Der Lauf des Schweizer Frischlings

Der Zürcher Laufschuhhersteller On startete vor fünf Jahren zu dritt, 70 Mitarbeiter sind seither dazugekommen. Nun wagt er den Schritt in den US-Markt.

Gold mit On an den Füssen: Nicola Spirig an der Triathlon Europameisterschaft 2015 in Genf. Foto: Salvatore di Nolfi (Keystone)

Gold mit On an den Füssen: Nicola Spirig an der Triathlon Europameisterschaft 2015 in Genf. Foto: Salvatore di Nolfi (Keystone)

Der Küchentisch diente David ­Allemann als Büro. Über einen eigenen Raum verfügte die Zürcher Laufschuhfirma On bei ihrer Gründung 2010 noch nicht. Also musste Allemann wie seine beiden Mitgründer Caspar Coppetti und Olivier Bernhard von zu Hause aus arbeiten. Diese Woche überblickte Allemann mehrere Hundert Quadratmeter, als er das dritte und neuste Büro des Unternehmens präsentierte. Sein Team hat es kürzlich bezogen.

Am Küchentisch braucht Allemann also nicht mehr zu schaffen, weil der Neuling im globalen Markt vorankommt: In über 30 Ländern ist On inzwischen präsent, besitzt Dependancen in den USA sowie Japan und beschäftigt weltweit 70 Mitarbeiter, davon 40 in ­Zürich. Dass die nächstgelegene Tramhaltestelle vor dem Sitz in ­Zürich-West «Sportweg» heisst, passt zum Firmeninhalt. 10'000 Paar Laufschuhe produzierte On im ­ersten Jahr, inzwischen zählt das Unternehmen 700'000 Kunden.

Das Modell «Cloudster». Foto: On

Über die Innovationskraft des Produkts redet Allemann gerne, soll er ­jedoch wirtschaftliche Kennziffern hinzufügen, verstummt er rasch, immerhin freundlich lächelnd. Bekannt ist, dass die Gründer in dieser kosten­intensiven Branche auf externe Finanzierung zurückgreifen und ihre Führungsspitze verbreitert haben. Denn im Jahr 5 des Bestehens ist die Aufbauphase abgeschlossen und will On besonders stark in den USA wachsen, dem grössten Laufschuhmarkt mit Milliardenumsatz pro Jahr.

Dazu muss On aber gegen zahlreiche Konkurrenten bestehen, die teilweise bereits Jahrzehnte im ­Geschäft sind. Den Schweizer Finanzchef hat On schon ­einmal in der ­US-Zweigstelle in Portland angesiedelt, auch um keine schweizerische Binnenperspektive aufkommen zu lassen. Schliesslich verkauft On neun von zehn Paar Schuhen im Ausland.

«Cloudster» für Damen. Foto: On

Das Gründertrio bewegt sich ­regelmässig in den Hotspots der Lauf- und Laufschuhszene, um sich mit Spezialisten auszutauschen oder Trends aufzuspüren. «Im Markt präsent sein», nennt das Allemann. Für den grössten Marathon der Welt, der übermorgen in New York stattfinden wird, reist ein Grossaufgebot der Zürcher in die US-Metropole. Wer als Laufschuhhersteller ernst genommen werden – und auch auffallen – will, präsentiert dort seine Produkte für Brancheninsider und Läufer. Immerhin werden 50'000 Ausdauerfreunde über 42,195 km starten.

On produziert seine Schuhe wie fast alle Spezialisten in Asien, erst in China, seit 2013 in Vietnam. 40 lokale Firmen stellen Einzelteile für On her. Ausserhalb Hanois werden sie zusammen­gesetzt. Drei bis vier Stunden dauert es, bis ein Paar formvollendet dasteht. Die Montage geht dabei durch 80 bis 100 Hände. Die Dämpfungselemente erwiesen sich zu Beginn als Problemzone, weil sich herkömmlicher Gummi als zu wenig resistent erwies. 20 verschiedene Zutaten an der Gummimischung garantieren inzwischen eine marktübliche Dauer der Haltbarkeit. Auch selbst ­entwickeltes Werkzeug für die Schuhherstellung ­besitzt On mittlerweile.

Die technische Komplexität erklärt, warum sich die Gründer noch viele Fortschritte erhoffen. Trotz rasanter Anfangsphase kann der Schuh optimiert werden. Allemann und seine Mitgründer wählten den neuen Hauptsitz darum weitsichtig. Gegen 100 Personen finden darin Platz.

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