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Und Gott sah, dass es viele waren

Den US-Journalisten stehen lange, strenge Jahre bevor.

Der 45. Präsident der USA hat sein Amt beleidigt angetreten. Die Fernsehsender seines Landes, schimpfte Donald Trump, hätten absichtlich «eine leere Wiese» gezeigt statt die Massen, die zu seiner Vereidigung erschienen seien. Er kann einem leidtun. Ein Washingtoner Freudenfest, kleingemacht von fiesen Medien.

Zum Glück ist das Unsinn. Wer sich für die genauen Umrisse des Aufmarschs während Trumps Antrittsrede interessiert, kann die Luftbilder konsultieren, die von der Presseagentur Reuters vertrieben werden, oder Aufnahmen der Firma Earthcam. Für einmal gibt es so etwas wie eine objektive Wahrheit. Die Bilder sprechen eine klare Sprache, sowohl was Vergleiche mit Barack Obamas Inauguration 2009 als auch mit den grossen Protestmärschen des Samstags angeht. Vor und nach Trump war die Stadt voller.

Vielleicht war aber sowieso Trumps zweite Rede wichtiger. Am Samstag fuhr der Präsident nach einem Gottesdienst ins nahe Langley, Virginia, in die Zentrale des Auslandgeheimdiensts CIA. Dort sprach er vor der weissen Marmorwand, in der derzeit 117 Sterne für die im Dienst gefallenen Agenten stehen. Narzisst Trump aber sprach nicht über sie, sondern über sich: dass der Rasen während seiner Rede wirklich «vollgepackt» gewesen sei, dass Gott für ihn «den Regen angehalten» habe, dass sein Onkel ein Professor am MIT gewesen sei («trust me, I’m like a smart persona») und dass Amerika beim Abzug aus dem Irak «besser das Öl behalten» hätte. Es war eine dieser Sprachtrümmer­reden, für die Trump berüchtigt und beliebt ist und die uns nun vier Jahre lang drohen.

In Langley pries Trump der Belegschaft überdies Mike Pompeo an, den Mann, den er als CIA-Chef nominiert hat: «Ihr kriegt einen totalen Star.» Dass Pompeo vom Senat noch nicht bestätigt worden ist, zeigt Trumps Geringschätzung für demokratische Abläufe.

Die US-Medien haben das Wochenende gut gemeistert, die Behauptung von Trumps Pressesprecher zur vollsten Wiese «aller Zeiten» so kritisch beleuchtet wie Trumps CIA-Auftritt. Doch das werden lange, strenge Jahre für Reporter, die ihre Wachhundaufgabe ernst nehmen.

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