Niemand wird gezwungen, Model zu werden

Heidi Klum sucht wieder Topmodel-Kandidatinnen, und die Kritikerinnen sind wieder in Rage. Das ist lächerlich.

Heidi Klum sucht wieder ein neues Topmodel.

Heidi Klum sucht wieder ein neues Topmodel. Bild: Keystone

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Gleichgültiger als auch schon nehmen wir zur Kenntnis, dass «Germanys Next Topmodel» in die nächste Runde geht. Die Sendung gibt es schon so lange, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis die ersten Kandidatinnen über den Laufsteg stöckeln, für die es eine Zeit ohne GNTM gar nie gegeben hat.

Für die 13. Ausgabe, die ab Februar ausgestrahlt wird – die heisse Endphase der Modelshow läuft unpraktischerweise genau dann, wenn die Schweizer Eishockey-Playoffs stattfinden, was in manchen Haushalten zu Machtkämpfen um die Fernbedienung führt, aber das spielt jetzt an dieser Stelle keine Rolle –, also für diese kommende Staffel sucht Heidi Klum nun schon seit ein paar Wochen neue junge bildschöne «Meeedchen». Heidi Klum und Michael Michalsky haben persönlich dazu aufgerufen:

Via Instragram kann man sich also unter dem Hashtag #IchbinGntm2018 bewerben. Das haben schon einige gemacht. Zum Beispiel diese junge Frau hier:

Oder diese:

Nur starke Menschen bekommen schwere Wege ????????????

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Und diese beiden auch:

Läuft also eigentlich. Allerdings torpedieren nun zahlreiche GNTM-Hasser den Prozess und mischen sich unter die Bewerbungsfotos. Unter dem Hashtag #NotHeidisGirl halten sie – die meisten sind auch ohne den Hashtag als «nicht eines von Heidis potenziellen Girls» erkennbar – Protestplakate in die Höhe, mit denen sie ihren Unmut über die Sendung kundtun. Das kennen wir ja, seitdem es die Modelsendung gibt. In den ersten Jahren hagelte es Proteste, weil die jungen Frauen zu dünn waren. Dann folgte der Sexismusvorwurf, weil die Mädchen zu nackt waren. Oder beides zusammen.

Weil neuerdings ja Feminismus in ist und Bodyshaming auch, finden sich bei den Hashtags viele entsprechende Botschaften. Zum Beispiel diese hier:

Oder diese:

Unterstützer*in ???? @filmsandknits #ichbingntm2018 #iamnot #iamnotgntm2018 #notheidisgirl #notmycompetition #sisterhood #everydaybeautiful #grlpwr #feminismusfotzt #vulvarines #iamnothereforyourentertainment #supportyourlocalgirlgang #girlgang #smashingpatriarchyismycardio #instagood #selfietime #happyme #follow 1. Mache ein Foto ein Foto von dir,auf dem du ganz du selbst bist. Auf dem Foto hältst du ein Blatt Papier in der Hand, auf dem steht "#notheidisgirl,weil..." und kurz zusammengefasst, warum du nicht Heidis Mädchen sein willst und das Format Germanys next Topmodel ablehnst. 2. Poste das Foto auf Instagramm, Facebook und/Oder Twitter mit den Hashtags, die wir oben verwendet haben. Welche Hashtags du verwendest,bleibt dir überlassen. Wichtig ist, dass du das Bild auf jeden Fall unter dem Hashtag #ichbingntm2018 postest, damit es unter den üblichen Bildern zur Qualifikation "Heidis Mädchen" zu werden auftaucht und ein Zeichen setzt. 3. Nominiere in deinem Post 5 weitere Personen (alle Geschlechter), die sich innerhalb einer Woche der Kampagne anschliessen und wie du ein Bild posten. WICHTIG: Jeder Post,der darauf aufmerksam macht, dass es nicht ok ist,welche utopischen Schönheitsideale Germanys Nextel Topmodel vertritt und wie es Menschen jeglichen Geschlechts unter Druck setzt, setzt ein Zeichen und ist deshalb wertvoll! Je mehr wir sind, desto stärker die Botschaft!

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Manchmal auch von Männern:

Attraktiv zu posieren, schadet aber dabei nicht, wer weiss, vielleicht wird man ja entdeckt und schafft es ja doch noch in die Sendung:

Unterstützer*in und Vulvarine ???? @a.noush.ka #ichbingntm2018 #iamnot #iamnotgntm2018 #notheidisgirl #notmycompetition #sisterhood #everydaybeautiful #grlpwr #feminismusfotzt #vulvarines #iamnothereforyourentertainment #supportyourlocalgirlgang #girlgang #smashingpatriarchyismycardio #instagood #selfietime #happyme #follow 1. Mache ein Foto ein Foto von dir,auf dem du ganz du selbst bist. Auf dem Foto hältst du ein Blatt Papier in der Hand, auf dem steht "#notheidisgirl,weil..." und kurz zusammengefasst, warum du nicht Heidis Mädchen sein willst und das Format Germanys next Topmodel ablehnst. 2. Poste das Foto auf Instagramm, Facebook und/Odette Twitter mit den Hashtags, die wir oben verwendet haben. Welche Hashtags du verwendest,bleibt dir überlassen. Wichtig ist, dass du das Bild auf jeden Fall unter dem Hashtag #ichbingntm2018 postest, damit es unter den üblichen Bildern zur Qualifikation "Heidis Mädchen" zu werden auftaucht und ein Zeichen setzt. 3. Nominiere in deinem Post 5 weitere Personen (alle Geschlechter), die sich innerhalb einer Woche der Kampagne anschliessen und wie du ein Bild posten. WICHTIG: Jeder Post,der darauf aufmerksam macht, dass es nicht ok ist,welche utopischen Schönheitsideale Germanys Nextel Topmodel vertritt und wie es Menschen jeglichen Geschlechts unter Druck setzt, setzt ein Zeichen und ist deshalb wertvoll! Je mehr wir sind, desto stärker die Botschaft!

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Man kann «Germany's Next Topmodel» für langweilig halten. Okay. Aber noch dröger ist dieser Protest alle Jahre wieder. Die aktuelle Aufregung via Instagram-Inszenierung wirkt besonders scheinheilig. Die meisten plappern einfach nach, was gerade Mode ist (und die vergangenen Jahre sassen dieselben jungen Frauen vor dem Fernseher und wollten auch so sein wie eine der Modelanwärterinnen).

Sie schreien «Feminismus!» und sind ganz in Rage – wie so oft, wenn es um den weiblichen Körper geht. Eigentlich vor allem beim weiblichen Körper, als ob es beim Feminismus einzig und allein darum ginge. Viele sind völlig darauf fixiert. Wenn Frauen aber unterdrückt werden oder belästigt oder unsichtbar gemacht werden, sind dieselben Protestierenden deutlich entspannter. Oder still.

Pseudofeministinnen mit nur einer Mission

GNTM ist also ein zuverlässiges rotes Tuch. Aber beim Modeln geht es nun mal um Schönheit und um die richtigen Körpermasse. Daran ist nicht Heidi Klum schuld. Auch nicht daran, dass gutes Aussehen auch im Alltag in den allermeisten Fällen kein Nachteil ist. Warum regt man sich denn so darüber auf? Niemand wird gezwungen, in der Sendung mitzumachen. Niemand wird gezwungen, Model zu werden. Wer es trotzdem tut, darf das. Denn auch das hat mit Selbstbestimmung zu tun. Daran sollten sich ja gerade Feministinnen nicht stören.

Vorgeführt werden Menschen in anderen Sendungen noch weitaus mehr als bei GNTM. Täglich auf mehreren Sendern, von morgens bis abends. Und das sind keine naiven Mädchen, sondern Erwachsene. Man wird auch nicht einfach so magersüchtig, weil man die Sendung schaut. Genauso wenig wie man Feministin wird, nur weil man seinen Nicht-Model-Körper protestierend auf Instagram zeigt.

Erstellt: 06.10.2017, 17:30 Uhr

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