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Freysinger in Nöten

SVP-Staatsrat Oskar Freysinger steht vor der Abwahl aus der Walliser Regierung. Das beste Resultat im ersten Wahlgang erzielte sein grösster Widersacher Christophe Darbellay.

«Freysinger versuchte, das Wallis zu spalten»: Christophe Darbellay bei einer Pressekonferenz in Leukerbad. (6. Februar 2017)
«Freysinger versuchte, das Wallis zu spalten»: Christophe Darbellay bei einer Pressekonferenz in Leukerbad. (6. Februar 2017)
Olivier Maire, Keystone
Verlor gegenüber den letzten Regierungsratswahlen 2013 über die Hälfte der Stimmen: Der Walliser SVP-Regierungsrat Oskar Freysinger in Sitten. (5. März 2017)
Verlor gegenüber den letzten Regierungsratswahlen 2013 über die Hälfte der Stimmen: Der Walliser SVP-Regierungsrat Oskar Freysinger in Sitten. (5. März 2017)
Olivier Maire, Keystone
Auch die SP feiert Erfolge: Esther Waeber-Kalbermatten (34'120 Stimmen) und Stéphane Rossini (32'788 Stimmen) liegen beide vor Oskar Freysinger (30'857 Stimmen).
Auch die SP feiert Erfolge: Esther Waeber-Kalbermatten (34'120 Stimmen) und Stéphane Rossini (32'788 Stimmen) liegen beide vor Oskar Freysinger (30'857 Stimmen).
Jean-Christophe Bott, Keystone
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Als umjubelter Wahlsieger schritt Oskar Freysinger vor vier Jahren durch Sittens Gassen. Gestern verschanzte sich der SVP-Staatsrat in einer Ecke des Restaurants Croix fédérale und starrte auf sein Handy. Je mehr Resultate des ersten Wahlgangs der Staatsratswahlen eintrafen, desto düsterer wurde seine Miene. Früh am Nachmittag stand fest, dass er im Oberwallis innert vier Jahren rund 30 Prozent der Stimmen verloren hatte.

Bis zum Abend wurde seine Situation noch schlimmer. Freysingers Stimmenzahl im ganzen Kanton hatte sich fast halbiert. Selbst in seiner Heimatgemeinde Savièse reichte es nur zum vierten Platz. Wie im ganzen Kanton triumphierte auch in Savièse Ex-CVP-Präsident Christophe Darbellay. Und sogar SP-Kandidat Stéphane Rossini lag vor Freysinger.

«Das ist eine böse Überraschung»: Der bisherige SVP-Staatsrat Oskar Freysinger muss um seine Wiederwahl fürchten. (Video: Keystone)

In der Walliser Regierung sind fünf Sitze zu vergeben. Mit seinen total 30’857 Stimmen reichte es Freysinger kantonal lediglich auf Rang sechs. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre er also nicht einmal gewählt. Entscheiden wird allerdings der zweite Wahlgang, denn am Sonntag erreichte keiner der Kandidaten das absolute Mehr.

Trotzdem: Die Strategie sei gescheitert, mit einem rechtsbürgerlichen Bündnis die CVP anzugreifen, gab sich Freysinger am Abend kleinlaut. Den Schwachpunkt hatte er rasch ausgemacht: Nicolas Voide, den er als konservativen CVP-Vertreter nebst SVP-Frau Sigrid Fischer-Willa für sein Bündnis angeheuert hatte. Voide habe in seiner Partei zu wenig Rückhalt gehabt und dem Bündnis zu wenig Stimmen gebracht, so Freysinger. Von einer Sanktion für seine persönliche Bilanz als Staatsrat wollte er nichts wissen. «Ich habe mein Departement im Griff. Die Affären haben den Staat nichts gekostet», so Freysinger. Natürlich werde er zum zweiten Wahlgang antreten. Und wenn das Volk ihn nicht mehr wolle, dann gehe er eben in den Ruhestand. «Dann habe ich weniger Stress», so Freysinger.

«Wallis ist kein Trump-Land»

Während Freysinger lamentierte, war Christophe Darbellay die Erleichterung über seinen Sieg im ersten Wahlgang anzumerken. Nach Wochen der Anspannung und Ernsthaftigkeit wirkte er gelöst. Ein Lachen umspielte Darbellays Gesicht. Das Volk hatte ihm seinen Seitensprung, aus dem ein Kind hervorging, verziehen. Sein Resultat sei besser als erwartet. «Das Wallis ist kein Trump-Land», sagte er in die Kameras.

Der zweite Wahlgang vom 19. März verspricht Hochspannung. Die C-Parteien sind in einer komfortablen Situation. Sie vermochten ihre Wähler zu mobilisieren – und dürften dies auch im zweiten Wahlgang schaffen. Nationalrat Roberto Schmidt, Staatsratskandidat der Oberwalliser CSP, sagt: «Die SVP wollte eine rechts-links-Polarisierung provozieren. Das Volk hat gezeigt, dass es das nicht will.»

«Ich bin extrem zufrieden»: CVP-Kandidat Christophe Darbellay darf sich über diesen Walliser Wahlsonntag freuen. (Video: Keystone)

Offen ist, ob es mit Stéphane Rossini einen zweiten Sozialdemokraten in der Regierung wünscht. Im ersten Wahlgang haben ungewöhnlich viele Christlichdemokraten für Rossini gestimmt – und gegen die wenig bekannten FDP-Kandidaten. Ob dieses Verhalten im zweiten Wahlgang anhält, ist unsicher. Mitentscheidend wird das Verhalten der FDP sein. Ginge sie eine Allianz mit der SVP ein, würde dies Freysinger entlasten, der FDP aber kaum zurück in die Regierung verhelfen. Darum ist eine FDP-SVP-Allianz eher unwahrscheinlich.

FDP wie SP müssen in den kommenden zwei Wochen intensiv um CVP-Wähler werben. Weil die FDP im Vergleich zu SP und SVP die schwächste Partei ist, zeichnet sich ein Duell Freysinger - Rossini ab. Die SP ist einer Sensation nahe. Das weiss auch Rossini: «Es wird um Persönlichkeiten, nicht um Parteien gehen. Die Jahre des Hasses unter Oskar Freysinger müssen enden.»

Infografik: Staatsrat Kanton Wallis

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