Harmloser Sturz ins Unglück

Mit der Österreicherin Anna Fenninger verpasst die derzeit beste Skifahrerin die Saison, die am Samstag in Sölden beginnt.

Nach der Knieverletzung kann Anna Fenninger frühestens in neun Monaten auf die Skipiste zurückkehren. Foto: Keystone

Nach der Knieverletzung kann Anna Fenninger frühestens in neun Monaten auf die Skipiste zurückkehren. Foto: Keystone

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Das Verletzungspech hat auch die Ski­nation Österreich erreicht. Und traf ihre Vorzeigeathletin. Als Anna Fenninger gestern in Sölden für den ersten ­Riesenslalom der Saison vom Samstag trainierte und darauf hinarbeitete, den Sieg aus dem Vorjahr zu wiederholen, ihr dann der Skischuh wegrutschte, der Ski griff und sie stürzte, beunruhigte das die Betreuer nicht weiter.

«Nicht spektakulär» sei der Zwischenfall gewesen, sagte Cheftrainer Jürgen Kriechbaum. «Keine aussergewöhnliche Geschichte», meinte Meinhard Tatschl, Fenningers langjähriger Trainer. Aber eine mit schwerwiegenden Folgen.

Die 26-Jährige wurde mit dem Heli­kopter ins Spital geflogen. Die Diagnose: Risse des vorderen Kreuzbandes, des ­inneren Seitenbandes und der Patellasehne im rechten Knie. Die Gesamtweltcupsiegerin der vergangenen zwei Jahre wird in dieser Saison kein Rennen ­bestreiten.

«Ein Schock fürs ganze Team»

Bereits während der Vorbereitung hatte Fenninger, die bislang von schweren Verletzungen verschont geblieben war, Schmerzen im Knie verspürt – allerdings im linken. Wegen Problemen mit der ­Patellasehne pausierte sie zwei Wochen und kehrte erst in der vergangenen Woche auf die Piste zurück. Diese war beim Training auf dem Rettenbachferner im Übrigen hervorragend präpariert, wie es vom Verband hiess, die Sicht gut und der Sturz daher nur eines: unglücklich.

Noch gestern wurde die Salzburgerin in der Privatklinik Hochrum nahe Innsbruck operiert. «Sie war bis zu einem gewissen Grad geschockt und enttäuscht», sagte Christian Hoser, der behandelnde Arzt des Österreichischen Skiverbandes. Er machte der Super-G-Olympiasiegerin von Sotschi aber Mut – oder zumindest so ­etwas wie Mut, als er sagte: «Es ist eine sehr schwere, aber nicht die schwerste vorstellbare Verletzung beim Skifahren. Es ist eine, die schaffbar ist, und es besteht die Hoffnung und realistische Chance, dass sie zum Skifahren zurückkehren kann.» Das wird selbst bei optimalem Heilungsverlauf allerdings erst in neun Monaten der Fall sein – wenn der Winter längst vorbei ist.

Auch Lara Gut, die damit zwar zum einen eine Konkurrentin weniger hat in dieser Saison, zum anderen aber auch auf eine gute Freundin verzichten muss, meldete sich zu Wort. Über Twitter schrieb die Tessinerin: «Das Leben ist nicht immer schön. Ich vermisse dich bereits.»

Und Trainer Tatschl sprach von ­einem «Schock für das ganze Team, wenn eine Kollegin mit dem Helikopter abtransportiert wird».

Es fehlen die Hälfte der Punkte

Gesamtsieg mit 1553 Punkten, zwei Disziplinensiege, 15 Podestplätze: Das war die Ausbeute von Fenninger alleine in der letzten Saison. Sie hat mehr als ein Viertel aller Punkte des österreichischen Frauenteams geholt. Mit Nicole Hosp (684 Punkte) und Kathrin Zettel (646) traten die zweit- und dritterfolgreichsten Athletinnen zudem zurück – mehr als die Hälfte steuerte dieses Trio zu den 5729 Punkten bei. Es ist ein heftiger Aderlass, den die Equipe hinter sich hat.

Kriechbaum, dem Cheftrainer, macht die jetzige Situation aber nicht etwa Sorgen. Vielmehr findet er sie «sehr spannend». Als Trainer sei es «eine der reizvollsten Aufgaben, ein neues, junges, schlagkräftiges Team aufzubauen, mit allen Vor- und Nachteilen», sagt Kriechbaum. Ein Grossteil der Schlagkraft hat das österreichische Team aber gestern verloren. Auf einen Schlag. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.10.2015, 23:53 Uhr

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