Staffagen einer Propagandashow

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lässt sich von China im Handelskrieg mit den USA einspannen.

Präsident Macron sprach als Ehrengast an der Eröffnungszeremonie von Chinas Importausstellung in Shanghai. Foto: Keystone

Präsident Macron sprach als Ehrengast an der Eröffnungszeremonie von Chinas Importausstellung in Shanghai. Foto: Keystone

Christoph Giesen@christophgiesen

Es war ein diplomatischer Coup, der den Franzosen im März gelang. Als Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping sich zu seiner Europareise aufmachte, traf er in Paris plötzlich nicht nur auf seinen französischen Amtskollegen Emmanuel Macron, sondern auch auf Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Die deutliche Botschaft an Peking: Europa ist geeint und spricht mit einer Stimme. Das war ein starkes Signal.

Diesen Ansatz wollte Macron nun wiederholen, ein wenig zu eifrig. Unverhofft flogen so die deutsche Forschungsministerin Anja Karliczek und der irische EU-Landwirtschaftskommissar Phil Hogan gemeinsam mit Macron in der französischen Präsidentenmaschine nach Shanghai. Sie endeten als Staffagen einer Propagandashow: Chinas grosser Importausstellung.

Bei der Importmesse geht einzig und allein darum, der Welt zu zeigen, dass die USA im Handelskrieg überziehen.

Bereits zum zweiten Mal wird die Messe veranstaltet. Unter dem Motto «Neue Ära, geteilte Zukunft» soll sie Chinas Handelspartnern ein Schaufenster für ihre Produkte bieten. Sie verspricht «gute Leistung, gute Ergebnisse und andauernden Erfolg in den kommenden Jahren». Eröffnet wurde sie von Xi Jinping.

Zu sehen ist ein Potpourri wie auf einer altmodischen Leistungsschau, mit einem Unterschied: Hersteller und Waren aus China sucht man in den Messehallen vergebens. Es geht einzig und allein darum, der Welt zu zeigen, dass die USA im Handelskrieg überziehen. Handelsbilanzüberschuss? China exportiert zu viel? Ach was! Schaut euch an, was wir alles importieren!

In Berlin hatte man, völlig zu Recht, überlegt, niemanden aus der ersten Reihe zu schicken, um diese absurde Messe nicht aufzuwerten. Aber Macron war als Ehrengast geladen – und das Werben aus Paris war stärker.

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