Trump droht die Rache der Vorstadt

Der demokratische Erfolg bei den US-Wahlen am Dienstag verdankt sich vor allem den Vorstädten. Den Republikanern sollte dies zu denken geben.

Great? Oder doch nicht? Donald Trump an einer Wahlveranstaltung in Kentucky.

Great? Oder doch nicht? Donald Trump an einer Wahlveranstaltung in Kentucky.

(Bild: Reuters)

Martin Kilian@tagesanzeiger

Die Demokratische Partei wird derzeit von grossen Ängsten geplagt. Neue Umfragen zeigten, wie stark Donald Trump in womöglich wahlentscheidenden Bundesstaaten wie Michigan und North Carolina ist.

Zudem wachsen innerhalb der Partei Zweifel am Kandidatenfeld für die demokratische Präsidentschaftsnominierung. Es wird befürchtet, die Basis der Partei mitsamt aussichtsreichen Kandidaten wie Elizabeth Warren und Bernie Sanders rücke zu sehr nach links und damit weg aus der traditionell erfolgsträchtigen politischen Mitte.

Das Ergebnis der regionalen Wahlen in Kentucky und Virginia am Dienstag sollte die Partei jedoch beruhigen. Und wichtiger als ihre Erfolge in beiden Bundesstaaten ist, wie diese Siege zustandekamen. Sowohl in Kentucky, wo der demokratische Gouverneurskandidat Andy Beshear wahrscheinlich den republikanischen Amtsinhaber Matt Bevin ablösen wird, als auch in Virginia, wo die Demokraten erstmals seit einer Generation die Mehrheit in beiden Kammern des Staatsparlaments stellen werden, trugen Wähler in den Vorstädten massgeblich zum demokratischen Erfolg bei.

Trend in Suburbia bestätigt

Suburbia und Exurbia, so die Bezeichnung der weiter aussen liegenden Vorstädte, wenden sich von Donald Trumps Republikanischer Partei offenbar ab. Der Wunsch nach einem verbesserten Gesundheitswesen und neuen Gesetzen zur besseren Kontrolle von Schusswaffen leitet diese Wähler. Und vielleicht sind sie auch die Eskapaden des Präsidenten leid.

Beispielhaft dafür ist das Wahlergebnis in Kentucky: In den Vorstädten der grössten Stadt Louisville sowie in der Suburbia-Region der Grosstadt Cincinnati, die aus dem benachbarten Ohio in den Norden Kentuckys hineinreicht, liefen Wähler in Scharen zu den Demokraten über. Von bislang drei verlässlich republikanischen Kreisen nahe Cincinnati ist nach dem Dienstag nur einer übrig. Auch in den Vorstädten von Louisville siegte der Demokrat Andy Beshear mit grossem Vorsprung.

Ähnlich verlief die Wahl im einstmals überwiegend republikanischen Virginia, das sich im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte stetig ins demokratischen Lager bewegt hat. Wähler in den zu Virginia zählenden Vorstädten der Hauptstadt Washington sowie rund um die Staatshauptstadt Richmond waren die treibende Kraft für den demokratischen Sieg.

Das Wahlergebnis vom Dienstag ist nicht unbedingt ein Barometer für die Präsidentschafts- und Kongresswahlen im November 2020, sollte den Republikanern jedoch zu denken geben. Denn was sich bereits bei den Kongresswahlen 2018 andeutete, setzte sich am Dienstag in Kentucky und Virginia fort: Suburbia wird zu einem schwierigen politischen Terrain für Donald Trump und seine Partei.

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