Ein Siebner im Hochformat

Mit dem X7 wird BMW nächstes Jahr eine weitere SUV-Baureihe lancieren. Bei ersten Probefahrten mit einem Vorserien-Prototyp blieb allerdings noch vieles geheim.

Ein SUV mit beinahe wankfreiem Handling: Der mit Tarnfolie beklebte Vorserien-Prototyp des BMW X7. Foto: BMW

Ein SUV mit beinahe wankfreiem Handling: Der mit Tarnfolie beklebte Vorserien-Prototyp des BMW X7. Foto: BMW

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Was soll man da noch sagen. Wir räubern auf einer kurvigen und nicht besonders gepflegten Strasse durch die Appalachen, und es müsste schlagen, rumpeln, wippen und schaukeln. Doch wir gleiten dahin wie in einer Sänfte, hören vielleicht hier und da die Unebenheiten in der Fahrbahn – doch zu spüren sind sie kaum. Der verantwortliche Fahrwerksentwickler auf dem Beifahrersitz ist sichtlich stolz, und das ist er zu recht: Die Ingenieure haben hier ein beeindruckendes Auto auf die Räder gestellt.

Wir sind unterwegs im neuen BMW X7, in einem getarnten Vorserien-Prototyp wohlgemerkt, und obwohl im Innenraum noch nicht alles passgenau sitzt und gewisse Funktionen noch gar nicht verfügbar sind, erhalten wir auf diesen ersten Fahrten einen guten Eindruck von der neuen Baureihe. BMW hat es geschafft, einen Fahrkomfort auf Oberklassen-Niveau zu erzeugen und diesem riesigen SUV gleichzeitig ein ­agiles, beinahe wankfreies Handling zu verpassen. Das ist beachtlich.

Luftfederung auf beiden Achsen

Der Aufwand dafür ist freilich enorm. Noch wollte uns das Werk keine genauen technischen Spezifikationen liefern, denn noch ist der X7 nicht finalisiert. «Die Entwicklung dauert noch das ganze Jahr über an, theoretisch können wir noch bis Ende des Jahres Änderungen vornehmen», erklärt uns einer der Ingenieure vor Ort. Danach erst geht der grosse SUV in Spartanburg, South Carolina, in Produktion und kommt irgendwann in der ersten Jahreshälfte 2019 zu den Händlern. Trotzdem wirkt der Prototyp bereits sehr ausgereift. Und vor allem ausgeklügelt: Der hohe konstruktive Aufwand und die lange, detailverliebte Abstimmungsarbeit sind spürbar.

Dann verrät BMW doch noch Details. Der X7 wird standardmässig mit einer Luftfederung auf beiden Achsen ausgerüstet, optional werden eine automatische Wankstabilisierung, die variable Dämpferkontrolle VDC und auch eine Art Sportfahrwerk mit sperrbarem Differenzial an der Hinterachse erhältlich sein. Auch ein Offroad-Paket mit geländespezifischen Fahrmodi wird es geben; Allradantrieb ist selbstverständlich, genauso wie die 8-Stufen-Automatik.

Zum Marktstart 2019 sollen zwei Benziner- und zwei Dieselmotoren angeboten werden. Die Ingenieure vor Ort in South Carolina machen dazu noch keine näheren Angaben, doch die Leistungsdaten der bereits bekannten Motoren sind naheliegend: Die Dieselvarianten 30d und 50d leisten 265 und 400 PS und generieren ein maximales Drehmoment von 620 und 720 Newtonmeter. Die Benziner 40i und 50i weisen eine Leistung von 340 und 462 PS aus. Im X7 dürften die Daten identisch sein. Weitere Motoren und eine Plug-in-Variante sind wahrscheinlich. Und kommt auch ein V12 wie im Siebner? Die Entwickler wollten auch dazu noch nichts sagen, schmunzelten aber vielsagend. Platz hätte der Zwölf­zylinder auf jeden Fall.

Beim Thema Design sind wir es, die sich mit Aussagen zurückhalten – der Vorserien-Prototyp war von A bis Z mit Tarnfolie beklebt, das verzerrt die Wahrnehmung. Nur so viel: Der X7 wirkt auf der Strasse kompakter, als die im Herbst an der IAA in Frankfurt gezeigte Studie vermuten liess. Informationen zu den Dimensionen wollte uns BMW aber noch nicht liefern und nachmessen war nicht erlaubt. Wir schätzen eine Länge von 5,2 und einen Radstand von 3,2 Metern.

Luxus auf drei Sitzreihen

Mehr kann man zum teilweise ebenfalls noch getarnten Innenraum und zu der Ausstattung sagen: Drei Sitzreihen sind serienmässig, die mittlere ist mit einer elektrisch verstell- und verschiebbaren Sitzbank ausgestattet und kann optional mit zwei feudalen Einzelsitzen bestückt werden. Beide Reihen im Fond lassen sich auf Knopfdruck elektrisch umklappen. Das gilt auch für die zweigeteilte Heckklappe. Man sitzt auch in der dritten Sitzreihe ganz ordentlich; nur der Zustieg erfordert etwas Beweglichkeit.

Auf Wunsch sind Laserlicht, kühl- und beheizbare Becherhalter, Massagesitze oder hochwertige Details wie der Automatikwahlhebel aus Swarovski-Kristall erhältlich. Das Infotainmentsystem der neuesten Generation und ein virtuelles Cockpit sind selbstverständlich an Bord. Das Angebot an Assistenzsystemen wird dem des Siebners in nichts nachstehen. Das ist schliesslich auch ein Ziel der Entwicklung. «Der X7 soll quasi ein Siebner in hoch werden», verrät uns ein BMW-Mann. Punkto Fahrkomfort, Ausstattung und Annehmlichkeiten im Innenraum scheint dies durchaus gelungen zu sein.

Im Fahrbetrieb, zumindest mit den noch nicht finalisierten Vorserienautos, macht sich logischerweise die grössere Masse des SUV gegenüber der Limousine bemerkbar. Trotzdem erkennt man auch im zukünftigen SUV-Flaggschiff das BMW-typische sportliche Handling – diesen Spagat haben die Ingenieure gemeistert. Dieses positive Feedback nimmt der Fahrwerksentwickler auf dem Beifahrersitz zwar erfreut entgegen, doch wie erfolgreich der riesige SUV in Europa sein wird, bleibt abzuwarten. Doch Sorgen braucht er sich keine zu machen: Die Kernmärkte liegen ohnehin in Übersee, und dort wird der neue X7 mit offenen Armen erwartet.

Dave Schneider fuhr den X7-Prototyp Anfang Mai auf Einladung der BMW Group in den USA. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.05.2018, 17:50 Uhr

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