Hat er, oder hat er nicht?

Nach Meryl Streeps flammender Rede gegen Donald Trump wird in den sozialen Medien diskutiert, ob er sich wirklich über einen Journalisten lustig gemacht hatte.

Fuchtelte mit den Armen herum und machte Faxen: Wie Trump den behinderten Reporter nachahmte. (Video: Tamedia)

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Die Auszeichnung für ihr Lebenswerk liess Meryl Streep zur Randnotiz verkommen. Anstatt des üblichen Dankeschöns an Freunde und Familie wurde sie gleich politisch: «Wir alle in diesem Raum gehören zu den derzeit am meisten diffamierten Gruppen der amerikanischen Gesellschaft. Think about it: Hollywood, Ausländer und die Presse.»

Mit Blick auf ihre Hollywoodkollegen sagte Streep, es habe im vergangenen Jahr manch wunderbaren Film gegeben. Doch ein spezieller Auftritt habe sie sprachlos gemacht: die Wahlkampfrede, in der Donald Trump die Bewegungen eines körperlich beeinträchtigten Reporters der «New York Times» nachgeäfft habe. Dieses Verhalten habe ihr «das Herz gebrochen», sagte Streep, ohne Trump namentlich zu erwähnen.

Trump, der am 20. Januar Barack Obama im Weissen Haus ablösen wird, wies Streeps Kritik zurück. In einer Serie von Kommentaren auf Twitter erklärte der Republikaner, er habe «so etwas nicht gemacht». Vielmehr habe er einen Reporter infrage gestellt, der nervös geworden sei, weil er seine Story geändert habe, erklärte Trump. Zudem griff er Streep persönlich an und nannte sie eine der «überbewertetsten» Schauspielerinnen in Hollywood» und eine «Gehilfin von Hillary».

Der betroffene Reporter, Serge Kovaleski, leidet unter einer angeborenen Gelenksteife, die seine Bewegungen einschränkt und dazu führt, dass seine rechte Hand stark angewinkelt ist. Dies bedeutet allerdings keinerlei Auswirkungen auf seine Art zu reden, wie in einem Beitrag zu sehen ist. In einer Wahlkampfrede im November 2015 hatte Trump auf eine Aussage von Kovaleski verwiesen und mit schriller Stimme gesagt: «Ihr solltet diesen Typen sehen» und dabei wild mit den Händen gefuchtelt.

Unterstützer von Trump haben nun Videos gepostet, in denen Trump in Wahlkampfreden ähnlich wie in der oben beschriebenen Szene mit den Händen fuchtelt und Gegner nachäfft, darunter sein ehemaliger republikanischer Konkurrent Ted Cruz. Sie sollen beweisen, dass Trump sich nicht über den Reporter lustig machen wollte. Auf dem Twitterprofil der Sendung «Fox & Friends» des konservativen US-Nachrichtensenders Fox News Channel wurden etwa folgende Videoausschnitte gepostet – die letzte Szene ist jene im November 2015, in der Trump auf eine Aussage des Reporters anspielt.

Trump besteht darauf, dass er nicht habe wissen können, dass der Reporter an einer körperlichen Behinderung leide, weil er ihn nicht kenne. Kovaleski sagt jedoch, sie hätten sich in den späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahren kennen gelernt, als er als Reporter für die «New York Daily News» regelmässig über Trump geschrieben habe.

Das US-Portal Politifact kommt in einem Faktencheck zum Schluss, dass Trump den Reporter verspottet habe, unabhängig davon, ob sich dies auf dessen körperliche Beeinträchtigung bezogen habe.

Erstellt: 09.01.2017, 16:06 Uhr

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