Sexismus gehörte schon 2013 dazu

Die Schweizerische Lauterkeitskommission hat die Affoltemer Firma Agir bereits vor fünf Jahren wegen sexistischer Werbung gerügt.

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Ganz ahnungslos konnte sie nicht gewesen sein: die Bau- und Betonfirma aus Affoltern am Albis, die mit ihrem sexistischen Mitarbeiterheft und Werbung weit unterhalb der Gürtellinie Schlagzeilen macht. Sie hatte bereits 2013 mit der Schweizerischen Lauterkeitskommission (SLK) zu tun.

Eine Leserin legte damals Beschwerde gegen ein Inserat der Agir AG im Anzeiger von Affoltern ein. Der Slogan auf dem Inserat: «Passendes Personal auf Wunsch inklusive». Dazu abgebildet: ein nur mit BH, Hotpants, High Heels und Bauhelm bekleidetes weibliches Model vor Beton und Kies.

Firma wurde verwarnt

«Unlautere Werbung», entschied die SLK damals. Das Model würde explizit als Blickfang in rein dekoraktiver Funktion dargestellt. Dies, ohne dass es einen natürlichen Zusammenhang zwischen ihr und den angebotenen Bauwaren gab. «Die Abbildung dient in reiner Form dem Erheischen von Aufmerksamkeit», steht im Entscheid von 2013, welcher Agir empfahl, auf diese Art der kommerziellen Kommunikation zu verzichten.

Die Firma zog das Inserat daraufhin zurück. Verstanden hat sie die Rüge offensichtlich nicht. Die bis heute veröffentlichten und breit gestreuten Mitarbeitermagazine sprechen dieselbe Sprache. Auf der Ausgabe vom Dezember 2017 sind beispielsweise auf dem Cover ein Frauenhintern und ein Parfümflacon zu sehen: «Streichelt mich. Das Flacon!», steht dazu. Auf der letzten Seite des Magazins erscheint jeweils die Rubrik «Edelweiss schlüpfrig» - eine Seite nur mit leicht bekleideten Frauen in sexuellen Posen.

Eine aktuelle Annonce der Firma wirbt mit einem muskulösen Arbeiter und dem Spruch: «Die mit dem Längsten.» Die kantonale Fachstelle für Gleichstellung vermutet eine sexistische Betriebskultur bei der Agir AG und sieht das Gleichstellungsgesetz verletzt. Die Firma selber liess zunächst verlauten, man sehe kein Problem.

Gestaltung «überdenken»

Am Montagabend schwenkte Mitinhaber Hans-Martin Meyer um: «Aufgrund der aktuellen Berichterstattung hat Agir beschlossen, die künftige Gestaltung ihrer Zeitschrift zu überdenken», schreibt er. Sollte die Agir AG gegen Rechte verstossen, werde man das korrigieren.

Die Firma profitiert von Aufträgen der öffentlichen Hand. Diese muss bei Vergaben darauf achten, dass die Profiteure das Gleichstellungsgesetz einhalten. Gemäss dem Sprecher der Baudirektion sind Abklärungen im Gang.

Die Entscheide der SLK sind nicht juristisch bindend, werden von der Branche aber breit akzeptiert. Sie fussen auf dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb. In ihren Grundsätzen hält die SLK fest, dass auch geschlechterdiskriminierende Werbung unlauter sei. Solche liegt unter anderem vor, wenn Männern oder Frauen stereotype Eigenschaften zugeschrieben werden oder unangemessene Darstellung von Sexualität gezeigt wird. Erst Ende letztes Jahr hiess die SLK eine Beschwerde gegen eine Gerätebenzin-Werbung gut, auf der auf einem Benzinfass eine Frau in Hotpants und gespreizten Beinen zu sehen war. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.07.2018, 12:31 Uhr

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