Hat die SNB an Silvester am Franken-Kurs geschraubt?

Ungewöhnliche Devisenbewegungen am letzten Tag des Jahres: Und das hatte Folgen.

Hat die Nationalbank mit Devisenkäufen nachgeholfen? SNB-Präsident Thomas Jordan, Vize Jean-Pierre Danthine und Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg (v.l.). Archivbild: Peter Klaunzner (Keystone)

Hat die Nationalbank mit Devisenkäufen nachgeholfen? SNB-Präsident Thomas Jordan, Vize Jean-Pierre Danthine und Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg (v.l.). Archivbild: Peter Klaunzner (Keystone)

Armin Müller@Armin_Muller

In den letzten Handelsstunden an Silvester schwächte sich der Franken wundersamerweise gegenüber allen wichtigen Währungen stark ab: um 0,7 Prozent gegenüber dem Euro, um 1,2 Prozent gegenüber dem Dollar. Das war eine glückliche Fügung für Bund und Kantone, denn ohne diesen Silvesterzauber wäre der Verlust auf den Devisenbeständen der Nationalbank so hoch ausgefallen, dass sie keine Ausschüttungen an Bund und Kantone hätte vornehmen können.

Nach provisorischen Berechnungen wird der Jahresverlust 23 Milliarden Franken betragen, wie die Nationalbank am letzten Freitag bekannt gab. Hauptverantwortlich dafür sind Verluste auf Fremdwährungen in Höhe von 20 Milliarden Franken. Trotz des grossen Verlustes kündigte die Nationalbank am Freitag eine Dividendenzahlung von 15 Franken pro Aktie und die Ausschüttung von 1 Milliarde Franken an Bund und Kantone an.

Hat die Nationalbank etwas nachgeholfen?

Wie haarscharf der Ausfall für Bund und Kantone vermieden wurde, zeigt eine Analyse der Kursentwicklung an Silvester. Bewertet zu den Tagesschlusskursen vom 30. Dezember wäre der Verlust auf den Devisenbeständen um schätzungsweise 5 Milliarden höher ausgefallen. Eine Gewinnausschüttung wäre nicht möglich gewesen, weil die Nationalbank die vorgeschriebene Ausschüttungsreserve nicht mehr erreicht hätte.

Hat die Nationalbank am 31. Dezember etwas nachgeholfen und den Franken mit Devisenkäufen geschwächt, um die Ausschüttung zu retten? Nachweisen lässt sich das nicht. Die Nationalbank gibt keine Auskunft über ihre Devisenmarktinterventionen. Aus den Sichtguthaben der Geschäftsbanken, die als Indiz für Interventionen gelten, lässt sich nichts ablesen. Am ruhigen letzten Handelstag wäre es jedenfalls leicht gefallen, den Kurs in die gewünschte Richtung zu bewegen.

Und plötzlich ging es aufwärts: Euro legt zum Franken am Silvesterabend deutlich zu.

Ende Jahr hatte die Nationalbank Devisen im Wert von rund 560 Milliarden Franken in ihrer Bilanz, die sie im Kampf gegen die Frankenstärke aufgebaut hatte. Als sie vor einem Jahr überraschend den Mindestkurs zum Euro aufhob, werteten sich auf einen Schlag alle Währungen gegenüber dem Franken deutlich ab. Damit waren auch die Devisen in der Nationalbankbilanz entsprechend weniger wert.

SonntagsZeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt