Es ginge auch mal ohne Champions League

Der FCB könnte die Königsklasse verpassen. Doch ein Scheitern wäre für die Basler verkraftbar.

Noch ist nichts verloren: Der Basler Matías Delgado am Mittwoch in St.-Jakob-Park. Foto: Simon Hoffmann (Getty)

Noch ist nichts verloren: Der Basler Matías Delgado am Mittwoch in St.-Jakob-Park. Foto: Simon Hoffmann (Getty)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Vielleicht lag es am schönen Wetter und der sommerlich-leichten Stimmung unter den Kastanienbäumen im Garten der Basler Kunsthalle. Doch Bernhard Heusler wirkte rund eine Woche vor dem ersten von zwei Millionen-Spielen gegen Maccabi Tel Aviv nicht nur deswegen reichlich entspannt. Der Präsident des FC Basel wiegte sich auch nicht im trügerischen Gefühl, dass sich seine Mannschaft sowieso für die Gruppenphase der Champions League qualifizieren würde. Nein, Heusler wusste schlicht, dass sich sein Club für einmal ein Scheitern erlauben könnte.

Natürlich, auf die Königsklasse verzichtet niemand gerne. Und die Basler haben im Rückspiel in Tel Aviv trotz des 2:2 im heimischen St.-Jakob-Park noch immer gute Aussichten, sich zu qualifizieren. Richtig gut wirkte der Gegner aus Israel nämlich während 96 Minuten kaum einmal. Doch notfalls geht es in diesem Jahr in Basel auch ohne Champions League.

Der FCB hat 33 Millionen Eigenkapital

Das grösste Problem, mit dem der FCB in jedes Jahr startet, haben die Basler nämlich für 2015 bereits so gut wie gelöst: Es ist ihr strukturelles Defizit von rund 15 Millionen Franken, das sie in jedem Jahr mit ausserordentlichen Einnahmen decken müssen. Also mit Prämien aus dem Europacup und/oder Transfereinnahmen. Diese Hausaufgaben hat der FCB bereits gemacht. Allein der in der restlichen Schweiz kaum beachtete Wegzug des Paraguayers Derlis Gonzalez in die Ukraine brachte den Baslern im Sommer knapp 10 Millionen Franken ein.

Kommt dazu, dass der FCB in den Jahren 2012, 2013 und 2014 jeweils einen Gewinn in zweistelliger Millionenhöhe ausgewiesen hat – vor Steuern und Abschreibungen. So hat er sich ein Eigenkapital von 33 Millionen erarbeitet, das in seiner Holding parkiert ist.

Da liesse es sich sogar verkraften, wenn die auf diese Saison hin noch einmal aufgestockten Champions-League-Prämien verpasst würden. 14 Millionen Euro erhält der Sieger des Duells zwischen dem FCB und Maccabi garantiert, fast 9 Millionen mehr als der Verlierer. Viel Geld, das in Basel jedoch sowieso nicht eins zu eins auf dem Vereinskonto landen, sondern zu grossen Teilen via Erfolgsbeteiligung in die Taschen der Spieler fliessen würde.

Für die weitere Zukunft des FC Basel hat der Gewinn des Meistertitels eine viel höhere Bedeutung als die Spiele gegen Tel Aviv. Denn der Schweizer Titelhalter darf 2016 ohne Qualifikation in die Gruppenphase. Und wenn das einmalige Verpassen der Königsklasse für den FCB keinen Beinbruch darstellt, so könnte das dauerhafte Fernbleiben das Basler Geschäfts­modell durchaus vor Probleme stellen.

Strahlkraft der Sternenliga

Dieses basiert nämlich nicht bloss auf den ­Prämien, die es europäisch zu verdienen gibt, sondern darauf, sich die Strahlkraft der Sternenliga zunutze zu machen. Die hilft einerseits dabei, Profis anzuziehen, die kaum in die Schweiz kämen, böte sich ihnen nicht die Aussicht auf die grösste Bühne, die der Clubfussball bietet.

Zudem lassen gute Auftritte in der Champions League den Transferwert der eingesetzten Spieler rasant steigen. Mit Einsätzen in der Schweizer Liga allein hätte sich die Ablösesumme eines Gonzalez kaum innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Ein Tor gegen Real Madrid hilft da schon eher. Die Auftritte auf höchster Ebene sind es, die den FCB für seine Profis viel höhere Ablösesummen kassieren lassen, als sie die restlichen Schweizer Clubs erhalten. Und die Differenz wiederum hat es den Baslern ermöglicht, die Liga mit sechs Titeln in sechs Jahren zu dominieren.

Der nationalen Konkurrenz würde ein Basler Scheitern gegen Maccabi also nur dann helfen, wenn es gleichzeitig einer Mannschaft gelingen würde, dem FCB in dieser Saison den Meistertitel wegzuschnappen. Dann könnte der Basler Kreislauf aus Titeln und Spieler-Wertsteigerung auf europäischer Ebene vielleicht ins Stottern geraten. Anzeichen, dass ein Schweizer Club dazu in der Lage wären, gibt es derzeit aber keine.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.08.2015, 23:37 Uhr

Artikel zum Thema

FCB: Das Zittern um die Millionen

Dem FC Basel droht nach dem misslungenen Heimspiel im Champions-League-Playoff das Ausscheiden – mit finanziellen Konsequenzen. Mehr...

Das blanke Entsetzen zum Schluss

Der FC Basel muss sich im Hinspiel der Champions-League-Playoffs gegen Maccabi Tel Aviv mit einem enttäuschenden 2:2 begnügen. Mehr...

Irgendwo passt das mit Fischer und dem FCB

Urs Fischer eilte der Ruf des Polterers voraus. Beim FC Basel punktet der Trainer aber mit Sozialkompetenz. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitag um 16 Uhr Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Haar um Haar: Was aussieht wie die Nahaufnahme eines Blütenstandes sind tatsächlich Rasierpinsel aus Dachshaar. Sie stehen bei einem Pinselhersteller im bayerischen Bechhofen. (25. September 2018)
(Bild: Daniel Karmann/dpa) Mehr...