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Österreichische Kampfansage im Schweizer Möbelmarkt

Der Möbelhändler XXXLutz hat seine erste Schweizer Filiale eröffnet. An der Spitze? Der Ex-Chef von Möbel Pfister.

Das Bett ist gemacht, die Kissenschlacht kann beginnen: Einblick ins neue Möbelhaus in Rothrist. Foto: Alex Colle
Das Bett ist gemacht, die Kissenschlacht kann beginnen: Einblick ins neue Möbelhaus in Rothrist. Foto: Alex Colle

Es ist 9.30 Uhr, und der Parkplatz vor dem neuen Einrichtungshaus gleich neben dem Möbel Hubacher in Rothrist AG ist bereits voll. Am Eingang stehen die Leute Schlange. Sie sind aus der ganzen Schweiz gekommen, selbst Autos mit Tessiner und Walliser Nummernschildern sind auszumachen. Sie alle wollen zu den ersten 200 Kunden gehören, um von 50 Prozent auf alles zu profitieren, was in die XXXL-Tasche passt. Die nächsten 200 bekommen immerhin noch 20 Prozent. Als die Tür um 10 Uhr aufgeht, geben sich die Kunden ganz gesittet. Langsam betreten sie die Filiale und schnappen sich eine Tragtasche.

Dann spurten doch noch einige drauflos und verschwinden im 15'000 Quadratmeter grossen, vierstöckigen Möbelhaus. Im Erdgeschoss locken die Dekoartikel, in den oberen Stockwerken stehen die eigentlichen Möbel wie Betten, Schreibtische und Sofa-Landschaften. Auch ganze Küchen und Badezimmer sind erhältlich. Schon jetzt steht fest: Der Preiskampf im Möbelmarkt wird sich mit diesem Markteintritt weiter verschärfen.

Geschickter Schachzug bei der Personalwahl

XXXLutz ist nach Ikea der zweitgrösste europäische Möbelhändler. TopTip, Micasa, Möbel Hubacher und Pfister versuchen immer wieder, mit Rabatten bis zu 30 Prozent Kunden anzulocken. Laut Branchenkennern sind die Margen in den vergangenen sieben Jahren um ein knappes Drittel gesunken. «Dieser Markteintritt ist für den Schweizer Möbelmarkt spannend. XXXLutz wird die Konkurrenz herausfordern», sagt Thomas Hochreutener, Direktor Handel beim Marktforschungsinstitut GFK Switzerland. XXXLutz sei in Deutschland und Österreich bereits erfolgreich und sehr preisaggressiv.

Ein guter Schachzug dürfte auch die Personalwahl gewesen sein. Mit dem ehemaligen Chef von Pfister, Meinrad Fleischmann, besetzt ein profunder Kenner des Schweizer Möbelmarkts den Co-Chefposten. Er teilt diesen mit Christian Kobler. Fleischmann sagt: «Wir wollen den Markt mit attraktiven Preisen aufmischen.» Man gebe den Schweizer Kunden die Waren zu denselben Preisen wie in Österreich. Möglich sei dies, weil man dank der Grösse tiefere Preise aushandeln konnte. Fleischmann betont: «Wir machen uns keine Gedanken, welche Möbelhändler unter uns leiden werden.»

«Wir wollen in der Schweiz flächendeckend präsent sein.»

Meinrad Fleischmann. Co-Chef XXXLutz

Der österreichische Möbelhändler XXXLutz hat vor allem das mittlere Preissegment im Visier: Aktiv sind in diesem Bereich zum Beispiel Ikea und Micasa. Worin unterscheidet sich XXXLutz von der Konkurrenz? Fleischmann: «Wir bieten Kleinküchen mit den Geräten ab 1500 Franken und auch günstige Badezimmer an, inklusive Planung und Installation.» Das Sortiment sei breit. Man habe Möbel im Bereich der Ikea-Preise und steigere sich bis ins Premiummöbelsegment. Ein komplettes Boxspringbett gebe es für 500 Franken, das teuerste koste rund 10'000 Franken. «Interessant ist für uns die Schweizer Kaufkraft», sagt Fleischmann.

Die Möbelunternehmen stehen wie andere Detailhändler vor der Herausforderung der Digitalisierung. Fleischmann will nicht genau sagen, wo man im Onlinegeschäft genau steht. Man sei erst im Jahr 2014 in diesen Bereich eingestiegen, erziele aber bereits beträchtliche Umsatzanteile. Dank der Filiale in Rothrist lässt sich von Anfang an die ganze Schweiz beliefern.

Umsatz von rund 4,2 Milliarden Euro

Auch am Mittag ist der Parkplatz des neuen Möbelhauses immer noch voll belegt. Sowohl beim Hinein- wie auch beim Herausfahren stauen sich die Fahrzeuge. An den Kassen legen die Kunden die Waren auf das Förderband. Die Kassiererinnen arbeiten speditiv. Die grossen XXXLutz-Säcke platzen fast aus allen Nähten. Sie sind vollgestopft mit Teppichen, Kissen, Tellern, Decken, Spielzeug und Kerzenständern. Die Löcher stopfen die Schnäppchenjäger kurzerhand mit Servietten.

Die Österreicher planen Grosses: «Wir wollen in der Schweiz flächendeckend präsent sein», sagt Meinrad Fleischmann. Als Nächstes werde man die Grossräume Bern und Zürich ins Visier nehmen.

Erfolg durch Expansion: Die XXXLutz-Gruppe ist mit über 260 Einrichtungshäusern in elf Ländern einer der grössten Möbelhändler der Welt. (Bild: zvg)
Erfolg durch Expansion: Die XXXLutz-Gruppe ist mit über 260 Einrichtungshäusern in elf Ländern einer der grössten Möbelhändler der Welt. (Bild: zvg)

Gegründet wurde das Unternehmen XXXLutz 1945 von der Österreicherin Gertrude Seifert, geborene Lutz. Das Motto lautete schon damals: Erfolg durch Expansion. Heute ist die XXXLutz-Gruppe mit über 260 Einrichtungshäusern in elf Ländern einer der grössten Möbelhändler der Welt. Der Familien­betrieb beschäftigt über 22'000 Mitarbeitende und erwirtschaftete allein im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 4,2 Milliarden Euro.

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