und Gewalt gegen Einzelpersonen.» Baur will wegen des Vorfalls keine Anzeige erstatten.

Video: Friedlicher 1. Mai in Zürich

Rund 16’000 Personen nahmen an der diesjährigen Kundgebung zum Tag der Arbeit teil. Video: SDA/Tamedia

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