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Überraschender Wechsel: Sika-Chef geht zu LafargeHolcim

Mitten im Abwehrkampf gegen Saint-Gobain geht Sika-Boss Jan Jenisch.

Jan Jenisch wechselt von Sika zu LafargeHolcim. Foto: Arnd Wiegmann (Reuters)
Jan Jenisch wechselt von Sika zu LafargeHolcim. Foto: Arnd Wiegmann (Reuters)

Bei den Konzernleitungen von Sika und LafargeHolcim kommt es zu einem Wechsel. Heute soll bekannt werden: Jan Jenisch, bisher Chef von Sika, wechselt zur viel grösseren LafargeHolcim und wird dort Konzernchef. Der Wechsel kommt überraschend. Denn bei Sika, die seit über zwei Jahren im Abwehrkampf gegen die französische Saint-Gobain steht, haben sich der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung sehr eng zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammengeschlossen. Der Verwaltungsrat hielt Jenisch und seinen Kollegen von der Konzernleitung stets den Rücken frei. Das Management, das sich geschlossen gegen die Übernahme durch Saint-Gobain stellte, konnte sich voll dem operativen Geschäft widmen. Mit Erfolg: Seit das Unternehmen in den Abwehrkampf und damit auch in den Kampf gegen die Sika-Besitzerfamilie Burkard verwickelt ist, reihen Jenisch und seine Crew im operativen Geschäft Rekord an Rekord. Der Sika-Aktienkurs legte in den letzten zwei Jahren um rund 75 Prozent zu.

Jenisch, der letztes Jahr 50 wurde, gilt als Vater des Erfolgs. Er hat die Strategie des Unternehmens seit seinem Amtsantritt als CEO 2012 festgelegt und konsequent durchgezogen. Die Strategie sieht vor, das Wachstum in den aufstrebenden Märkten zu forcieren, organisch wie auch akquisitorisch.

Praktisch über Nacht den Chef verloren: Sika-Sitz in Zürich.
Praktisch über Nacht den Chef verloren: Sika-Sitz in Zürich.

Das passt auch zu seiner neuen Aufgabe. Der aus Deutschland stammende Jenisch wird es als Konzernchef des weltgrössten Baustoffherstellers LafargeHolcim nicht einfach haben. Sein Vorgänger Eric Olsen wird wegen Schutz- und Lösegeldzahlungen an islamistische Rebellen in Syrien auf Mitte Jahr zurücktreten. Es ist aber ein offenes Geheimnis, dass der selbstbewusste Verwaltungsratspräsident von LafargeHolcim, Beat Hess, mit Olsen seit längerem nicht zufrieden war. Hess ging die Integration von Lafarge und Holcim zu langsam voran. Vor allem monierte er im kleinen Kreis immer wieder, dass die erhofften Einsparungen durch Synergien viel zu gering ausfielen. Die Aktionäre sahen das ähnlich. Der Kurs brach seit der Bekanntgabe der Fusion von Holcim und Lafarge ein.

Zukunft von Sika offen

Olsen wurde zudem vorgeworfen, er habe die Zahlen mit kurzfristigen Sparübungen aufgehübscht, Umsatz gebolzt, um gut dazustehen. Zudem sei er zu zentralistisch vorgegangen, habe sich ständig in Belange von Ländergesellschaften eingemischt, statt sich nach der Fusion von Lafarge und Holcim um die Bereinigung von Doppelspurigkeiten zu kümmern. Letztlich sei Olsen über einen Richtungsstreit im obersten Kontrollgremium gestolpert. «Im Verwaltungsrat gibt es völlig unterschiedliche Meinungen zu LafargeHolcim», sagte ein Insider kürzlich gegenüber der «SonntagsZeitung». Die einen scharten sich um den ägyptischen Grossaktionär Nassef Sawiris, den Bruder des Andermatt-Investors Samih Sawiris. Er will, dass LafargeHolcim möglichst schnell steigende Umsätze und Gewinne vorweist. Den Kern der zweiten Fraktion bilden Verwaltungsratspräsident Hess und der grösste Aktionär, Thomas Schmidheiny. Sie wollen eine langfristige Strategie sehen, die ihnen Jenisch, ähnlich wie bei Sika, liefern soll.

Bei Sika rückt Paul Schuler als neuer Konzernchef nach. Schuler arbeitet seit 29 Jahren für Sika. Seit 2007 ist er Mitglied der Konzernleitung. Von 2007 bis 2012 war er Regionalleiter für Nordamerika. Seit 2013 ist Schuler für Europa, Naher Osten und Asien zuständig.

Wie es bei Sika weitergeht, wird sich zeigen. Letztlich wird wohl das Bundesgericht entscheiden müssen, ob der umstrittene Verkauf der Stimmenmehrheit der Familie Burkard an Saint-Gobain rechtmässig war. Allgemein wird davon ausgegangen, dass dem so ist. In diesem Fall hätte Jenisch sicher gehen müssen. Aber selbst im Falle eines Sieges vor Gericht hätte er wohl damit rechnen müssen, seinen Job zu verlieren. Denn in diesem Fall bleibt die Stimmenmehrheit bei den Burkards, mit denen er sich überworfen hat.

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