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Unpolitisch zu sein, wird gerade unsexy

Bisher mussten Manager Resultate liefern, nicht politische Meinungen. Jetzt scheint der Wind zu drehen.

Ein Kollege hat diese Woche in einem klugen Kommentar über die Geschäftspolitik von Roger Federer geschrieben. Er kritisierte dessen Showkämpfe in dem von Unruhen geprägten Südamerika. Und die Tatsache, dass der Tennisgott seinen Einfluss nicht besser nütze, um auf Missstände hinzuweisen. Stattdessen konzentriere er sich lieber darauf, Geschäfte zu machen – frei vom ­Getöse politischer Unruhen. ­«Federer will eine Konsensfigur sein, die alle toll finden sollen.»

Bislang galten die Federers ­dieser Welt als idealtypisch – auch in der Wirtschaft. Manager mussten Resultate liefern, nicht politische Meinungen. Diese ­würden das Geschäft nur stören. Jetzt scheint der Wind zu drehen: Unpolitisch zu sein, wird gerade unsexy. Wissenschaftliche ­Erkenntnisse stützen die These: Die Wahrscheinlichkeit, dass ­Stellensuchende eine bestimmte Firma auswählen, ist 20 Prozent höher, wenn der Konzernchef eine «humanistische Haltung» zu politischen Fragen hat, die nicht direkt mit seinem Geschäft in Verbindung stehen. Das haben britische Forscher herausgefunden. Das gilt auch dann, wenn die Job-Anwärter mit der Meinung des Chefs nicht übereinstimmen. «CEOs werden ihre Stimme ­stärker erheben und soziale und Umweltfragen ansprechen ­müssen», so die Forscher.

Bekenntnisse aus der Teppichetage erwarten auch die Konsumentinnen und Konsumenten, wie eine andere Studie der Stanford-Universität zeigt. Sie wollen wissen, wo der Konzernchef steht, wenn es um Themen wie Nachhaltigkeit, Recht auf Abtreibung, Einkommensschere oder Geschlechtergerechtigkeit geht. Das gilt für alle Generationen und besonders stark für die Millennials, die so ziemlich alles in ihrer Welt in «like» und «unlike» einteilen. Wieso sollen CEOs von dieser Wertung ausgenommen sein?

Der Einzug von Donald Trump ins Weisse Haus hat die Entwicklung befeuert. Ausgerechnet der unpolitischste aller US-Präsidenten provoziert die Wirtschaftselite zu mehr politischer Haltung. Dass da etwas geändert hat, dämmert den Managern allmählich. Sie ­reden an Podien derzeit gerne vom «purpose» (Zweck/Sinn), den es als Firma stärker zu vermitteln gelte. Dazu gehört aber eben auch die Wertehaltung des Chefs. Diese zu zeigen, ist ein Risiko: Macht er oder sie es gut, kann die Firma davon profitieren. Schafft er mit seinen Äusserungen mehr Aufmerksamkeit, ist aber auch das Absturzpotenzial grösser, wie die Forschung nachweist. Nur: Wie sich jetzt zeigt, ecken selbst so pflegeleichte Typen wie Federer irgendwann an.

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