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Ein Ruheraum für Russlands Killer

Wenn Moskau Mitglieder von Todeskommandos als Diplomaten getarnt in die Schweiz schickt, ist eine klare Antwort notwendig.

Spezialisten untersuchen den Ort im englischen Salisbury, wo Sergei Skripal und seine Tochter gefunden wurden. Foto: Peter Nicholls/Reuters
Spezialisten untersuchen den Ort im englischen Salisbury, wo Sergei Skripal und seine Tochter gefunden wurden. Foto: Peter Nicholls/Reuters

Alle tun es. Jeder Staat hat Nachrichtendienste, um andere Staaten aus­zuspionieren. Die Spione sitzen in Botschaften und Konsulaten, getarnt als Diplomaten der zweiten oder dritten Reihe. Aber in jenem Fall, über den das Recherchenetzwerk «Bellingcat» und diese Zeitung heute berichten, geht es nicht um eher harmlose Informationsbeschaffung.

Russland liess in Genf einen Mann als Diplomaten bei der Welthandelsorganisation (WTO) akkreditieren, der zu einer Sondereinheit des Militär­geheimdienstes GRU gehört, die für besonders schmutzige Einsätze ­zuständig ist. Auch für Morde im Ausland. Die Mitglieder der «Einheit 29155» wurden militärisch ausge­bildet und waren im Krieg. Das sind keine Gentlemen-Agenten aus den Romanen von John le Carré.

Der vermeintliche Diplomat in Genf war zuvor mit Tarnnamen an der Vergiftung eines Bulgaren beteiligt. Er hatte Kontakt zu jenen Spionen des russischen Geheimdienstes, die im März 2018 im englischen ­Salisbury den Doppelagenten Sergei Skripal und seine Tochter vergifteten. Alleine seine Anwesenheit in Genf war damit für die Schweiz ein grosses Sicherheitsrisiko.

Alleine die Anwesenheit des russischen Spions in Genf war für die Schweiz ein Sicherheitsrisiko.

Zu jener Zeit, als der Mann bei der WTO akkreditiert war, kamen ­Kameraden aus seiner Killereinheit oft an den Genfersee. Was zog sie in die Schweiz? Hatten sie hier einen Rückzugs- und Ruheraum? Planten sie von hier aus Operationen in Europa? Oder ein Attentat in der Schweiz?

Die russische Regierung wird diese Fragen nicht beantworten. Die Delegation in Genf gibt nicht einmal die Existenz des Spions zu. In einem anderen Fall verweigerte Bern schon einmal russischen Diplomaten die Akkreditierung. Moskau blieb un­beeindruckt. Die USA reagierten deutlicher: Als Antwort auf die russische Einmischung in die Innenpolitik wurden mehrere GRU-Agenten angeklagt und Vertraute von Präsident Putin auf eine Sanktionsliste gesetzt.

Kein Zugriff auf ihre Schweizer Konten, kein Zugang zu ihren Schweizer Immobilien – das würde die russische Nomenklatura wirklich hart treffen.

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