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Die Realität ist brutal, wenn man alt wird

Warum es so wichtig ist, dass die Fahrtüchtigkeit regelmässig überprüft wird.

Arthur Rutishauser

Willkür gegen eine bestimmte Altersgruppe darf es nicht geben, auch nicht im Bereich der Mobilität. Im Zweifelsfall hat man auch als ­Senior – bis zum Beweis des Gegenteils – als unschuldig zu gelten!» Mit diesem Slogan leitete der abtretende Nationalrat Maximilian Reimann seinen Kreuzzug für eine Erhöhung des Mindestalters für die obligatorischen Fahrtüchtigkeitskontrollen ein. Als ob jemand, der wegen Altersbeschwerden nicht mehr fahrtüchtig ist, schuldig wäre. Ein Denkansatz, der völlig aus der Realität gefallen ist. Aber Reimann ist es gelungen, im National- und im Ständerat Mehrheiten dafür zu finden, die Altersgrenze für die Fahrtüchtigkeitskontrollen dieses Jahr von 70 auf 75 Jahre zu erhöhen. Mit verheerenden Folgen, wie man ­heute sieht.

Natürlich, wir wollen alle länger leben, und niemand will alt werden. Denn alt werden bedeutet, dass man je länger je häufiger krank wird, physisch und psychisch. Beides wirkt sich auf die Fahrtüchtigkeit aus. Bei physischen Krank­heiten, vielfach Herzleiden oder Krebs, braucht es oft starke Schmerzmittel. Was das für die Fahrtüchtigkeit bedeutet, steht auf dem Beipackzettel. Heimtückischer sind neuropsychiatrische Krankheiten wie alters­bedingte Demenz. Die beginnt meist schleichend. Oft werden erste Anzeichen der Krankheit weder von Angehörigen noch von den Betroffenen erkannt. Sie werden für normale Alterserscheinungen gehalten. Und wenn es für die Angehörigen offensichtlich wird, merken es die Betroffenen oft nicht mehr – und die Angehörigen haben Hemmungen, es ihnen zu sagen.

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