Richtig abbiegen mit Breel Embolo

Basel ist überzeugt, mehr Qualität als Maccabi zu haben. Die Champions League kann trotzdem verpasst werden.

Schiesst er den FCB in die Gruppenphase der Champions League? Stürmer Breel Embolo. Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

Schiesst er den FCB in die Gruppenphase der Champions League? Stürmer Breel Embolo. Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

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Linksherum, rechtsherum. Am vergangenen Mittwoch hatte es keinen Unterschied gemacht, Breel Embolo schien an den Spielern von Maccabi Tel Aviv nur so vorbeizufliegen. Gestern, kurz vor sieben Uhr in der Früh, versuchte sich der 18-Jährige mit linksherum. Und das war eindeutig der falsche Entscheid auf dem Weg zum Flugzeug, das den FC Basel zum Rückspiel im Playoff zur Gruppenphase der Champions League bringen sollte.

Gut für die Basler, dass Embolo dann doch noch zum richtigen Gate abbog. Der FCB kann die Hilfe seines talentierten Stürmers gut gebrauchen, wenn es heute darum geht, ein 2:2 aus dem Heimspiel zu korrigieren. Embolo war beim ersten Treffen mit Maccabi bester Basler gewesen. Und wenn Urs Fischer meint, er sei «gespannt, wo ihn die Zukunft hinführen wird», dann ist das als grosses Lob zu verstehen. Selbst wenn der FCB-Trainer gleich nachschiebt: «Am Boden bleiben, der Burscht.»

Fischer selbst ist ja unter anderem wegen seiner Bodenständigkeit zum Cheftrainer des FCB ernannt worden. Aber jetzt möchten er mit den Baslern natürlich durchaus etwas abheben, hin zu den Sternen der Champions League. Obwohl das Erreichen der Gruppenphase mit den garantierten 14 Millionen Euro Startprämien für den Club aus finanzieller Sicht «derzeit nicht existenziell ist», wie Sportdirektor Georg Heitz mit Blick auf die finanziellen Reserven feststellt, die sich die Basler in den letzten drei Jahren erarbeitet haben.

Das Gegentor zum 2:2 in der 96. Minute durch Eran Zahavi, den Alleinunterhalter im Maccabi-Angriffsspiel, hat die Basler nicht aus der Bahn geworfen. Behaupten sie zumindest. «Das Resultat hat geschmerzt», gibt Fischer zwar zu. Aber die Zuversicht ist der Basler Reisegruppe deutlich anzumerken. Kein Spieler, kein Mitglied des Vorstands vergisst den Hinweis darauf, wie sehr der FCB seinem Gegner in der ersten Begegnung überlegen gewesen sei. «Dieses Spiel hätte auch deutlich zu unseren Gunsten ausgehen können», befindet Sportdirektor Heitz im Rückblick. Und sein Trainer Fischer meint: «Wir haben die Gewissheit, dass wir ein gutes Spiel gezeigt haben. Das gibt uns Selbstvertrauen.»

Ein erster echter Härtetest

Das klingt gut. Trotzdem wird das Spiel in doppelt hitziger Atmosphäre (in Tel Aviv herrschen über 34 Grad) der erste echte Härtetest für diesen neuen FCB. Für eine Mannschaft, von der Heitz sagt, sie sei so zusammengestellt, «dass sie in der Gruppenphase der Champions League bestehen könnte».

In der Super League lässt dieses Team bereits die Befürchtung einer totalen Basler Dominanz aufkommen. Doch nun geht es für den Club im erst zehnten Pflichtspiel der Saison bereits darum, eines seiner Saisonziele zu erreichen. Da ist der Druck ungleich höher als in einem Ligaspiel gegen Thun oder Lugano.

Entsprechend hoch ist die Aussagekraft, die das Spiel in Tel Aviv haben kann. Darüber, welche Qualitäten die Neuzugänge in entscheidenden Spielen besitzen. Und auch darüber, wie sich Trainer ­Fischer in einem Umfeld zurechtfindet, in dem ein Spiel über Einnahmen in zweistelliger Millionenhöhe entscheidet. Und in dem seine Spieler angesichts des grossen Ziels vor Augen ebenso übermotiviert wie blockiert sein könnten.

Er habe vor dem Abflug beim Händedruck auf dem Flughafen die Bereitschaft seiner Spieler gespürt, die Herausforderung anzunehmen, sagt ­Fischer. Auf Captain Matias Delgado (Rippenprellung) und Stürmer Mark Janko (Zerrung) muss er in Tel Aviv verzichten. Auch ohne sie erwartet der FCB-Trainer eine clever agierende Mannschaft: «Abwarten liegt uns nicht. Aber auf Teufel komm raus angreifen, das darf es dann schon auch nicht sein.»

Auf Rang 16 der Clubrangliste des ­europäischen Fussballverbandes Uefa liegt der FCB derzeit, vor Clubs wie Manchester United oder City. Dass er trotzdem die Champions League verpassen könnte, weil er die Qualifikation zu bestreiten hat, muss der FCB hinnehmen. Das Problem der Basler: Ausser ihnen selbst sammelt kein anderer Schweizer Club auf europäischer Ebene regelmässig Punkte für die Länderrangliste, die bestimmt, ob ein Meister direkt in die Champions League kommt. Sie seien halt auf die anderen Schweizer Vereine angewiesen, sagt Heitz. Und gibt zu: «Manchmal kann das frustrierend sein.»

Nun, an diesem Dienstagabend in Tel Aviv, da sind die Basler ganz allein ­ihres Glückes Schmied.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.08.2015, 19:48 Uhr

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