Grösse allein hilft den Autokonzernen nicht

Verzweifelt sucht Fiat Chrysler nach einem Partner. Aber Fusionen sind das falsche Konzept.

Wo VW vorne liegt, hinkt Fiat Chrysler hinten nach: Der Konzern hat nach Ansicht von Experten bis heute keine nennenswerte Elektrostrategie. Foto: Keystone

Wo VW vorne liegt, hinkt Fiat Chrysler hinten nach: Der Konzern hat nach Ansicht von Experten bis heute keine nennenswerte Elektrostrategie. Foto: Keystone

Der Dodge Ram 1500 ist eines der Autos, mit denen der amerikanisch-italienische Konzern Fiat Chrysler sein Geld verdient: 5,8 Meter lang und gut 2500 Kilo schwer. Sein 5,7-Liter-Motor leistet 401 PS und hat einen entsprechenden Durst. Mit 15 Litern auf 100 Kilometern sollte man rechnen. In den USA verkauft sich das Auto prima, vor allem dank einer Eigenschaft: Grösse.

Auf Grösse setzt Fiat Chrysler aber nicht nur bei seinen Autos für den US-Markt, sondern auch ganz allgemein. Noch immer sucht das Unternehmen nach einem Partner, um gemeinsam einen der weltgrössten Autokonzerne zu formen. Im Mai hatte Fiat Chrysler es beim französischen Hersteller Renault versucht, musste den Plan aber schon einen Monat später wieder aufgeben.

Jetzt, gerade einmal vier Monate später, folgt der nächste Versuch. Fiat Chrysler verhandelt mit dem französischen Peugeot-Mutterkonzern PSA, zu dem unter anderen Marken auch Opel gehört, über einen Zusammenschluss. Doch der Plan ist auch diesmal alles andere als überzeugend. Denn Grösse ist nicht alles.

Fiat Chrysler hinkt bei Elektrostrategie hinterher

Auf den ersten Blick mag das Vorhaben vielleicht sinnvoll erscheinen. Ein amerikanisch-italienisch-französischer Autogigant, der seine Entwicklungen gleich für mehrere Modelle und Marken nutzen kann, kann die Entwicklungskosten auf mehr Fahrzeuge umlegen. So wird jedes Auto ein bisschen günstiger und damit konkurrenzfähiger.

Das war schon das Mantra, das der inzwischen verstorbene Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne ausgab, als er 2015 eine legendäre Präsentation hielt. Titel: «Bekenntnisse eines Kapitalsüchtigen». Die industrielle Logik war nicht nur in den Augen Marchionnes bestechend.

Auf Grösse setzt Fiat Chrysler nicht nur bei seinen Autos, sondern auch ganz allgemein.

Doch Märkte haben sich seither verändert. Es geht nicht nur darum, wer der Grösste ist in der Welt der Autos. Es geht jetzt auch und vor allem darum, wer die überzeugendsten und schnellsten Lösungen liefert, um den Klimawandel zu bremsen, und die Wünsche junger Leute erfüllt, für die Autos kein Statussymbol mehr sind und die es nicht mehr besitzen wollen.

Fiat Chrysler ist bei den Themen Elektrifizierung und Mobilität noch weiter hintendran, als die deutschen Hersteller es lange waren. Der Konzern hat nach Ansicht von Experten bis heute keine nennenswerte Elektrostrategie. Durch eine Kooperation mit dem PSA-Konzern, der weiter ist, könnte man Know-how gewinnen. Doch das grosse Problem ist: Dafür bliebe bei so einem Zusammenschluss erst mal keine Zeit und Energie.

Klimawandel wird den Markt bestimmen

Eine Fusion, bei der französische, italienische, amerikanische und auch deutsche Interessen abgewogen werden müssen, ist eine gigantische Kraftanstrengung. Bevor auch nur ein gemeinsames E-Auto vom Band rollt, müssen etliche Entscheidungen getroffen werden: Welche Werke sollen bleiben, welche nicht? Wo bündelt man die zukunftsfähigen Bereiche? Wo produziert man die Autos, die bald vielleicht keiner mehr braucht? Und – auch das ist bei Fusionen immer ein Thema – wo fallen Arbeitsplätze weg?

Der geplante Zusammenschluss mit Renault scheiterte im Ansatz, vermutlich auch an solchen Fragen. Dass Fiat Chrysler trotzdem weitermacht mit der Partnersuche, zeugt nicht nur von Hartnäckigkeit, sondern auch von Verzweiflung.

Der PSA-Konzern sollte sich gut überlegen, ob er da mitmachen möchte. Zwar könnte Konzernchef Carlos Tavares sein Ziel, auf dem US-Markt stärker zu werden, gemeinsam mit Fiat Chrysler leichter erreichen. Doch in Sachen Elektroautos käme er so nicht viel weiter. Hier machen derzeit ausgerechnet der deutsche Volkswagen-Konzern und dessen Chef Herbert Diess vor, wie es gehen könnte. Diess hat die Zeichen der Zeit erkannt und setzt voll auf die Fortbewegung der Zukunft: das Elektroauto.

Das ist der bessere Weg, als sich mit Fusionen zu übernehmen, die mehr Probleme als Nutzen bringen können.

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