Gehirntraining mit Gashi

Vor dem Start des FC Basel in die Europa League bei Fiorentina gibt der Goalgetter wieder einmal Rätsel auf.

Er stellt seinen Trainer vor Probleme: Shkelzen Gashi (vorne) nach der Ankunft in Florenz.

Er stellt seinen Trainer vor Probleme: Shkelzen Gashi (vorne) nach der Ankunft in Florenz. Bild: Keystone

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Vielleicht muss man sich Shkelzen Gashi wie ein Teil eines dieser dreidimensionalen Puzzles vorstellen, mit denen angeblich das Gehirn trainiert wird. Man steckt die Stücke zusammen, die einen Quader ergeben sollen – und am Ende bleibt immer eines übrig, das nicht so richtig passen will. Seit er beim FC Basel ist, scheint sich Gashi ab und an nicht so richtig ins Gesamte zu fügen. Und doch ist – wie bei der Denkaufgabe – klar, dass er eigentlich irgendwie seinen Platz finden müsste, wenn die anderen Teile nur richtig verschoben werden.

Shkelzen Gashi ist also so etwas wie ein Gehirntraining für seine Coachs. Der 27-jährige Zürcher ist in den letzten zwei Saisons Torschützenkönig geworden, vergangene Spielzeit kam er auf einen Schnitt von 0,7 Toren pro Ligaspiel. Kann ein Trainer auf so einen Mann verzichten? Eigentlich nicht.

Trotzdem musste er vor einem Jahr drei Partien lang zuschauen, ehe er endlich zu seinem Debüt in der Champions League kam. Und es sieht derzeit danach aus, als ob er auch heute, zum Basler Start in die Europa League bei der AC Fiorentina, nicht von Anfang an auflaufen wür­­de. Zuletzt hat er gegen St. Gallen keine Sekunde gespielt.

Zwischen genügend und unsichtbar

Das Problem, vor das Gashi seine Coachs stellt: In ­jenen Minuten, in denen er nicht gerade ein Tor erzielt, und die sind selbst bei ihm in der Mehrheit, oszilliert sein Wert für das Mannschafts­spiel zwischen genügend und unsichtbar. Ja, wahrscheinlich ist es exakt diese Unsichtbarkeit, die aus ihm einen Goalgetter macht. Irgendwann vergessen ihn die Gegenspieler; dann schleicht er sich auf leisen Sohlen in den Strafraum und schlägt zu.

Was also tun mit so einem Mann? Der letztjährige FCB-Trainer Paulo Sousa, der heute ausgerechnet die Fiorentina trainiert, bastelte Gashi irgendwann eine Position im linken Mittelfeld. Abgesichert von einem Aussenverteidiger, der aller offensiver Aufgaben entbunden war, um ihm den Rücken freizuhalten. Offensiv mit der Erlaubnis, ins Zentrum zu ziehen, wann immer er Lust hatte. Und Gashi hat eigentlich immer Lust, in die Mitte zu gehen. Steht denn nicht ­genau dort das Tor?

Urs Fischer aber scheint (noch?) nicht bereit zu sein, die Marschroute für ­Gashi anzupassen. Unter dem neuen FCB-Trainer weichen die Zentrumsspieler samt Sturmspitze weniger auf die Seite aus als noch unter Sousa. Umso mehr fällt es auf, wenn Gashi in die Mitte drängt: Seine Seite bleibt dann schlicht unbesetzt. Und so sind es andere Flügelspieler, die dem Goalgetter derzeit den Rang abzulaufen scheinen. Rechts das hochtalentierte ­Eigengewächs Breel Embolo. Links der ­Isländer Birkir Bjarnason, den sich alle Linksverteidiger als Vordermann wünschen, weil er in der Abwehrarbeit so wunderbar zuverlässig mithilft. Während Gashi nicht immer, aber manchmal halt doch vergisst, den Rückwärtsgang ein­zuschalten. Und jetzt meldet sich auch noch der Holländer Jean-Paul Boëtius zum Dienst, der ebenfalls etwas besitzt, was Gashi abgeht: Geschwindigkeit.

Die Konkurrenz schläft nicht

Für Georg Heitz ist denn genau die vorhandene Qualität im Basler Kader der Hauptgrund, weswegen Gashi derzeit kein unbestrittener Stammspieler ist. Ein Problem mag der Sportdirektor in der Situation nicht erkennen. Der FCB habe schliesslich unter Fischer noch kein Spiel verloren: «Also kann er nicht so viel falsch gemacht haben.»

Shkelzen Gashi selbst weiss, wie er mit dieser Situation umzugehen hat. Auch unter Sousa stand er zu Saison­beginn kaum einmal länger als eine Stunde auf dem Feld, stets schien seine Nomination auf der Kippe. Er antwortete mit den besten Argumenten, die der Fussball kennt: mit Toren. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.09.2015, 01:19 Uhr

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