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Kossmann krempelt wieder die Ärmel hoch

Der neue SCB-Trainer weiss, wie man als Nothelfer den Titel gewinnt. Dabei hilft dem 57-Jährigen, dass er gelassener geworden ist.

Hans Kossmann trainiert neu den die Berner. Er amtete bereits von 2009 bis 2011 als SCB-Assistent.
Hans Kossmann trainiert neu den die Berner. Er amtete bereits von 2009 bis 2011 als SCB-Assistent.
Armin Weigel/dpa
Kossmann hat in der Schweiz schon einige andere Trainerstationen hinter sich: In der National League stand er schon bei Servette, Fribourg, Ambri und den ZSC Lions an der Bande. Mit den Zürchern feierte 2018 den Meistertitel.
Kossmann hat in der Schweiz schon einige andere Trainerstationen hinter sich: In der National League stand er schon bei Servette, Fribourg, Ambri und den ZSC Lions an der Bande. Mit den Zürchern feierte 2018 den Meistertitel.
Christian Merz, Keystone
Mit Leuenberger als Trainer wurde Bern 2016 Meister.
Mit Leuenberger als Trainer wurde Bern 2016 Meister.
Urs Lindt/freshfocus
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Die Freistellung Kari Jalonens beim SC Bern zeigt, wie wenig im Schweizer Eishockey die Meriten von gestern zählen. Der Finne führte den SCB dreimal in Serie auf Rang 1 sowie 2017 und 2019 zum Meistertitel. Noch im vergangenen Oktober wurde sein Vertrag bis 2021 verlängert. Die Berner lagen da zwar unter dem Strich, aber man hatte beim Meister die Hoffnung, dass die Wende schon irgendwie gelingen würde.

Doch der sportliche Kriechgang setzte sich fort, auch die starken Leistungen des Ende November 2019 verpflichteten finnischen Goalies Tomi Karhunen konnten das nicht ändern. «Kari kann das Playoff managen, er kann Meister werden, aber er kann nicht unbedingt mit einer Krise umgehen», sagt Marc Lüthi, der starke Mann in der Postfinance-Arena.

Der SCB verlor am Wochenende beide Spiele. (Bild: Keystone)
Der SCB verlor am Wochenende beide Spiele. (Bild: Keystone)

Nun stellt der SCB mit Hans Kossmann (Headcoach) und Lars Leuenberger (Assistenzcoach) alte Bekannte an die Bande. Beide sind mit dem SCB schon Meister geworden. Leuenberger, zuletzt innerhalb des Vereins für die Sportstrategie zuständig, führte die Mutzen 2016 zum Titel, nachdem er Guy Boucher abgelöst und mit dem Team in extremis das Playoff erreicht hatte.

Kossmann war beim SCB-Meisterteam von 2010 Assistent des kanadischen Headcoachs Larry Huras. «So kurzfristig hat man nicht x Trainer zur Auswahl, die sich eignen. Für Hans spricht, dass er das Schweizer Eishockey kennt und schon weiss, wie es in Bern läuft», begründet SCB-Sportchef Alex Chatelain die Wahl Kossmanns.

Meisterprüfung in Zürich

Seine wahre Meisterprüfung absolvierte der Kanada-Schweizer aber 2018 bei den ZSC Lions, die er als Nothelfer zum Titel führte. Er war in der Altjahreswoche kurzfristig für die entlassenen Schweden Hans Wallson und Lars Johansson eingesprungen. In Bern hat er allerdings einen Monat weniger Zeit, das Steuer herumzureissen.

Der 57-Jährige wusste schon bei seinem Amtsantritt bei den Zürchern, dass er nicht über jene Saison hinaus würde bleiben dürfen – Serge Aubin stand schon als Nachfolger fest. Entsprechend nahm Kossmann auch keine Rücksicht auf Empfindlichkeiten. So setzte er den nun beim SCB spielenden Stürmer Inti Pestoni ab dem Playoff-Halbfinal nicht mehr ein.

Beim SCB steht noch nicht fest, wer im nächsten Winter an der Bande stehen wird. «Bezüglich des Trainers für die nächste Saison ist alles offen. Wir wollten uns bewusst nicht binden. Höchste Priorität hat jetzt das Erreichen des Playoffs», erklärt Lüthi. Und der CEO erzählt, dass schon fünf Minuten nach der Bekanntgabe der Trennung von Jalonen die ersten Bewerbungen eingetroffen seien.

Legendäre Brandrede

Kossmann gilt als Coach alter Schule und als harter Hund. Legendär ist das vom Westschweizer Fernsehen gedrehte Video aus einer Pause im Playoff-Final 2013, als er die Gottéron-Akteure rund 30-mal mit dem englischen Kraftausdruck «fuck» eindeckte. Die Brandrede änderte nichts, der SCB holte den Titel – mit Antti Törmänen und Assistent Lars Leuenberger an der Bande. Kossmann ist aber mit den Jahren gelassener geworden und hat im persönlichen Umgang eine menschliche Art. Vergangene Saison sprang er bei den Grizzlys Wolfsburg als Feuerwehrmann ein, verpasste mit diesen aber das Playoff.

Mit seiner Frau hat er sich auf Vancouver Island in einem älteren Haus niedergelassen, das er umgebaut hat. Doch er betonte stets, dass er gerne nochmals ein Schweizer Team übernehmen würde. So auch im letzten Frühling, als noch nicht klar war, dass Rikard Grönborg bei den ZSC Lions anheuern würde. Nun ist sein Wunsch also doch noch in Erfüllung gegangen. Heute wird er in Bern erwartet.

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