Die Pfründen verteidigen reicht nicht mehr

Die Walliser CVP kann ihre beiden Ständeratssitze halten. Sie muss aber Ideen liefern, um in Zukunft bestehen zu können.

Beat Rieder und Marianne Maret besetzen die Walliser CVP-Ständeratssitze. Foto: Keystone

Beat Rieder und Marianne Maret besetzen die Walliser CVP-Ständeratssitze. Foto: Keystone

Philippe Reichen@PhilippeReichen

Noch ist die Ära nicht zu Ende, die Herrschaft nicht beseitigt, das Monopol nicht gebrochen. Die Walliser CVP besetzt auch in den kommenden vier Jahren die beiden Ständeratssitze des Bergkantons, so wie sie dies seit über 150 Jahren tut. Immerhin sitzt mit Marianne Maret erstmals eine Walliserin im Stöckli.

Bislang ist die 61-Jährige allerdings kaum als prononcierte Frauenrechtlerin aufgefallen. Auf die Interviewfrage, was sie denn getan habe, bis das Wahlergebnis feststand, sagte sie: «Ich habe das getan, was alle Hausfrauen tun, wenn sie sich langweilen. Ich habe das Haus herausgeputzt.» Im besten Fall war die Aussage ein bizarrer Scherz. Danach hat sich die Äusserung aber nicht angehört.

Die Walliser CVP-Festung im Ständerat hat gehalten, obschon die Partei bei den Nationalratswahlen nur noch 34,8 Prozent Wähleranteile erreichte. Die fast erfolgreiche Ständeratskandidatur des 32-jährigen Unterwalliser SP-Nationalrats Mathias Reynard zeigt aber, dass sich der Kanton politisch und gesellschaftlich verändert. Gerade durch die Einwanderung ins Unterwallis wird er offener, jugendlicher und urbaner. Dieselbe rot-grüne Welle, die bei den nationalen Wahlen die ganze Schweiz erfasste, schwappte vom Genfersee weit in den Walliser Talboden hinein.

Die rot-grüne Welle schwappte vom ­Genfersee weit in den Walliser Talboden ­hinein. Das Oberwallis hat sie allerdings nicht erreicht.

Das Oberwallis hat sie allerdings nicht erreicht. Auch bei der gestrigen Entscheidung der ­Ständeratswahlen nicht. Im Ober­wallis bleibt vorerst alles beim Alten, und man erwartet, dass sich die Standesvertreter in Bern auch in Zukunft für eine grösstmögliche Autonomie bei der Raumplanung, Vorzüge bei den Wasserzinsen, Subventionen für den Tourismus und ein liberales Jagd­gesetz einsetzen.

Die CVP sollte eines nicht ignorieren: Der Hauptgrund für Reynards Wahlerfolg ist, dass viele Walliserinnen und Walliser von der CVP und ihren Machtspielen genug haben und neue Impulse wollen. Im Wahlkampf wurde einmal mehr offensichtlich, wie sehr sich die Christlichdemokraten in den letzten Jahrzehnten auf die Kontrolle und Verteidigung ihrer Pfründen ­spezialisierten. Die Partei muss ­umdenken. Heute und in Zukunft sind Ideen und Innovation gefragt.

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